Auf Stiftungsprofessur berufen in Witten/Herdecke

Neue Professorin will alle Wunden heilen

Prof. Dr. med. Ewa Klara Stürmer erforscht an der Uni Witten/Herdecke, wie Wunden besser heilen: Von der akuten Schnittverletzung bis zu „unser Oma ihr offenes Bein“.

Prof. Dr. med. Ewa Klara Stürmer (Foto: privat)
Prof. Dr. med. Ewa Klara Stürmer (Foto: privat)

Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) hat Prof. Dr. med. Ewa Klara Stürmer auf die Stiftungsprofessur für Translationale Wundforschung berufen. „Hinter dem komplizierten Wort versteckt sich die Frage, wie man neue Forschungsergebnisse schnell für die Patienten nutzbar macht“, erklärt sie ihr Fachgebiet. Denn die gelernte Chirurgin steht jetzt mehr im Labor als im OP: „Wir wollen neue Wege suchen, wie man die Wundheilung verbessert und beschleunigt. In unserem Interesse steht hauptsächlich die chronische Wunde, die im Volksmund auch als ‚offenes Bein‘ oder ‚Druckgeschwür‘ bezeichnet wird.“ Der demografische Wandel zeigt sich in einer zunehmenden Zahl älterer Menschen, die aufgrund langjähriger Erkrankungen mit Durchblutungsstörungen zu Wunden neigen, die schlecht heilen. „Diese immer wieder aufbrechenden Wunden belasten jedoch den Menschen stark und wir müssen Wege finden, diese besser zu behandeln, also Lebensqualität zu steigern.“

Für die Krankenkassen sind chronische Wunden ein rotes Tuch, weil die Behandlung teuer und der Behandlungserfolg oft nur von kurzer Dauer ist. „Aber die Menschen, die die Schmerzen erleiden müssen, interessiert nicht der Preis, sondern Linderung und Hilfe!“
Stürmer sucht diese Hilfe mit Experimenten zu finden, die an vielen Ecken ansetzen. Denn es gibt nach wie vor nicht den einen, immer richtigen Weg, wie man offene Wunden verschließt: Ein Weg geht über die Stammzellen, die jeder Mensch ein Leben lang in sich trägt. Diese können aktiviert werden und damit die Haut anregen, besser zu heilen. Ein anderer Weg bezieht die Phytomedizin ein, also wie verschiedene Pflanzenextrakte die Heilung der verschiedenen Hautzellen anregen können. „Dadurch, dass wir diese Tests an Millionen von Zellen im 3D-Hautmodell testen, kommen wir der realen Situation der Haut etwas näher.“
Die Wissenschaftlerin untersucht auch Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und Wunden. Fraglich ist zum Beispiel, ob Schmerzmittel die Haut eventuell daran hindern, gut zu heilen.
„Und wir wollen ein Pflaster entwickeln, das die Blutungen nach Verletzungen schneller stoppt.“ Ähnliches gibt es bereits in der Notfallmedizin, es ist aber zu teuer für den alltäglichen Gebrauch. Viele Patienten, die Blutverdünner wegen einer Herzerkrankung einnehmen, wären dankbar, wenn es etwas zu einem erschwinglichen Preis gäbe. Denn auch ein kleiner Ritz mit dem Küchenmesser hört bei ihnen lange nicht auf zu bluten.“
Stürmer hat als Chirurgin, Notärztin und Orthopädin schon viele Verletzungen gesehen und aus ihrer früheren Spezialisierung auf Osteoporose Parallelen entdeckt: „Wenn der Knochen versagt, bricht er, und wenn die Haut unterversorgt wird, bricht sie in Wunden auf. Für beide Erkrankungen gilt: Vorbeugung ist das A und O. Bei der Osteoporose muss man bereits im mittleren Alter dafür sorgen, dass der Knochen ausreichend Kalzium und Vitamin D hat. Bei der Haut muss man noch früher anfangen, an seine Gefäße zu denken und sich entsprechend ernähren. Deshalb erhoffe ich mir, durch diese erste Professur für ‚Translationale Wundforschung‘ Aufmerksamkeit auf ein bisher vernachlässigtes Problem zu lenken.“
Dieses Anliegen wird sowohl von der UW/H als auch von dem Stifter der Professur, der Dr.-Ausbüttel & Co. GmbH, unterstützt. Der Firmenleiter, Stephan Kohorst, selbst Kurator der Universität, begrüßt diesen ganzheitlichen Ansatz sehr.
Durch Vernetzung mit den niedergelassenen Fachärzten für Allgemeinmedizin, Dermatologie und Chirurgie, die sich zur sog. „Telematischen Wundkonferenz Witten“ zusammengeschlossen haben, bleibt der Kontakt zur operativen Basis erhalten. Die Besprechungen und Diskussionen mit diesen Fachärzten gewährleisten, dass alltägliche Probleme und klinisch wichtige Aspekte für den einzelnen Patienten im Fokus des (wissenschaftlichen) Interesses bleiben.

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