6. Freiburger Wundsymposium

„Über den Wundrand geschaut“

Das 6. Freiburger Wundsymposiums brachte wieder viel Neues zur Versorgung von Wundpatienten. Experten aus unterschiedlichen Fachgruppen tauschten sich aus und diskutierten aktuelle Erkenntnisse.

Über den Wundrand geschaut“ war das Motto des 6. Freiburger Wundsymposiums, das am 16. März 2013 stattfand. Die interdisziplinäre, praxisorientierte Fortbildung hat sich inzwischen als „Know-How für die Praxis“ im Bereich der Wundbehandlung etabliert. Über 560 Teilnehmer nahmen an der Veranstaltung teil, die wie jedes Jahr vom Universitätsklinikum der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Wundheilung und dem Wundzentrum des Universitätsklinikums Freiburg durchgeführt wurde. Tagungsleiter war Prof. Dr. med. Ulrich Theo Hopt, Ärztlicher Direktor der Allgemein- und Viszeralchirurgie.
Experten aus verschiedenen Wundzentren und unterschiedliche Berufsgruppen wie Pflegekräfte, Physiotherapeuten, Orthopädiemechaniker, Klinikärzte sowie niedergelassene Ärzte, die täglich mit der Problematik konfrontiert sind, tauschten sich über neue Trends in der Wundheilungsforschung aus und diskutierten über aktuelle Erkenntnisse.


Neu herausgegebene S3-Leitlinie


Ein wichtiger Themenschwerpunkt lag auf der neu herausgegebenen S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung e.V. (DGfW) zur Lokaltherapie chronischer Wunden. In interdisziplinären Diskussionen wurde erörtert, inwieweit sich dadurch Änderungen in der Versorgung von Wundpatienten ergeben und worin die Konsequenzen für die Behandlung der Patienten liegen. Es wurde hervorgehoben, dass die Grunderkrankungen von entscheidender Bedeutung sind und die häufigsten Ursachen chronischer Wunden darstellen: arterielle, venöse und lymphatische Erkrankungen, Druckgeschwüre und das diabetische Fußsyndrom. Praktische Fragen wie etwa die geeignete Schuhversorgung standen im Vordergrund – bis hin zu Möglichkeiten und Chancen bei einer Amputation und prothetischen Versorgung. Dabei wurde deutlich, dass die Heilungschancen für eine Fußwunde vor allem auch davon abhängt, wie schwer die Durchblutungsstörung ist und wie schnell sich die Situation durch das Tragen nicht optimal angepasster Schuhe verschlechtern kann.


Lösungsansätze bei stagnierender Wundheilung


Einen breiten Raum nahmen die Behandlungsmöglichkeiten der Erkrankungen ein, die der Wunde zu Grunde liegen und die Frage, welche konservativen und chirurgischen Verfahren zu welchem Zeitpunkt erfolgreich einzusetzen sind, um die Patienten optimal zu behandeln. Bei der Entscheidung, welche Behandlung die richtige für welche Wunde ist, wurden auch die Themen Ernährung, Mikrobiologie und Hygiene diskutiert.

Vortrag von Christian Moosmann vom Team der Tagungsleitung
Vortrag von Christian Moosmann vom Team der Tagungsleitung

Vorträge und Diskussionsrunden vermittelten den aktuellen Forschungsstand zu Desinfektion, Reinigung und Pflege von Wunden sowie Lösungsansätze bei stagnierender Wundheilung, um den natürlichen Prozess, den körpereigenen Verschluss der Wunde, durch Wiederherstellung des beschädigten Gewebes zu erreichen.
Von praxiserfahrenen Referenten wurde die ganze Bandbreite einer modernen, zeitgemäßen Wundversorgung dargestellt, die neben der Vielzahl verschiedener Verbandsmaterialien auch zahlreiche lokaltherapeutische Optionen wie etwa die Madentherapie oder die Vakuumtherapie umfasst. Aber auch zugelassene Wundauflagen mit Honig, Eichenrindenextrakt, Tannenharz oder Fremderythrozyten wurden besprochen, die bei gezielter Anwendung additive Effekte wie Keimreduktion oder ein Anstoßen der Wundheilung auslösen können.


Stoßwellen und „aurikuläre Vagusstimulation“


Da die rasante medizinische Entwicklung in den letzten Jahren etliche neuartige Therapiekonzepte in der Wundbehandlung aufbrachte, wurden auch der Einsatz von Stoßwellen sowie die sogenannte „aurikuläre Vagusstimulation“ vorgestellt, bei der die Wundheilung und insbesondere Schmerzen positiv beeinflusst werden kann, indem der Nervus Vagus über Seitenäste im Ohr durch Reizstrom stimuliert wird.
Die Teilnehmer des Symposiums diskutierten nicht nur neue Trends und aktuelle Forschungsergebnisse in der Wundheilung, sondern der Fokus lag vor allem auch auf der praktischen Umsetzung und praxisrelevantem Wissen, wie die Wundheilung zu fördern ist und neue Erkenntnisse in den Behandlungsalltag zu integrieren sind. Spezielle Workshops, die zu ABI (engl. Ankle-Brachial-Index = Knöchel-Arm-Index) und Verschlussdruckmessung, Kompression, Wundauflagen und Wunddokumentation angeboten wurden, waren gut besucht. Praktische Themen wie Haut- und Wundrandpflege, Wickel in der Pflege und seltene Wundursachen in Klinik, Diagnostik und Therapie führten zu interessanten Diskussionen.
Wie in den Vorjahren war das Programm der Veranstaltung nach den Wünschen der Teilnehmer ausgerichtet und in diesem Jahr um weitere allgemeine, nicht wundspezifische Themen ergänzt. Dabei ging es zum Beispiel um neue Erkenntnisse zur Reanimation und adäquates Verhalten beim medizinischen Notfall, um das richtige Management bei Harn- und Stuhlinkontinenz sowie um rechtliche Aspekte bei einer Patientenverfügung. ka

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