FÄD - FORUM ÄSTHETISCHE DERMATOLOGIE

Neues ästhetisches Konzept

Über seine Erfahrungen mit einem neuen Gerät, das Mikroneedling und Radiofrequenzimpulse kombiniert, wird Dr. med. Johannes Lang, Erlangen, in Frankenthal berichten.

In Asien ist die Reizung der Haut und Unterhaut mit kleinen Nadelstichen seit Jahrhunderten bekannt. In der Ästhetik werden Nadelroller seit vielen Jahren eingesetzt. „Microneedling“ (oder: „medical needling“) ist also keine neue Sache. Mithilfe der sogenannten „Collagen-Induktion-Therapy“ (CIT) oder „Perkutanen Collagen-Induktion“ (PCI) werden so Narben und Akne-Narben mit gewissem Erfolg behandelt.
In der Ästhetischen Medizin wurden in den letzten Jahren und Jahrzehnten viele Apparate und Methoden zur Hautverjüngung entwickelt. Unter den Lasern hat sich der fraktionierte CO2-Laser am besten etabliert. Unter den Blitzlampen hat das Prinzip der doppelten Cut-off-Filter (z.B. VPL) den Durchbruch gebracht. Radiofrequenzgeräte hatten in der sanften, aber effektiven Ästhetik schon immer das Problem, dass unsere Haut ein potenter Schutzpanzer ist. Die gut gemeinten Energiestöße können nicht ohne größeren „Flurschaden“ an den oberflächlichen Schichten in die gewünschte Tiefe dringen.
Im Folgenden wird das Gerät „De‧Age Beauty“ vorgestellt. Es bietet die Kombination von Mikroneedling und Radiofrequenzimpulsen.


Stichtiefe genau einstellen


Die elektrischen Impulse (im Radiofrequenz-Bereich von 1 MHz) werden nach dem Einstich der 36 Nadeln in die Haut appliziert.
Da die Nadeln bis zur Spitze (ca. 0,3 mm) von einer elektrischen Isolierschicht überzogen sind, ist die Ausbreitungszone der Impulse bei korrekter Anwendung streng sub-epidermal (je nach Stichtiefe).
Die Stichtiefe kann und sollte genau den zu behandelnden Arealen entsprechend eingestellt werden. Der Justierbereich liegt in feinen Abstufungen zwischen 0,1 und 4 mm.
Die Applikation der Radiofreqenzen pro Impulsnadel lässt sich in prozentualen Schritten zwischen 3 und 3,5 mJ bzw. 1 bis 100 msek einstellen.
Repetitionen lassen sich automatisieren und damit den persönlichen Behandlungsvorlieben (Behandlungsgeschwindigkeit/Mehrfachimpulse) anpassen.
Das Handstück wird mit dem mit 36 Nadeln bewehrten Kopfstück geladen und dient auch der Auslösung, die zuerst den Nadelvorschub und daraufhin automatisch den eingestellten RF-Impuls steuert. Das mit einer Auslösung behandelte Areal entspricht 2,25 cm² Körperoberfläche; somit ist eine relativ schnelle flächenhafte Therapie möglich.
Das Behandlungsziel ist es, die Spitzen der Behandlungsnadeln zur erwünschten Schicht zu bringen. Bei der straffenden Therapie von Fältchen und Cutis laxa sollten das die Kollagenfaserschichten der Dermis sein. Aufgrund der unterschiedlichen Dicke der Epidermis (und Dermis) an den unterschiedlichen Gesichts- und Körperstellen und der individuellen Hautbeschaffenheit muss der behandelnde Arzt respektive die behandelnde Ärztin auf diese Variablen hin die Therapieeinheit einstellen. Andererseits ist unsere Haut ein elastisches Organ. Sobald wir die Lederhaut mit den Nadelspitzen erreicht haben, gibt es einen federnden Widerstand und die Nadeln werden vom tieferen Eindringen abgehalten. Hier stellt auch die Anzahl und Beschaffenheit der Nadeln sowie die Fläche der Applikation einen „Sicherheitspuffer“ her.
Um primär ein „Zu tief“ zu vermeiden, ist eine Anfangseinstellung von 0,7 bis 1,8 mm für die Hautstraffung als sichere Einstellung zu sehen.
Die Indikation Zellulite dagegen zielt auch auf tiefere Ziele ab. Hier sind Tiefeneinstellungen von 2,5 mm angezeigt.
Narben wären aufgrund ihrer vielfältigen Phäne und Struktur in diverse Klassen zu unterteilen. Erfreulicherweise sind die nötigen Einstellungen im Gegensatz dazu in der Praxis sehr einfach zu wählen. Mit vorjustierter 1-mm-Stichtiefe und 50 Prozent RF-Leistung (ein bis drei Passes) waren die Ergebnisse bei meinen Probanden bereits nach der ersten Behandlung sehr zufriedenstellend.


