Aktionswoche: Machen Sie mit!

Aktionswoche Haut und Job Vom 12. bis 16. November 2018 findet die diesjährige Aktionswoche Haut & Job statt. Prof. Dr. med. Swen Malte John, Osnabrück, ruft Kolleginnen und Kollegen zum Mitmachen auf.

Prof. Dr. med. Swen Malte John (Foto: privat)
Prof. Dr. med. Swen Malte John (Foto: privat)

Gibt’s das eigentlich: berufsdermatologische Onkologie? Ja! Im Hitzesommer 2018 mit seinen Rekord-Sonnentagen ist beruflicher Hautkrebs aktueller denn je. Entsprechend steht Hautkrebs durch Sonne am Arbeitsplatz auch im Fokus der diesjährigen Aktionswoche Haut & Job. Die Betreuung von Menschen mit beruflichem Hautkrebs entwickelt sich schließlich zunehmend zu einer wesentlichen weiteren Säule der Versorgung in der dermatologischen Praxis, ist doch mit der Einführung der BK 5103 faktisch das erste Chronikerprogramm für unsere Fachgruppe geschaffen worden. Und dieser Prozess nimmt weiter Fahrt auf. Von der BK 5103 sind ja nur multiple aktinische Keratosen (> 5) bzw. Plattenepithelkarzinome erfasst. Eine gerade publizierte große Fallkontrollstudie in Deutschland, an der viele von Ihnen mitgewirkt haben, hat aktuelle, auch für das Basaliom nicht zu ignorierende Hinweise für die deutliche Assoziation mit Ausmaß der beruflichen UV-Exposition ergeben. Hier wird der Gesetzgeber in naher Zukunft einen Weg finden müssen für die Berücksichtigung sämtlicher Varianten der „keratinocytic cancers“ als Berufskrankheit.


Mittlerweile die dritthäufigste aller gemeldeten Berufskrankheiten


So weit ist es aber noch nicht. Aber auch jetzt ist die Dimension beruflicher Hautkrebserkrankungen im Sinne der BK 5103 beachtlich. Die Zahl der Meldungen (Ärztliche Anzeige; Formulare über www.dguv.de) ist dank Ihrer aller Umsicht auch 2017 weiter gewachsen – auf weltweit unerreichte 8.831 Anzeigen. Multiple aktinische Keratosen und Spinaliome sind mit einem Anteil von über 10 % mittlerweile die dritthäufigste aller gemeldeten Berufskrankheitenverdachtsfälle in Deutschland und sind ohnehin die mit Abstand häufigste berufliche Krebserkrankung. Aber als solche werden sie noch nicht in allen dermatologischen Praxen und Kliniken genügend erfasst, obwohl die Versorgung dieser Patienten über die gesetzliche Unfallversicherung wirtschaftlich ist.

 

„Die Betreuung von Menschen mit beruflichem Hautkrebs entwickelt sich zunehmend zu einer wesentlichen weiteren Säule der Versorgung in der dermatologischen Praxis.“

 

Dies gilt selbstverständlich auch für die Versorgung von Patienten mit beruflichen Ekzemerkrankungen – hier nimmt die Zahl der mit dem Hautarztbericht gemeldeten Fälle ab, was sicher nicht die tatsächliche Epidemiologie beruflicher Ekzeme widerspiegelt. Auch angesichts der erneuten Anhebung der UV GOÄ zum 1.10.2018 um weitere 3 % ist die Rückläufigkeit bei den Hautarztberichten gar nicht nachzuvollziehen. Die UV-GOÄ-Honorare waren ja im letzten Jahr bereits um 8 % angehoben worden, viele Praxissystemhäuser kommen bei dieser turbulenten Entwicklung nicht mit. Man stelle sich Analoges mal bei der GOÄ vor!


