Gastkommentar Mai 2013

Aufmerksamkeit beim Patienten schaffen!

Im Gastkommentar beschreibt Dr. med. Klaus Hoffmann, Bochum, die derzeit haarsträubende Situation auf dem Markt für Medizintechnik.

Foto: privat
Dr. med. Klaus Hoffmann

Der Markt der Schönheit boomt, sodass man sich nicht wundert, dass hier auch sehr viele Scharlatane unterwegs sind. Niemand von uns weiß genau, wie viele Geräte Tag für Tag aus China oder Korea in unser Land importiert werden.
Nach wie vor wird im Großen und Ganzen Medizinschrott in erheblichem Umfang nach Deutschland importiert. All dies, obwohl die Rechtsprechung der höchsten deutschen als auch europäischen Gerichte im Grunde die europäischen Richtlinien, die dieses u.a. möglich machen, infrage stellen, und obwohl der Gesetzgeber über das sogenannte nicht ionisierende Strahlenschutzgesetz (NiSG) sich selbst einen Auftrag gegeben hat, Regeln zu schaffen.
Er macht dieses aber nicht. Es ist Wahlkampf!
Im Ergebnis schadet dies den Patienten, der Sache und dem Ruf der ganzen Branche.
Dadurch, dass in jeder Fußgängerzone drei bis fünf Enthaarungsstudios mit billigen Korea-Geräten sind, finden Enthaarungen nicht mehr nur beim Facharzt für Dermatologie statt. Dies dürfte der eine oder andere nach Anschaffung eines Lasers durchaus gemerkt haben. Der Versuch, hier ähnlich wie beim Ultraschall etwas über die Strahlenschutzkommission zu bewegen, ist zäh und mühsam. Letztlich ist die SSK aufgerufen, den Ministerien zuzuarbeiten, damit gerade die geforderten Regeln des NiSG zu Sonnenstudios, Lasern/IPL und Ultraschallgeräten entstehen.
Ich hatte vor einiger Zeit von der Strahlenschutzkommission eine Anfrage der Redaktion Frontal 21 (ZDF) zur Frage, ob Kosmetikerinnen Laser und Blitzlampen anwenden sollen. Dies konnte ich schnell beantworten: NEIN. Ob man denn auch einen Patienten habe: Da musste ich passen. Also wurden alle Kollegen angeschrieben, von denen ich wusste, dass sie sich in der Sache engagieren. Fehlanzeige. Letztlich fand sich eine Medizinprodukt-Beraterin einer großen Laserfirma, die von einem Nicht-Dermatologen schlimmstens zugerichtet wurde. Im Grunde also eine sichere Sache. Es bestand Hoffnung auf Öffentlichkeit.
Es wurde dann noch ein zweiter Fall vorgestellt, bei dem eine Aktinische Keratose gelasert wurde, die sich später als Basaliom herausstellte – und schon hieß es: Gefährliche Laser beim Dermatologen!
Das Primärziel, die Bevölkerung darüber aufzuklären, dass derartige Geräte nicht in die Hand von Kosmetikerinnen gehören, ist verfehlt. Trotzdem ist ein Ziel erreicht:
Nach verschiedenen Urteilen des BGH und des europäischen Gerichtshofes kann nun niemand sagen, dass nicht auch in Deutschland ein Einsatz dieser Geräte kritisch gesehen werden muss. Der Autor dieses Artikels hat mit keinem Wort, schon erst recht nicht in der Sendung, jemals einen Dermatologen bzgl. des Laserns kritisiert. Wenn man ihm dennoch unterstellt, unachtsam gewesen zu sein, so mag gelten, nicht genügend achtsam gewesen zu sein. Auf der anderen Seite stärkt es die Position der Dermatologie, zu sagen, man ist kritisch mit allen Fachgruppen, auch mit sich selbst. Nur speziell ausgebildete Fachärzte sollten derartige Geräte in die Hände bekommen, wie in Dänemark. Darüber hinaus kann der Leser nur dahin gehend gewarnt werden, dass man mittlerweile auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen vor schmierigem Journalismus nicht mehr gefeit ist. Hatte man früher die Risiken bei der Bild, RTL oder Pro Sieben gesehen, so muss man leider zur Kenntnis nehmen, dass auch das ZDF nicht mehr seriös berichtet. Wie dem auch sei, das Thema ist öffentlich und nach der Bundestagswahl muss und wird sich irgendwann etwas bewegen. Das hat Frontal 21 bewirkt: Aufmerksamkeit!

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