A priori eine „Stand-alone-Therapie“


Das Gerät ermöglicht a priori eine „Stand-alone-Therapie“. Kombinationen mit unterschiedlichen Externa haben bei meinen Behandlungsbeobachtungen keinen wesentlichen Unterschied gebracht. Um die Rate von Nebenwirkungen so gering zu halten, wie es uns dieses System ermöglicht, wäre es auch sinnvoll, die Risiken von Unverträglichkeiten gegen „exotische“ Externa nicht zu überstrapazieren. Lediglich Sonnenschutz für die Tage nach der Behandlung wäre eine empfehlenswerte adjuvante Begleitbehandlung.
Die zur Behandlung mit dem System anstehenden Areale sollten gereinigt, desinfiziert und trocken sein. Bei besonders schmerzempfindlichen Patienten kann eine lokale Hypothermie oder lokal-anästhetische Therapie den Patientenkomfort unterstützen. Bei gleichmäßiger Hautdicke im 15 mal 15 mm großen Behandlungsfeld (pro Impuls) sollte das Handstück senkrecht auf der Hautoberfläche gelagert und an Übergangsarealen zwischen dickerer und dünnerer Haut tendenziell von der dünnen Haut etwas abgehoben bzw. zur dickeren Schicht gekippt werden. Der Anpressdruck muss ausreichen, die gewünschte und eingestellte Stichtiefe durch die Hautoberfläche zu gewährleisten.
Da die primären Nebenwirkungen sehr gering ausfallen, ist bei der Behandlung Überblick gefragt, um keine Behandlungslücken entstehen zu lassen. Hierfür kann ggf. eine Partitionierung des Behandlungsareals und dessen Markierung mit einem Kajalstift hilfreich sein.
Die Behandlung kann mit mehreren Durchgängen/Passes durchgeführt werden. Im Falle von zwei bis drei Durchgängen werden die Stichzahlen pro Fläche erhöht, da man kaum dieselben Einstiche beim nochmaligen Überbehandeln treffen wird. Die erneuten Durchgänge treffen dann auf bereits gereiztes Gewebe und die Nebenwirkungen steigen. Wenn bei aufgesetztem Behandlungskopf mehrere Auslösungen erfolgen, wird ein Multipass erzeugt: gleiche Einstiche, Impulse auf noch geringer Gewebereizung. Bei atrophen Narben zum Beispiel lege ich drei Passes an.
Das Behandlungsintervall sollte sich an dem Stoffwechsel der Zielgewebe orientieren und liegt in der Regel bei vier bis acht Wochen.
Das Einbringen von zuvor auf die Hautoberfläche aufgetragenen Externa durch die Nadeln habe ich in Erwägung gezogen, aber nicht durchgeführt. Um unerwünschte Interaktionen zwischen RF-Impuls und Agens zu vermeiden, könnte ansonsten der RF-Impuls reduziert werden.
Je nach Einstellung und behandeltem Areal wird die Behandlung als „überraschend sanft“ bis „heftig“ beschrieben. Letzteres mag allerdings an den experimentell intensiven Einstellungen gelegen haben, die ich in meinen Einstellungsempfehlungen auch nicht aufgenommen habe.
Die initialen Nebenwirkungen sind Rötung, Schwellung und ggf. petechiale Blutungen. Die zunächst flächige und schwache Rötung wird je nach Intensität der Behandlung nach wenigen Minuten in ein Feld von Quaddeln übergehen. Bei lediglich einer Probandin kam es zu einer zwei Tage anhaltenden Schwellung.
Mittelfristig (zweiter bis siebter Tag) sind in über 50 Prozent der Behandlungen „braune Pünktchen“ zu sehen – zumindest aus sehr kurzer Inspektionsentfernung.
Langfristig kann die gestraffte Haut einen leicht pigmentierten Teint hervorbringen. Dies ist ein bekanntes Zeichen von gestraffter Haut, da die gleiche Anzahl von Hautpigmenten auf einer kleineren (da geschrumpften) Fläche dunkler erscheint. Nicht zu verwechseln mit einer „Postinflammatorischen Hyperpigmentierung“ (PIH)! Dieses Phänomen habe ich nach der Behandlung nicht beobachten müssen.


Bislang sichtbar gute Ergebnisse


Die Reaktionsgeschwindigkeit und der Stoffwechsel der Kollagenfasern und des Elastins kann man guten Gewissens als gemächlich bezeichnen. Im Gesicht sind schlussendliche Ergebnisse der Straffung nach drei Monaten zu erwarten, am Körper und bei Narben ist mit bis zu neun Monaten (Striae) Wartezeit zu rechnen.
Aufgrund der relativ kurzen Anwendungsphase und der damit verbundenen Beobachtungszeit von lediglich drei Monaten sind die Ergebnisse noch nicht vollständig. Eingedenk dieser Tatsache können die Ergebnisse aber als sichtbar gut bezeichnet werden.
Im Halsbereich ist offensichtlich der Schichtaufbau des Gewebes für eine Behandlung mit dem System besonders geeignet. Die Kombination zwischen Stich- und RF-Impuls-Therapie mit der Stichtiefe bis an die Junktionszone von Haut und Platysma ist offensichtlich bestens dazu geeignet, eine optimale Wirkung zu erzielen.
Ausschlusskriterien für eine Behandlung sind natürlich Schwangerschaft, Krampfleiden, Herzerkrankungen und maligne/supekte Hautstellen – wegen des penetrierenden Charakters der Nadeln auch infizierte/infektiöse Stellen (z.B. akute Akne) und infektgefährdete Patienten sowie Areale über Implantaten. Aus Gründen der Sicherheit sind zu dieser Gruppe auch injizierbare Implantate (Filler) zu zählen.
Aufgrund der elektrischen und elektromagnetischen Eigenschaften der Therapie scheiden auch Patienten mit elektronischen Geräten wie zum Beispiel Herzschrittmachern zur Behandlung aus.
Ober- und Unterlider sowie die Bereiche um Körperöffnungen sollten nicht als geeignete Bereiche gelten. Patienten mit Herpesanamnese sollten bei Bedarf unter entsprechender Prophylaxe behandelt werden.
Aufgrund der Kombination von Needling und RF-Therapie und der sinnvollen technischen Umsetzung darf das Kombinations-System als vielversprechende Bereicherung zum Antiaging, zur Hautstraffung, Narbentherapie und zur Therapie von Zellulite eingestuft werden. Weitere Ergebnisse folgen.

 

Aktuelle Ausgabe

Hier geht es zur Archiv Anmeldung

Hier finden Sie frühere Ausgaben von DERMAforum