Titelthema Januar/Februar 2019 - Adler-Blick auf 2019 bis 20??

Dermatologie 2019 Seinen speziellen Kennerblick auf aktuelle und zukünftige gesundheitssystemrelevante Entwicklungen wirft Karl Adler, gesundheitspolitischer Koordinator der Dermatologieförderunternehmen.

Karl Adler (Foto: privat)...für Kontakt bitte auf das Bild klicken
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Die digitale Transformation wird die deutschen, europäischen und weltweiten Gesundheitssysteme kontinuierlich kurz-, mittel- und langfristig prägen.
Elektronische Vernetzungen zwischen Politik, Kostenträgern, gemeinsamer Selbstverwaltung, Verbänden und Organisationen, Leistungserbringern, Patienten, Industrie, Wissenschaft, Versorgungsforschung werden mit intelligenten Schnittstellenlösungen, Datenkoordinationen mit multiblen Auswertungen (unter Einsatz von KI, also künstlich programmierter Intelligenz) und individualisierten Handlungsempfehlungen die Gesundheitssysteme revolutionieren.
Folgende Ziele sollen u. a. damit erreicht werden:

  • stärkere Einbeziehung der Patienten,
  • Versorgungssicherstellung auch bei Mangel an Leistungserbringern,
  • Verbesserung der Präventionen, der Diagnosen, der Therapien, der Therapiesicherheit, der Reha, der Pflege,
  • Verbesserung der Wirt­schaft­lichkeit/ Effizienzmaximierung,
  • Finanzierbarkeit der Gesundheitsleistungen trotz demografischer Mehrbedarfssituation,
  • Weiterentwicklung und Finanzierbarkeit medizinischer Fortschritte,
  • Verminderung des bürokratischen Aufwands,
  • Optimierung der Gesundheitsversorgungsforschung,
  • Optimierung der Aus-, Weiter- und Fortbildungen.


Notwendige Handlungsoptionen


Mit u. a. folgenden Handlungsoptionen sollen die Ziele erreicht werden: rascher Breitbandausbau und Gewährleistung höchster IT-Sicherheit; Sektoren übergreifende Datenkompatibilität, auch internationale Schnittstellen betreffend; Einführung der elektronischen Patientenakte (ePAkte) als elementares Dokumentationsmedium; strikte Beachtung der Datenschutzbestimmungen; Einführung der Telemedizin mit adäquaten Erbringervergütungen; Förderungen von Innovationen den gesamten Gesundheitssektor betreffend; sinnvoller und rascherer Zugang von Innovationen zur Regelversorgung; Förderung von zielorientierten Pilotprojekten; umfangreiche Entscheidungshilfen für Leistungserbringer unter Beibehaltung deren Therapieverantwortung; Finanzierungsunterstützungen für digitale Aufrüstungen; innovative Umsetzungen der digitalen Nutzeranwendungen; Big-Data-Strategien.


Ärztliches Handeln wird erheblich beeinflusst werden


Hinter diesen Eckpunkten stehen jeweils mannigfache und vielfältig vernetzte Einzelmaßnahmen, die auch das ärztliche Handeln in erheblichem Maße beeinflussen und umstrukturieren werden.
Alleine durch die Zusammenführung der nur noch mittels KI auswertbaren Datenflut werden u. a. Zusammenhänge und Erkenntnisse generiert werden zu:

  • Krankheitszusammenhängen,
  • Epidemiologieprognosen,
  • Präventionsmaßnahmen und deren Koordinierungen,
  • Therapiebewertungen,
  • multiplen Forschungs- und Studienunterstützungen,
  • Schnittstellenverbindungen,
  • Prozessoptimierungen,
  • sinnvollen therapiebegleitenden Maßnahmen (z. B. via APPs und innovativer Medizintechnik),
  • Transparenz bzgl. Über-, Unter- sowie Fehlbehandlungen und deren Vermeidung,
  • Fehlabrechnungsverhinderungen,
  • Therapieempfehlungssystemen (schlagen vor, prüfen Regeln, geben besondere Hinweise, erinnern, überwachen, dokumentieren, evaluieren, visualisieren, bewerten, modellieren).

Die Art, wie Krankheiten künftig diagnostiziert und therapiert werden sowie deren Vorbeugung wird sich künftig erheblich von den gegenwärtigen Handlungsmethoden – also dem klassischen medizinischen Handeln – unterscheiden.


Patientenindividuelle Prä­zisions­medizin-Empfehlungen


Die Erkenntnisgewinne auf Basis der künftigen Datenvernetzungen und deren Evaluierungen führen zu patientenindividuellen Präzisionsmedizin-Empfehlungen. Technologieplattformen unter Einsatz künstlicher Intelligenzprogramme (KI) werden mehr und mehr personalisierte Therapieschemata generieren, zugeschnitten auf das jeweilige patientenbezogene Krankheitsbild (Diagnose, Indikation, Stadium, Historie, persönliche Parameter, Umfeld).
Big-Data führen das medizinische Wissen, die medizinische Forschung und das medizinische Handeln in bisher ungeahnte neue Dimensionen.


Fazit:


Damit Deutschland in Sachen Digitalisierung nicht den drohenden internationalen Anschluss verpasst, wurde nun mit Hochdruck die Digitalisierungsoffensive auf allen Ebenen initiiert. Somit wird es auch im Gesundheitswesen zu erheblichen Umbrüchen kommen. Dieser Paradigmenwechsel wird für alle Beteiligten mit tw. erheblichen Neuorientierungen verbunden sein. Fortschritt bedeutet nun mal Veränderung und Herausforderung, was nicht immer reibungslos und angenehm verläuft. Doch auch hier gilt das Schiller`sche Postulat: „Wer nicht mit der Zeit geht ... geht mit der Zeit“.

 

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