28. Kompetenzseminar der Arbeitsgemeinschaft Aesthetik und Dermatologische Institute e.V. (AADI)

Praxisnahe Themenbündelung

Am 8. und 9. März 2013 fand in Gravenbruch bei Frankfurt das 28. Kompetenzseminar der Arbeitsgemeinschaft Aesthetik und Dermatologische Institute e.V. (AADI) statt.

Die AADI hat sich die Aufgabe gestellt, regelmäßig Bilanzen zu therapeutischen Strategien zu ziehen, Antworten auf brennende aktuelle Fragen zu geben und Ausblicke auf neue Trends zu formulieren. Damit lockte die AADI wiederum zahlreiche Dermatologen und Medizinische Fachangestellte sowie Kosmetikerinnen zum Frühjahrs-Kompetenzseminar nach Gravenbruch.
Die Grenzen der ästhetischen Medizin werden immer weiter gesteckt und damit unübersichtlicher. Die AADI sieht es als Auftrag und Verpflichtung, von Zeit zu Zeit Bilanz zu ziehen im dichter werdenden Dschungel der Optionen in der ästhetischen Dermatologie sowie neue Methoden, Tendenzen und Visionen rechtzeitig und praxisorientiert zur Diskussion zu stellen.
Das Programm des 28. Kompetenzseminars orientierte sich wieder einmal an diesem Anspruch.


Bestandsaufnahme in der Ästhetik


„Im Zuge des natürlichen Alterungsprozesses hat der Patient das Bedürfnis, eine angemessene Attraktivität zu erhalten,“ so Dr. med. Gerhard Sattler, Darmstadt, in seinem Vortrag über neue Tendenzen. Die Entwicklung an neuen und alternativen Methoden, so Sattler, sei rasant. Manche sehr positiv zu bewertenden Verfahren und Verbesserungen daran wie Botoxbehandlungen, fraktionierte Lasertherapie, IPL, Radiofrequenztherapie, Laserplipo und Body Contouring ermöglichten heute erfreulicherweise eine oft schonend zu erzielende Verbesserung des Hautbildes, ohne die natürlich-anatomische Korrelation zu verlieren.
Am Puls der Zeit, so Sattler, seien moderne Filler wie Hyaluronsäure zur regenerativen Augmentation. Hyaluronsäure initiiere einen biologischen Prozess zur Geweberegeneration mit hoher Feuchtigkeitsbindungskapazität. Diese Verfahren ermögliche frisches Aussehen, ohne dass es „auffallend sichtbar“ sei.


Zunehmend männliche Patienten


Was bringt die Zukunft? Sattler fasst den Blick in die Zukunft so zusammen: Es werden sich zunehmend männliche Patienten der ästhetischen Dermatologie zuwenden und insgesamt wird der Altersschnitt der Patienten sinken.
Der Trend geht zu niedrig-gradig invasiven Eingriffen. Da zunehmend Plastische Chirurgen dermatologische Ansätze abdecken, müssten sich die Dermatologen auch als Ausbilder für diese Fachgruppe fühlen und zur Verfügung stehen.
Darüber hinaus seien auch in Zukunft neue Präparate und Gerätekonzepte zu erwarten.


Plädoyer für Hyaluronsäure


In einem umfassenden Überblick charakterisierte Dr. med. Meike Schröder, Berlin, die derzeitige Situation um die Filler. Weltweit, so Schröder, hätten die Fillerbehandlungen enorm zugenommen, insbesondere in den USA. Aber auch in Deutschland hätten Fillerbehandlungen im Vergleich zu 2008 um mehr als 50 % zugenommen, wobei die abbaubaren Filler dominierten. Hyaluronsäure-Präparate beherrschten mit über 120 Präparaten eindeutig den Markt. Mit Blöick auf Wirksamkeit und Sicherheit zu Recht, wie Schröder konstatierte.
Eine Konsensus-Konferenz in den USA bestätige, dass HA-Filler sicher und effektiv sind. Die Nasolabial- und Wangenaugmentationen stehen als dabei im Vordergrund, aber auch Augenregion, Stirn, Lippen und Kieferpartie stellten potenzielle Indikationsgebiete dar.
Vor der Behandlung, so Schröder, sei neben einer gründlichen Anamnese das Abfragen der Erwartungshaltung und Wünsche des Patienten sowie eine qualifizierte Fotodokumentation wichtig.


Sonnenschutz und Vitamin D – ein Widerspruch?


