Niederlassung: Wie geht’s richtig?

Niederlassungs-Guide für den Nachwuchs Jedem Praxisgründer oder -neueinsteiger ist klar: Der Schritt in die Selbstständigkeit will gut vorbereitet sein. JuDerm gibt hier ausführliche Hilfestellung.

Es gilt, eine Menge Details zu bedenken und viele Entscheidungen zu treffen. Oft geht es um Themen, auf die ein junger Arzt im Studium nicht vorbereitet wurde. An dieser Stelle ist es besonders wichtig, den Weg in die Selbstständigkeit der jungen Ärzte zu unterstützen und Schritt für Schritt zu begleiten. Die Arbeitsgemeinschaft ­JuDerm des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen (BVDD e. V.) hat dafür mit dem Niederlassungs-Guide ein ganz besonderes Projekt auf die Beine gestellt. Federführend waren die JuDerm-Mitglieder Dr. med. Dorit Düker, WBA der Dermatologie, und ­Kristin Rosenow, Dipl.-Betriebswirtin und Kommunikationsexpertin. Im Interview mit DERMAforum sprechen sie über ihr Projekt und geben Einblicke in die Herausforderungen junger Praxisgründer.
 
Warum haben Sie den Niederlassungs-Guide für Ihre Webseite www.juderm.de entwickelt?
Dr. med. Dorit Düker: Die Förderung des Nachwuchses, speziell im Bereich der niedergelassenen Dermatologen, ist unsere ­zentrale Aufgabe. Schon heute haben wir hier eine Versorgungs­lücke und diese wird in den nächsten zehn Jahren noch deutlich größer werden. Allein die Zahl altersbedingter Hauterkrankungen wird laut Versorgungsforschern in den nächsten zehn Jahren um ca. 30 % zunehmen.
Umso wichtiger ist es, jungen Dermatologen die Unterstützung anzubieten, die sie für eine eigene Niederlassung brauchen, denn es gilt, eine Menge Herausforderungen zu bewältigen.

 

 

Welche Herausforderungen sind das?
Düker: Aus vielen Gesprächen oder auch direkt an uns gerichteten Anfragen konnten wir sechs Themen isolieren, die jungen Praxisgründern besonders auf dem Herzen liegen und die ihnen oft auch Schwierigkeiten bereiten. Die Themen Immobilien, Personal und Finanzen sind ebenso dabei wie erste strategische Entscheidungen, technische und administrative Fragen. Aber auch die Zusammenarbeit mit den KVen ist nicht immer simpel und kann eine Herausforderung sein.

 

"Den Niederlassungs-Guide verstehen wir als bewegliches Projekt. Er wird von uns ständig erweitert, aktualisiert und auch an die tatsächlichen Herausforderungen angepasst."



Und in all diesen Gebieten können Sie Experten-Tipps geben?
Kristin Rosenow: Nein, wir bei JuDerm sind natürlich nicht alle Immobilien-, Finanz- und Technikexperten! Vielmehr haben wir in unserem Niederlassungs-Guide aufwendig und umfangreich recherchiert, wer die passenden Ansprechpartner und Anlaufstellen sind. Zudem haben wir mehrere Experteninterviews geführt, in denen wichtige Fragen geklärt und sehr gute Tipps gegeben werden. Diese Interviewpartner stehen unseren jungen Dermatologen auch weiterhin als Ansprechpartner zur Verfügung. In einigen Bereichen stehen wir aber tatsächlich selbst als Profis Rede und Antwort. So besteht die Arbeitsgemeinschaft JuDerm ja zum Teil auch aus sehr erfahrenen niedergelassenen DermatologInnen sowie Medien- und Kommunikationsspezialisten. Hier können wir aus eigenem Know-how schöpfen.

KVen haben ja eigene Beratungsstellen für niederlassungswillige Dermatologen, sollten also eine Unterstützung darstellen. Warum haben Sie gerade diese als Herausforderung identifiziert?
Düker: Tja, das ist eine gute Frage. Eigentlich sollten bereits dort tatsächlich alle Fragen geklärt werden. In der Realität sieht es aber so aus, dass nicht jede KV in diesem Bereich optimal aufgestellt ist, und der eine oder andere schon hier an Anforderungen und Papierkram vs. schlechter Kommunikation schier verzweifelte. Da wir aber schon seit Jahren immer wieder beste Erfahrungen mit der KV Brandenburg machen konnten, freut es uns, hier auch einen Unterstützer und Ratgeber für unser Projekt gefunden zu haben. Zudem empfehlen wir, sich einen Mentor zu suchen, der die jeweilige KV kennt und helfen kann, den richtigen Ton zu treffen und die jeweiligen Eigenheiten der KVen zu „ertasten“.

