Untersuchung von Bakterien in chronischen Wunden

Deutscher Wundpreis erstmals nach Essen

Erstmals wurde der von der Initiative Chronische Wunden (ICW) e.V. gestiftete Deutsche Wundpreis im Rahmen des Deutschen Wundkongresses in Bremen an die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. med. Joachim Dissemond aus der Hautklinik am Universitätsklinikum Essen.

Foto: UK Essen
Die Preisträger des Deutschen Wundpreises 2014 – in der Mitte Prof. Dr. med. Joachim Dissemond

Im Rahmen der mit dem Wundpreis ausgezeichneten Studie, die die Klinik für Dermatologie am UK Essen gemeinsam mit dem Institut für Mikrobiologie durchgeführt hat, untersuchten die Wissenschaftler um Prof. Dr. med. Joachim Dissemond, ob und wie das Spektrum der in den Wunden auftretenden Bakterien sich in den letzten zehn Jahren verändert hat. Übergreifendes Ziel der Studie „Bakterienspektrum des chronischen Ulcus cruris: Resultate einer spezialisierten Wundambulanz im 10-Jahres Vergleich“ war es, herauszufinden, welche Bakterien heute bei chronisch offenen Beinen besonderer Beachtung bedürfen.

Zunächst erfolgte eine bakteriologische Untersuchung von 100 Patienten mit chronischem Ulcus cruris. In einem nächsten Schritt wurden diese Ergebnisse mit Resultaten verglichen, die vor fünf bzw. zehn Jahren in der gleichen Wundambulanz genommen worden sind. Dissemond: „Positiv fällt auf, dass der Anteil von MRSA-Befällen dieser chronisch offenen Wunden in den vergangenen Jahren signifikant zurückgegangen ist. Dafür spielen heute sogenannte gram negative Bakterien eine zunehmende Rolle.“ Hier handelt es sich oft um Feuchtkeime, die beispielsweise durch die häusliche Wundsäuberung mit Leitungswasser in die Wunden gelangen können – Maßnahmen, die von Patienten oft auch deswegen durchgeführt werden, weil sterile Wundspüllösungen von den Krankenkassen nicht immer erstattet werden und damit einen größeren Kostenfaktor darstellen können.

Die Essener Wissenschaftler empfehlen, diese Tendenz zukünftig weiter zu beobachten und bei der Auswahl der therapeutischen Konsequenzen zu berücksichtigen.

 

En detail

 

Insgesamt wurden die mikrobiologischen Abstriche von 100 Patienten (61 weiblich; 39 männlich) mit chronischem Ulcus cruris unterschiedlicher Genese, einem Lebensalter zwischen 32-95 Jahren (durchschnittlich 68,5) aus der spezialisierten Wundambulanz der dermatologischen Abteilung der Universitätsklinik Essen ausgewertet. Der am häufigsten gefundene Erreger ist und war Staphylococcus aureus mit einer aktuell geringeren Nachweisrate von 53% im Vergleich zu 70% vor zehn Jahren und 59% vor fünf Jahren, gefolgt von Pseudomonas aeruginosa, der einen Auf- und Abwärtstrend (24% 2002/2003; 34% 2007/2008) mit derzeit 25% zeigte.

Zusammengefasst wurden bei 49% der Patienten diverser Entero- und Faecalbakterien gefunden, die somit auf einen aktuell höher werdenden Anteil gram negativer Bakterien hinweisen. Hier waren 2002/2003 58 Isolate gram positiv, 49 gram negativ; 2012/2012 80 gram positiv vs. 62 gram negativ. Der Anteil von Methicillin-resistentem Staphylococcus aureus (MRSA) sank signifikant um 12,5% auf derzeit 9%.

Das heißt also: Auch wenn Staphylococcus aureus bei Patienten mit chronischem Ulcus cruris noch das am häufigsten nachgewiesene Bakterium ist, fällt auf, dass die gram negativen Bakterien in den letzten zehn Jahren zunehmend häufiger auftreten. kg/ve

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