Augenmerk auf das gesamte Spektrum beruflicher Hauterkrankungen


Umso wichtiger wäre es eigentlich, die vielen von Berufsdermatosen betroffenen Berufsgruppen auf die bestehenden und die neu geschaffenen Möglichkeiten der dermatologischen Versorgung aufmerksam zu machen und den umfangreichen ergänzenden Präventionsangeboten, einschließlich spezieller Seminare zum Hautschutz und Lichtschutz sowie des stationären Heilverfahrens bei therapieresistenten Verläufen oder eingetretener AU zuzuführen.
Entsprechend will der BVDD zusammen mit ABD und DDG in der Aktionswoche Haut & Job vom 12. bis 16. November 2018 das Augenmerk auf das gesamte Spektrum beruflicher Hauterkrankungen richten. Praxisposter und Flyer können kostenlos bei der BVDD-Pressestelle unter www.hautgesund-im-beruf.de angefordert werden. Mit den ausliegenden Infomaterialien der Aktionswoche können Sie Ihre Praxis als Schwerpunktinstitution für die Versorgung von Patienten mit beruflichen Hauterkrankungen ausweisen. Die Aktionswoche ist der deutsche Ableger der europäischen Dachkampagne „Healthy Skin @ Work“, der von der EADV organisiert wird.


Viele Aktionen schon im Vorfeld


Im Vorfeld der Aktionswoche fanden hierzulande bereits einige Schwerpunktaktionen statt, so zum Beispiel im September mit den Betriebsärzten der Deutschen Post AG zum gezielten UV-Schutz bei den 60.000 Postzustellern und den Möglichkeiten der dermatologischen Früherkennung.

Zudem wurden im August in einem wegweisenden Projekt mit dem Gesundheitsdienst der Stadt Lübeck vom BVDD begleitete Informationsveranstaltungen mit umfangreichen Angeboten für die städtischen Außenbeschäftigten angeboten. Hier wird auch gleichzeitig noch einmal deutlich, wie umfangreich der Personenkreis ist, den wir hinsichtlich beruflichen Hautkrebses als Risikogruppen im Auge haben sollten. Hoffentlich gelingt es im Bundesarbeitsministerium bald, unsere dort bereits in der Schublade liegenden konkreten Vorschläge für ein gezieltes Screening von Hochrisiko-Beschäftigten in Außenberufen im Rahmen einer Ergänzung der Arbeitsmedizinischen Vorsorgeverordnung in die Tat umzusetzen. Schließlich sind die hier überwiegend betroffenen älteren männlichen Arbeitnehmer bisher ja auch als „Vorsorgemuffel“ im Rahmen des gesetzlichen Hautkrebsscreenings aufgefallen.


Zum Teil sträflich vernachlässigt


Die Bemühungen zu verbessertem Arbeits- und Gesundheitsschutz bei Berufsdermatosen hierzulande fügen sich schlüssig in die aktuellen internationalen Entwicklungen ein: Am 18. Juni 2018 hat die WHO den ICD 11 freigegeben. Ganz neu ist, dass jetzt erstmals eine berufliche Ätiologie direkt codiert werden kann, auch haben Basaliome und Spinaliome jetzt separate Codes. Im EU-Parlament haben unter der Schirmherrschaft der Europäischen Krebsliga ECL und der europäischen Akademie für Dermatologie und Venerologie EADV 2018 zwei Veranstaltungen zu diesen aktuellen Themen stattgefunden. Dabei ging es auch um die Berücksichtigung von hellem Hautkrebs in europäischen Krebsregistern, was ja auch hierzulande in einigen Bundesländern zum Teil sträflich vernachlässigt wird. Auch wurde auf die enormen Kosten von unbehandeltem hellen Hautkrebs aufmerksam gemacht: Die direkten Behandlungskosten belaufen sich heute auf jährlich etwa 36 Milliarden Euro pro Jahr. Beide Veranstaltungen in Brüssel sind von der WHO unterstützt worden. Außerdem haben WHO und die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in einem bahnbrechenden Projekt zur globalen Krankheitslast beruflicher Erkrankungen erstmals auch Hautkrebs aufgenommen. Die Dermatologie ist also auch international zunehmend gut aufgestellt, die Berufsdermatologie ist hier maßgeblich mit von der Partie. Seien auch Sie dabei!

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Kontakt
Prof. Dr. med. Swen Malte John
Leiter der Abt. Dermatologie der
Universität Osnabrück
Sedanstr. 115, 49090 Osnabrück
05 41 – 40 51 810
www.iderm.de
 

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