Kongressbericht 9. Freiburger Wundsymposium

„Diabetischer Fuß, Stoma, Kommunikation“

Diabetischer Fuß, Stoma, Kommunikation“ war das Motto des 9. Freiburger Wundsymposiums, das am 14. November 2016 im gepflegten Ambiente des Kurhauses in Bad Krozingen stattfand. Der interdisziplinäre Kongress hat das Ziel, aktuelles und praxisorientiertes Wissen zu vermitteln. Kerstin Aldenhoff berichtet für DERMAforum.

Beim 9. Freiburger Wundsymposium präsentierten 22 Referenten traditionelle Erkenntnisse und aktuelle Neuerungen in der Wundversorgung.  (Foto: Conventus)
Beim 9. Freiburger Wundsymposium präsentierten 22 Referenten traditionelle Erkenntnisse und aktuelle Neuerungen in der Wundversorgung. (Foto: Conventus)

Er stand wie im Vorjahr unter der Schirmherrschaft der Deutschen Gesellschaft für Wundheilung (DGfW e. V.). Mit 550 Teilnehmern aus ganz Deutschland und 22 Referenten erfreute sich die Traditionsveranstaltung einer sehr guten Resonanz. Wie in den Vorjahren wurde sie von der Wundsprechstunde der Allgemein- und Viszeralchirugie der Universitätsklinik Freiburg veranstaltet. Die Durchführung erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Wundzentrum des Universitätsklinikums Freiburg und der Akademie für Gesundheitsberufe und Wundmanagement Lahr. Tagungsleiter war Prof. Dr. med. Stefan Fichtner-Feigl, Ärztlicher Direktor der Allgemein- und Viszeralchirurgie.
Hauptschwerpunkt war das diabetische Fußsyndrom. Dr. med. Bernd Jänigen aus Freiburg beschrieb die Grundlagen der Erkrankung in Stadien, Diagnostik und die therapeutischen Ansätze. Er fasste zusammen: „Um Amputationen beim Diabetischen Fußsyndrom zu vermeiden, müssen die Patienten frühzeitig und interdisziplinär behandelt werden.“ Lokaltherapeutische Ansätze wurden im Vortrag „Wundbehandlung beim Diabetischen Fußsyndrom“ aufgezeigt und mit einem Überblick sowohl über chirurgisches als auch konservatives Vorgehen mit Wundauflagen verständlich erklärt.
Dr. med. Ruth Sybille Mayer aus Freiburg stellte eindrucksvoll dar, welche chirurgischen Maßnahmen unter Lokalanästhesie im ambulanten Setting möglich sind: „Dieses Vorgehen kann Patienten eine Narkose und eine stationäre Behandlung bei entsprechenden Voraussetzungen ersparen, was gerade bei älteren, hinfälligen oder dementen Patienten ein deutliches Plus an Lebensqualität bedeuten kann.“ Aus dem Bereich Grundlagenforschung referierte Dr. med. Heike Jäger aus Ulm über Veränderungen beim dia­betischen Fuß und deren Folgen aus gewebs- und faszienpathophysiologischer Sicht: „Nicht nur die Polyneuropathie, sondern auch die Verschlechterung der Gewebeeigenschaften können zu Problemen beim diabetischen Fuß beitragen.“ Ralf Jäckel aus Stuttgart stellte dar, wie mit Einlagen und Schuhen die Fußstellung und -belastung verändert werden kann.
Das „rote“ und das „dicke“ Bein wurden praktisch und anschaulich von Prof. Dr. med. Hauke Schumann und Dr. med. Hans Bayer aus Freiburg besprochen. Wichtige Differentialdiagnosen wurden aufgezeigt und die dazugehörigen Pathogenesen wie auch Therapieoptionen erklärt.


Eindrucksvolle Beispiele


Anhand von eindrucksvollen Patientenbeispielen stellte Dr. med. Ziad Kalash aus Freiburg die plastisch-chirurgischen Therapieoptionen bei der Behandlung von großflächigen und tiefen Wunden vor. Der Themenkomplex Vakuumtherapie, Instillationsvakuumtherapie und Skinstretch wurde von PD Dr. med. Wim Fleischmann, Kirchzarten, dem hochaufmerksamen Publikum erklärt.
Ulrich Blum aus Freiburg sprach über podologische Therapieoptionen bei eingewachsenen Zehennägeln. Daniel Wiest aus Freiburg stellte orthopädietechnische Möglichkeiten vor, die eine gute Lebensqualität nach Amputationen an den unteren Extremitäten ermöglichen. Zuhörermagnet waren auch in diesem Jahr die Vorträge zu allgemeinmedizinischen Themen. Prof. Dr. med. Robert Jütte aus Stuttgart referierte sehr spannend zum Thema „Placebo“, stellte aktuelle Studien vor und reflektierte den Stand des momentanen Wissen zum Thema: „Nutzen Sie den Placebo-Effekt und vermeiden Sie den Nocebo-Effekt.“
Das Thema wertschätzende Kommunikation wurde von Prof. Dr. med. Christian Rainer Weisbach aus Tübingen besprochen. „Durch mangelnde Compliance werden in Deutschland jährlich Kosten von 10 Milliarden Euro verursacht. Ein entscheidender Faktor für mangelnde Compliance ist eine mangelhafte Kommunikation in der Arzt/Pflege-Patient-Beziehung. Im Bereich der Wundbehandlung sind ca. 50 % der Patienten non-compliant. Wertschätzende Kommunikation stellt ein wichtiges Werkzeug zur Verbesserung der Kommunikation dar und kann durch Complianceerhöhung drastisch Kosten einsparen.“
Auch in diesem Jahr wurde thematisch ein Blick über den schulmedizinischen Tellerrand gewagt: Die Begründerin der Reflexzonentherapie am Fuß, Hanne Marquardt aus Burgberg, referierte über diese Therapieform. Vor vollbesetztem Saal fasste sie leidenschaftlich die Eckpunkte ihres Lebenswerkes zusammen. Viele weitere Themen mit hohem Praxisbezug wie Wundversorgung bei Adipositas, Hautpflege und Wundrandschutz, Lagerungstechniken bei Dekubitus, Grundversorgung bei Entero- und Urostoma, Sondenkost und Diarrhoe sowie Patientenverfügung rundeten das breite Themenspektrum des 9. Freiburger Wundsymposiums ab.

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