Prof. Dr. med. Uwe Reinhold, Bonn, beleuchtete das derzeit intensiv und kontrovers diskutierte Thema des „Scheidewegs“ Sonnenschutz/Vitamin D-Mangel von verschiedenen Seiten. Pro und Kontra, so Reinhold, seien von beiden Seiten begründet und vertretbar, es gelte hier, sinnvolle Kompromisse zu finden. Auch von renommierten Organisationen wie dem Robert-Koch-Institut gegebene Pauschalempfehlungen zur Sonnenexposition seinen mit Vorsicht zu betrachten. Reinhold empfahl grundsätzlich den Dermatologen, einer Aufweichung der bestehenden Sonnenschutzempfehlungen entgegen zu arbeiten. Vielmehr sei eine individuelle Beratung – besonders bei Kindern – sinnvoll, wobei das Risikoprofil der Person (Hauttyp, Exposition) sowie anderer Faktoren wie Jahreszeit, Höhe, Breitengrad, Alter, Genetik, Medikamente usw. mit in Betracht zu ziehen seien. Die Empfehlungen sollten deshalb eine Mischung aus Verhaltensmaßnahmen, topischem Lichtschutz, oralem Lichtschutz und textilem Lichtschutz darstellen. Nicht nur Ärzte, sondern auch Lehrer, Erzieher und Sporttrainer hätten insbesondere bei Kindern mit erhöhtem Risiko edukative Funktion. Fazit: Kein Widerspruch, sondern verantwortungsbewusst und individuell umzusetzende Koexistenz.


Hormonersatztherapie in der Anti-Ageing-Medizin?


Prof. Dr. med. Bernd Kleine-Gunk, Erlangen, brach eine Lanze für die Hormonersatztherapie, die nach der WHI-Studie 2002 und Berichten über schwere Nebenwirkungen viele Jahre in Verruf geraten war. Inzwischen, so Kleine-Gunk, sei man zu der Erkenntnis gelangt, dass eine individuell abgestimmte HRT unter bestimmten Voraussetzungen durchaus ihren Platz in einer zeitgemäßen, sinnvollen Anti-Ageing-Strategie habe. Folgende fünf Kriterien seinen dabei zu beachten: Hormondosisreduktion, individualisiertes Behandlungskonzept, Östrogene transdermal verabreichen, bioidentische Hormone/Gestagene verwenden und zeitliches Fenster zwischen 50 und 60 Jahren einhalten. So könne man von einer Renaissance der Hormonersatztherapie bei Wechseljahresbeschwerden sprechen.


Mesotherapie in der Dermatologie etabliert


Dr. med. Britta Knoll; München, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Mesotherapie DGM, bestätigte, dass sich die „seriöse“ Mesotherapie längst zu einem Standardverfahren in der ästhetischen Medizin entwickelt habe. Die Mesotherapie sei eine schonende Methode, um die natürliche Schönheit und Leistungsfähigkeit des Körpers bis ins hohe Alter zu erhalten. Sie biete neben der allgemein vitalisierenden Wirkung die Chance, durch Zugabe bestimmter Wirkstoffe über die Mikroinjektionen effizient und nebenwirkungsarm zu behandeln.
Beispielhaft stellte Knoll im Workshop mit MesoHair ein erfolgreiches Therapiekonzept bei Haarausfall vor. Dabei warb sie u.a. auch für eine Teilnahme an einer großen Haarausfallstudie. Näheres dazu im Internet unter der Webseite der DGM oder unter www. mesotherapie-shop.de.


Workshops und Vorträge für praxisnahe Fortbildung


Bodycontouring mit Radiofrequenztherapie, Lasertherapie von Gefäßveränderungen, Update zu fraktionierter Lasertherapie und Mikrosklerotherapie von Besenreisern waren Themenschwerpunkte weiterer Workshops, die sich durch die intensive Austauschmöglichkeit mit Experten stets großer Beliebtheit erfreuen.
Im Vortragsteil standen weitere Themen wie die Effizienz von Coenzym Q10 in Cremes sowie aktuelle Rechts- und Steuerfragen und Tipps zur Gewinnung von Privatpatienten zur Diskussion.


Parallelschulung des Fachpersonals


Medizinische Fachangestellte und Kosmetikerinnen, die wiederum sehr zahlreich bei der AADI vertreten waren, konnten sich in Workshops und Fachvorträgen zu den gleichen Themen wie die Ärzte fortbilden. Dieses Konzept wird von der AADI bewusst verfolgt, um gesamte Praxis- und Instituts-Teams auf möglichst vergleichbarem Wissensstand zu halten. hm

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