Titelthema Juni 2016

Austausch topischer Arzneimittel: G-BA entscheidet ohne evidente Begründung

Hautkranke körperlich und finanziell schützen

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat am 21. April 2016 durch einen Negativbeschluss, gemäß § 92 SGB V, die nach Meinung des Deutschen Psoriasis Bundes e. V. (DPB) patientengefährdende, unkontrollierte Praxis der Substitution topischer Dermatika bestätigt.

Ottfrid Hillmann, Vorsitzender des DPB (Foto: privat)
Ottfrid Hillmann, Vorsitzender des DPB (Foto: privat)

Für Patienten mit Psoriasis bedeutet das konkret, dass die vom Arzt verordneten, äußerlichen Medikamente in der Apotheke gegen andere, wirkstoffgleiche Präparate mit durchaus auch anderer Galenik ausgetauscht werden können. Bei topischen Dermatika haben jedoch nicht nur der Wirkstoff selbst, sondern alle weiteren Inhaltsstoffe der Galenik eine Wirkrelevanz und damit auch ein generelles Schadens-potenzial. Die dermatologische Fach-expertise spricht sich genauso wie die mitberatende, themenbezogene Patientenvertretung gegen die Substitution topischer Dermatika aus. Die dargelegten Fakten begründen den Ausschluss der Substitution.
Obwohl der G-BA erkennt, dass es Kriterien gibt, die zur Beurteilung der Austauschbarkeit wirkstoffgleicher Arzneimittel zu beachten sind, führt der G-BA nicht aus, woran ein Vertragsarzt mit unterschiedlichster Ausbildung und Qualifikation in jedem Verordnungsfall individuell erkennen könnte, dass ein Austausch in der Apotheke den Patienten gefährdet.


Individuelle Prüfung ist lebens- und versorgungsfremd


Der G-BA erkennt auch, dass verschiedene Faktoren nach individueller Prüfung auch unabhängig vom Wirkstoff einen Austausch gegen ein wirkstoffgleiches Arzneimittel kritisch erscheinen lassen können. Die Möglichkeit einer individuellen Prüfung ist lebens- und versorgungsfremd und bleibt, wie der DPB postuliert, lediglich eine Behauptung des G-BA ohne Beleg. Der G-BA nimmt keine Abwägung von Nutzen und Schaden für Patienten vor, die bereits an der Haut erkrankt sind. „Bei den Dermatika sind dies z. B. Unterschiede in der galenischen Grundlage mit Einfluss auf das Freisetzungsverhalten des Wirkstoffs bzw. seine Aufnahme in die Haut, unterschiedliche Wirkung der Grundlage selbst auf die erkrankte Haut oder Unverträglichkeiten von Hilfsstoffen“, so der DPB. Das ist unbestritten und in der Dokumentation des G-BA ausführlich dargelegt. Wenn der G-BA allerdings zum Kern seiner Entscheidung ausführt: „Diese Aspekte sind jedoch nicht abstrakt generell zu beschreiben, sondern können einen Ausschluss vom Austausch im jeweiligen Einzelfall rechtfertigen“, bleibt als Begründung des G-BA nur das Unvermögen der intellektuellen Fähigkeit, Aspekte „abstrakt generell“ zu beschreiben.


Topische Dermatika erfüllen das Kriterium der Nichtaustauschbarkeit


Nach Auffassung des DPB dürfen topische Dermatika, gerade weil der Arzt nicht abschätzen kann, ob nicht nur patientenindividuelle, patientenrelevante klinische Beeinträchtigungen durch den Austausch die Folge sein können, das Kriterium der Nichtaustauschbarkeit gemäß Verfahrensordnung des G-BA erfüllen. Im Prinzip müsste jeder Vertragsarzt topische Dermatika ungeachtet der gesetzlichen Verpflichtung schon immer generell durch aktives Unterbinden der Aut-Idem-Regelung verordnen.
Dass dies nicht der Fall ist, liegt lediglich daran, dass Vertragsärzte die Gefahr eines Regresses durch Wirtschaftlichkeitsprüfungen der Krankenkassen für sich als gefährlicher bewerten als patientenrelevante Beeinträchtigungen durch die Substitution. Diese in der Versorgung häufig angetroffene Haltung ist mit Ethik und „Hippokratischem Eid“ kaum in Einklang zu bringen. Die gesetzliche Substitution hat nur den Zweck, Kostenvorteile einzelner Krankenkassen durch Rabattverträge im Preiswettbewerb zu schützen. Bleibt es bei der Entscheidung des G-BA, werden ökonomische Interessen einzelner Krankenkassen höher bewertet als die Gefährdung von Patientinnen und Patienten.
Der Deutsche Psoriasis Bund e. V. fordert und erwartet vom Bundesminister für Gesundheit, Hermann Gröhe, die gesetzlich versicherten Patientinnen und Patienten mit Hautkrankheiten körperlich und finanziell zu schützen.

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