Paul-Janssen-Preis für Dermatologie und Immunologie

Forschungspreis verliehen

Dr. rer. nat. Christian Karsten, Institut für Systemische Entzündungsforschung der Universität zu Lübeck, hat auf der DDG-Tagung in Dresden den 1. Preis in der Kategorie Grundlagenforschung des diesjährigen Paul-Janssen-Preises Dermatologie/Immunologie erhalten.

Foto: Janssen-Cilag
Dr. rer. nat. Christian Karsten (li.) und Prof. Dr. med. Dr. phil. Ingo Haase

Mit dem Preis würdigt die Janssen-Cilag GmbH herausragende Forschungsaktivitäten dermatologischer und immunologischer Wissenschaftler in Deutschland. Karsten erhielt ihn für seine Arbeit „Anti-inflammatory activity of IgG1 mediated by Fc galactosylation and association of FcγRIIB and Dectin-1“, die im September 2012 in "Nature Medicine" erschienen ist.

In seiner Arbeit hat Karsten einen bisher unbekannten Mechanismus beschrieben, über den Antikörper Entzündungsreaktionen hemmen können. Dies ist überraschend, da Antikörper typischerweise eine Entzündungsreaktion verursachen, in deren Folge pathogene Mikroorganismen abgetötet werden.

Als Ursache für diese neue Wirkung von Antikörpern konnte der Wissenschaftler eine Strukturveränderung der Antikörper ausmachen. So hemmen bestimmte Immunglobulin-G-Antikörper (IgG) immer dann eine Entzündungsreaktion, wenn sie in hohem Maße den Zucker Galaktose tragen. Ihre anti-entzündliche Wirkung entfalten diese hoch verzuckerten Antikörper durch die Quervernetzung von zwei unterschiedlichen Rezeptoren auf Entzündungszellen (z.B. Granulozyten oder Makrophagen).

Bisher war bekannt, dass Antiköper an einen der beiden Rezeptoren binden (FcγRIIB). Durch die hohe Verzuckerung erlangt der Antikörper die Fähigkeit, an einen Zucker-bindenden Rezeptor zu binden (Dectin-1) und in der Folge beide Rezeptoren zu vernetzen. Dadurch wird in den Entzündungszellen ein Signalweg angeschaltet, der Entzündungssignale blockiert.

Die Bedeutung dieses neuen anti-inflammatorischen Effektes hat Karsten in Zusammenarbeit mit der Lübecker Klinik für Dermatologie in einem Modell für blasenbildende Autoimmunerkrankungen der Haut zeigen können. Die Behandlung mit hoch verzuckerten Antikörpern führte zu einer signifikanten Reduktion der klinischen Symptome.

Tatsächlich ist seit längerem bekannt, dass in anderen Autoimmunerkrankungen wie zum Beispiel der rheumatoiden Arthritis Patientinnen und Patienten im akuten Schub der Erkrankung einen verminderten Anteil an galaktosylierten Antikörpern aufweisen. Die von Karsten gemachte Beobachtung, dass hoch-galaktosylierte Antikörper eine entzündungshemmende Wirkung haben, bietet eine immunologische Erklärungsmöglichkeit für diese Befunde. Damit könnte die Modulation der Antikörperglykosylierung ein vielversprechender Ansatz zur Therapie von Erkrankungen darstellen, bei denen inflammatorische Antikörper eine pathogenetische Rolle spielen, zum Beispiel bei Autoimmunerkrankungen oder allergischen Erkrankungen.

Der Janssen-Preis Dermatologie wird alle zwei Jahre in den Kategorien Grundlagenforschung und Klinische Forschung vergeben. Honoriert werden jeweils drei Arbeiten in den beiden Kategorien mit einer Gesamtsumme von 40.000 Euro. Der 1. Preis in der Kategorie Grundlagenforschung ist mit 10.000 Euro dotiert. Die Preisträger werden durch ein fünfköpfiges, unabhängiges Gremium namhafter Wissenschaftler ermittelt.ve

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