 

Was kann man sich genau unter strategischen Entscheidungen vorstellen, was raten Sie jungen Dermatologen hier?
Rosenow: Es ist ja leider nicht damit getan, geeignete Räumlichkeiten zu finden und diese mit dem passenden Kredit in eine Praxis zu verwandeln. Vor dem Start in die Selbstständigkeit sollten unbedingt Überlegungen bezüglich der künftigen Aufstellung und Ausrichtung der eigenen Praxis getroffen werden. Also: Wo steht meine Praxis? Welche Zielgruppe in welchem Einzugsgebiet erreiche ich damit? Passt meine Spezialisierungsrichtung? Möchte ich eine Einzelpraxis führen oder lieber zusammen mit Partnern arbeiten? Wie viele Stunden kann und will ich arbeiten? Möchte ich in bzw. direkt an meiner Praxis auch wohnen? Wie ist der Wettbewerb vor Ort, brauche ich ein Alleinstellungsmerkmal, und welches sollte das sein? Manch einer weiß schon lange genau, was er will, übernimmt vielleicht auch einfach die elterliche Praxis – reingewachsen sozusagen. Für andere ist es aber ein kompletter Neustart, und diese Überlegungen waren weder Bestandteil des Studiums noch der WBA-Zeit.

Und dann sollen sich Praxisgründer auch noch mit Technik befassen?
Rosenow: Ja, klar! In einem Betrieb mit mehreren Behandlungsräumen, einer Anmeldung und ggf. noch OP, Labor etc. reicht das Telefon, welches man von zu Hause kennt, nicht aus. Ab jetzt müssen Telefonanlagen, Mailboxen und Routingstrategien in die Überlegungen einfließen. Und: Welche Praxissoftware kauft bzw. mietet man für welchen Bedarf? Braucht es eine Webseite, E-Mail, einen Face­book-Account? Arbeiten wir mit Papierakten oder statten wir die Behandlungsräume mit Tablets aus? Hand aufs Herz: Die meisten stellen sich diesen Fragen nur widerwillig, müssen aber da durch! Darauf gehen wir übrigens auch in unseren Fit-für-Praxis-Workshops ein.

Sie haben den Niederlassungs-Guide auf Ihrer Webseite Anfang des Jahres gelauncht. Wie aktuell ist das alles in ein paar Monaten oder Jahren noch?
Düker: Uns ist klar, dass es ständig Entwicklungen gibt, vor allem bei gesetzlichen Anforderungen, aber z. B. auch im technischen Bereich. Auch Ansprechpartner wechseln. Den Niederlassungs-Guide verstehen wir als bewegliches Projekt. Er wird von uns ständig erweitert, aktualisiert und auch an die tatsächlichen Herausforderungen angepasst. Hier helfen uns die Anfragen junger Dermatologen, die wir persönlich erhalten oder beispielsweise via Facebook. Da kommen schon mal Fragen nach Weiterbildungsbefugten oder Klinik­adressen, aber auch regelrechte „Leidensgeschichten“ auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Wird hier ein Thema plötzlich häufiger angesprochen, machen wir es zu einer Herausforderung unseres Guides.

Vielen Dank für das ausführliche Interview!|  ve

Dr. med. Dorit Düker studierte Humanmedizin an der Charité – Universitätsmedizin in Berlin und befindet sich, nach beruflichen Zwischenstationen in Thüringen und Berlin, in der Facharzt­ausbildung für Dermatologie und Venerologie. Zurzeit ist sie in einer dermatologischen Praxis in Bernau als WBA tätig. Sie ist seit vier Jahren Mitglied der AG JuDerm und leitet seit 2017 die Fachgruppe für WBA.

Kristin Rosenow ist Dipl.-Betriebswirtin und seit vielen Jahren als Spezialistin für Kunden- und Unternehmenskommunikation tätig. Ihre Expertise umfasst nicht nur die reine Dialogkompetenz, sondern vor allem auch die Umsetzung professioneller Kommunikation auf entsprechenden Kanälen und mit den passenden Werkzeugen. Sie ist seit über vier Jahren Mitglied der AG JuDerm und dort für Marketing und PR zuständig.

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