Gesundheitspolitik

Tanz der Telemedizin

Die Telemedizin scheint so etwas wie der Wiedergänger der Gesundheitspolitik zu sein. Sie taucht immer wieder auf – zuletzt sogar in der Regierungserklärung der Kanzlerin.

In ihrer Regierungserklärung vom 29. Januar hat Bundeskanzlerin Dr. rer. nat. Angela Merkel, zumindest rein numerisch, besonderen Wert auf die Telemedizin gelegt. 280 Wörter umfasste der Abschnitt über die Gesundheitspolitik in der schriftlichen Fassung der Regierungserklärung, inklusive der ausführlichen Anmerkungen zur Pflege, die elf Wörter des Satzes zur Telemedizin klingen da fast schon programmatisch. „Die Bundesregierung will dafür Sorge tragen, dass die medizinische Versorgung verbessert wird, insbesondere bei der Versorgung mit Fachärzten. Jeder muss schnell und gut behandelt werden. Die hohe Qualität unserer medizinischen Versorgung muss auch in Zukunft gerade im ländlichen Raum gesichert werden“, so weit die im Lichte der Diskussion der Facharzt-Termine zu erwartende Standard-Rhetorik Merkels. Doch dann folgte der Satz: „Dabei spielt die Entwicklung der Telemedizin im Übrigen eine zentrale Rolle.“ Und das war es dann auch schon mit den Ausführungen zur medizinischen Versorgung.

Wer wollte, konnte in diese wenigen Worte viel hereininterpretieren. „Bundeskanzlerin Merkel betont die Chancen der besseren Versorgung durch Telemedizin“, titelte zum Beispiel das Zentrum für Telematik und Telemedizin (ZTG) in einer Pressemitteilung und nutzte die Chance, auf ihren „Markt der Möglichkeiten“ Ende Februar in Düsseldorf hinzuweisen. Gemeinsam mit ihren Gesellschaftern wollte die ZTG auf diesem Markt Telematik- und Telemedizinlösungen erstmals gemeinsam von unterschiedlichen Akteuren der Gesundheitsbranche präsentieren lassen. Anhand von Anwendungsfällen zeigten die Branchenxperten, wie Telematik und Telemedizin schon heute den Versorgungsalltag unterstützen können.

 

E-Health-Initiative

 

Offen bleibt, was sich konkret hinter Merkels Erwähnung an prominenter Stellung verbirgt. Das Bundes­gesundheitsministerium hat 2010 ei­ne eHealth-Initiative gegründet, die nach Angaben des Ministeriums das Ziel verfolgt, mit konkreten Maßnahmenbündeln Anwendungen des Telemonitorings und der Telemedizin für eine größere Zahl von Beteiligten nutzbar zu machen und bestehende Implementierungshemmnisse für die Etablierung von eHealth-Anwendungen in die Regelversorgung zu überwinden. Im letzten Jahr hat die Initiative zum Beispiel eine „Planungsstudie Interoperabilität“ aufgesetzt, durchgeführt vom Fraunhofer Fokus Institut zusammen mit der Bearing Point GmbH. Wer das von Staatssekretär Thomas Ilka auf der Fachmesse conhIT 2013 vorgestellte „Projekt-Wiki“ der Studie öffnet, denkt allerdings spontan erst einmal an Projekt-Bürokratie als an Visionen für die Praxis. Hintergrund der Studie ist die in der Vergangenheit erfolgte Konzentration beim Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien auf einzelne Einheiten oder Sektoren, die zu einer hinderlichen Systemvielfalt geführt hat, Stichwort Insellösungen.

2012 wurde im Rahmen der eHealth-Initiative das Nationale Telemedizin-Portal entwickelt. Es soll bis dato verstreut vorliegende Informationen von mehr als 200 verschiedenen Projekten bündeln und auf die jeweilige Nutzerperspektive ausgerichtete Informationen strukturiert zur Verfügung stellen (http://telemedizin.fokus.fraunhofer.de).

 

Von Gipfel zu Gipfel

 

Schon in der Vergangenheit hatte Merkel sich von den Möglichkeiten der Telemedizin überzeugt gezeigt. So war sie auf dem 5. Nationalen IT-Gipfel 2010 in Dresden anwesend, ein Sonderthema war der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien im Gesundheitswesen. In ihrer Rede würdigte die Kanzlerin damals den Einsatz telemedizinischer Verfahren und die zunehmenden, auch dezentralen, Speichermöglichkeiten von elektronischen Patientenakten als den richtigen Weg, um die Qualität der Versorgung zu verbessern, berichtete damals das Deutsche Ärzteblatt. Auch im Vorfeld des Nationalen IT-Gipfels im November 2012 in Essen sprach Merkel in ihrer wöchentlichen Videobotschaft davon, Deutschland solle nach ihrer Ansicht unter anderem ein Standort für Telemedizin sein. „Ich glaube, diese Branche hat ein Riesenpotenzial, noch entwickelt zu werden“, so Merkel damals. Dafür müsse der Ausbau schneller Breitbandverbindungen vor allem im ländlichen Raum weitergehen. „Aber die Telemedizin muss auch akzeptiert werde von den Ärzten.“ Auch 2014 wird es den vom Wirtschaftsministerium ausgerichteten Nationalen IT-Gipfel wieder geben, diesmal Ende Oktober in Hamburg. Es bleibt abzuwarten, ob Merkel auch in ihrer Geburtsstadt wieder eine Lanze für die Telemedizin brechen wird. In seiner Rede vom 30. Januar 2014 erwähnte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe anders als seine Chefin das Wort Telemedizin übrigens kein einziges Mal … ms

 

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