16. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung e.V. (DGfW) in Bielefeld

Vom Debridement zur Deckung

Unter dem Motto „Leitlinien and Best Practice“ informierten sich auf dem 16. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung e.V. (DGfW) Mitte Juni 2013 über 1.500 Teilnehmer über die Umsetzung der neuen S3-Leitlinie zur Behandlung chronischer Wunden in der Praxis.

Nach mehrjähriger kooperativer Arbeit mit anderen Fachgesellschaften 2012 federführend von der DGfW fertiggestellt, gibt die neue S3-Leitlinie Ärzten, Pflegekräften und allen an der Wundbehandlung Beteiligten eine Orientierung. Mit der neuen, auf dem Kongress vorgestellten DGfW-App ist die Kurzform der S3-Leitlinie mit vielen anderen nützlichen Informationen zu Wunden und Wundauflagen jetzt auch für Smartphones und Tablets abrufbar.
Im Vordergrund des wissenschaftlichen Austauschs in Symposien und der praktischen Anwendung in Workshops standen engagierte Diskussionen zum Kongressthema „Vom Debridement zur Deckung – die optimale Wundtherapie“, in denen auch auf Missstände in der Praxis hingewiesen wurde. „Entscheidend ist es, Wege aufzuzeigen, wie durch evidenzbasierte medizinische Therapie und neue Versorgungsstrukturen die Lebensqualität der Patienten verbessert werden kann“, so DGfW-Generalsekretärin Brigitte Nink-Grebe, Gießen.
Dabei geht es um die Versorgung von rund sechs Millionen Menschen, die Schätzungen zufolge deutschlandweit unter chronischen Wunden leiden. „Die Wunde ist nur das Sym‧ptom“, so Kongresspräsident Prof. Dr. med. Hisham Fansa, Bielefeld, der auch gleichzeitig Präsident der DGfW ist. „Es geht darum zu erkennen, was dahintersteckt, um die Grunderkrankung zu heilen.“ Wird die Grunderkrankung rechtzeitig dia-gnostiziert und therapiert, sind chronische Wunden vermeidbar. Wenn Wunden entstanden sind, sollten ihre Ursachen schnellstmöglich diagnostiziert werden. So können durch eine frühzeitige Diagnose und Therapie der zugrunde liegenden Erkrankung sogar Amputationen vermieden werden – etwa bei der chronischen Gefäßkrankheit der Arterien im Bein (pAVK), von der 4,5 Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind.

Foto: Aldenhoven
Praxisbezogene Workshops bei der DGfW-Tagung

Praxisbezogene Workshops


In praxisbezogenen Workshops wurde den Kongressteilnehmern vermittelt, wie beim Diabetischen Fußsyndrom durch Methoden zur Druckentlastung das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten ist und die Wunde zur Abheilung gebracht werden kann. Auch die Basisdiagnostik zum Erkennen einer Nervenstörung wurde vermittelt, um bestimmten Gefahren – wie Verletzungen beim Barfuß-Laufen, Druckstellen durch zu enges Schuhwerk oder Verbrennungen durch Wärmflaschen – vorzubeugen.
Inwiefern gerade chronische Wunden im Spannungsfeld zwischen Medizin und Ökonomie stehen, zeigte der Vortrag des Medizinethikers Prof. Dr. med. Giovanni Maio, Freiburg. Der Widerspruch von medizinischer Verantwortung zum gewinnwirtschaftlichen Krankenhausbetrieb stelle Ärzte und Pflegepersonal in einen großen Konflikt, da sich die Sorge um ernsthaft kranke und pflegebedürftige Menschen nicht in betriebswirtschaftliche Raster pressen lasse: Bei der vorgegebenen „Prozessoptimierung zur Effizienzsteigerung“ dürfe die Qualität der persönlichen Beziehung zum hilfsbedürftigen, chronisch kranken Patienten nicht auf der Strecke bleiben.
Entsprechend der Vision „Jede Wunde ist heilbar – jede chronische Wunde vermeidbar“ bekamen die Teilnehmer in den gut besuchten Workshops Informationen, wie die Abheilzeit von Wunden optimiert und die Rezidivrate gesenkt werden kann. Mit diesen als DGfW-Akademie gekennzeichneten Fortbildungen bietet die DGfW allen an der Wundbehandlung beteiligten Akteuren die Möglichkeit, kontinuierlich ihr Wissen zu verbreitern – die Basis für aktuelles evidenzbasiertes und damit wissenschaftlich belegtes Fachwissen.
Neben der eigentlichen Wundtherapie wurden auch die neuen Anforderungen an die Hygiene vorgestellt und diskutiert. Weitere Themen waren die Rolle der Ernährung beim Wundheilungsprozess, Prävention und Therapie bei Gewebeschäden durch Wundliegen sowie Symposien zu Infekt- und toxisch bedingten Wunden wie nekrotisierenden Fasciitis, epidermalen Nekrolysen und Acne inversa. Das Kooperations-Symposium der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DGG) „Über den Wundrand hinaus“ stellte Aktuelles zur Diagnostik und Therapie vor, etwa chronisch fistelnde Wunden oder Neoplasien, die als chronische Wunden verkannt werden.
Zur Verbesserung der Versorgung von Menschen mit Lymphödem wurden aktuelle neue Erkenntnisse vorgestellt: Eine neue Messtechnik zur Überprüfung der Kompressionstherapie und außerdem eine innovative mikrochirurgische Behandlungsmethode, bei der erfolgreich körpereigene Lymphknoten in den betroffenen Bereich verpflanzt werden, damit sich ein neuer Lymphabfluss bilden kann.
Für ihre systematische Übersichtsarbeit „Leben mit einem Lymphödem in Folge von Brustkrebs“ bekam Marion Burckhardt, Stuttgart, den Nachwuchspreis der DGfW. ka

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