Spezial Pädiatrische Dermatologie: Dermatologische Erkrankungen bei Kindern und Kleinkindern

Nahrungsmittel in den Mund, nicht auf die Haut!

Welche Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern sinnvoll sind, um Allergien, atopische
Dermatitis und andere Erkrankungen der kleinen Menschen vorzubeugen, erläutert
Dr. med. Ursula Steinert, Biberach a.d. Riss.

Foto: privat
Dr. med. Ursula Steinert: „Echte Nahrungsmittelallergien bei Kindern sind selten, zumindest wesentlich seltener, als von den Eltern angenommen.“

Seit längerem gilt die Empfehlung für ausschließliches Stillen in den ersten vier Monaten. Für Kinder atopischer Eltern wird eine hypoallergene Nahrung für diese Zeit empfohlen. Danach beginnt das Zeitfenster vom fünften bis zehnten Lebensmonat, in dem so viel komplementäre Nahrungsmittel wie möglich zugefüttert werden sollen – insbesondere wird in der deutschen Leitlinie auch Fisch empfohlen. In der Stillzeit gibt es außer den bekannten Genussgiften wie z.B. Nikotin, Alkohol, o.ä. keine Einschränkung für die Ernährung der Mutter.

Echte Nahrungsmittelallergien bei Kindern sind selten, zumindest wesentlich seltener, als von den Eltern angenommen. Im Vordergrund stehen Sensibilisierungen gegen Kuhmilch und Weizenproteine. Bei Kindern mit Bauchschmerzen wird als Screening die Bestimmung von IgA gegen Transglutaminase empfohlen, um eine Zoeliakie auszuschließen.

Bisher bestehen keine klaren Vorstellungen, wie Nahrungsmittelsensibilisierungen bei Kindern entstehen. Die Mundschleimhaut weist sehr viele allergenpräsentierende Zellen auf, sodass denkbar ist, dass durch das in-den-Mund-nehmen bei Kleinkindern leichter Toleranz induziert wird, während Hautkontakt zu Fremdproteinen bei atopisch Veranlagten leichter eine Allergie indizieren kann. Unter diesem Aspekt sind Applikationen von Nahrungsmittelallergenen in Badezusätzen (Erdnussöl/Mandelöl oder Sojamilch/Kuhmilch) oder in Cremes (Erdnussprotein) eher restriktiv zu handhaben. Mit Katzenspeichelproteinen vergleichbar sind z.B. Erdnussproteine in Familien, die erdnusshaltige Produkte verzehrten, noch zwei Tage nach Genuss in der Wohnung – sogar im Bett – nachweisbar. Gerade die Sensibilisierung gegen das Samenspeicherprotein Ara h 2 geht häufig mit schwerwiegenden Reaktion auf Erdnüsse einher. Während bei Erwachsenen Insektengifte die häufigste Ursache einer Anaphylaxie sind, werden anaphylaktische Reaktionen bei Kinder in 58% durch Nahrungsmittel ausgelöst. In diesen Fällen wird die Verordnung eines Adrenalin Autoinjektors empfohlen.


Vorsicht, frisch gestrichen!


Auch bei Kindern können Kontaktdermatitiden beobachtet werden, wobei sich hier ein deutlicher Anstieg in der Sensibilisierungsrate gegenüber Methylisothiazolinon (MI) zeigt. MI ist in vielen Kosmetika als Konservierungsmittel enthalten, weiterhin aber häufig auch ohne Kenntnis der Betroffenen in Wandfarben. Oft werden Kontaktdermatitiden der Kinder dann als atopisches Ekzem fehlgedeutet. Die Sensibilisierung kann durch feuchtes Toilettenpapier oder Hygienetücher erfolgt sein und hat dann nach Renovierungen plötzlich unerklärliche Ekzeme zur Folge. In diesen Fällen sollte eine mögliche Kontaktsensibilisierung erwogen werden.


Urtikaria


Akute Urtikaria ist bei Kindern nicht selten. Auslöser sind meistens virale oder bakterielle Infekte, aber gelegentliche auch Nahrungsmittel wie Ei, Milch oder Erdnüsse. Meist kann durch Antihistaminika entsprechend der Leitlinie Symptomfreiheit erzielt werden. Bei Persistenz der Hautveränderungen über 24 Stunden, rezidivierendem Fieber und Arthralgien sollte auch an ein Cryopyrin-assoziiertes periodisches Syndrom (CAPS) gedacht werden und eine CRP Bestimmung erfolgen.


Kleiner Stich, große Wirkung


Im September wurde durch die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) die Empfehlung ausgesprochen, das Impfalter zur HPV-Impfung auf neun bis 14 Jahre vorzuverlegen. Die Vakzination sollte vor dem ersten Geschlechtsverkehr abgeschlossen sein. Die STIKO-Empfehlung betrifft leider nach wie vor nur Mädchen, während sinnvollerweise in Österreich die HPV Impfung ins Schulimpfprogramm für Jungen und Mädchen integriert ist.

Aufgeschreckt durch Meldungen über Demenzerkrankungen durch Aluminium wurden Impfungen oder Hyposensibilisierungen in den Praxen plötzlich wieder in Frage gestellt, abgelehnt oder sogar abgebrochen. Hierzu liegt eine klare Stellungnahme des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) vor, dass in Anbetracht der Risiko-Nutzen Relation keine Gefährdung besteht. Beachtung sollte jedoch eine Vorbehandlung der Mutter in der Schwangerschaft mit TNF-alpha-Blockern finden: bis zum sechsten Lebensmonat darf keine Lebendimpfung des Neugeborenen stattfinden.


Akne


Zur topischen Aknebehandlung bei leichter und mittelschwerer Akne ist neuerdings eine Fixkombination von Clindamycin und Tretinoin zugelassen (ab dem Alter von zwölf Jahren). Bei schweren Akneformen wie der Akne conglobata ist die orale Therapie mit Isotretinoin Standard, allerdings sollte man mit einer niedrigen Isotretinoindosis beginnen oder mit Steroid (0,5-1 mg/kgKG) mindestens eine Woche vorbehandeln, um der Entwicklung einer Akne fulminans vorzubeugen.


Wenn es viele juckt...


Erhöhte Flüchtlingsströme stellen Länder und Kommunen vor erhebliche Probleme. Wohnungsnot, niedrige hygienische Standards und enges Gemeinschaftsleben begünstigen Scabiesepidemien, vor allem unter den miteinander spielenden Kindern, welche die Infektion wiederum in ihre Familien tragen. Schwierigkeiten bereiten dann die gleichzeitige Behandlung aller Familienmitglieder oder der gesamten Flüchtlingsunterkünfte. Inwiefern dann nicht doch die einmalige Gabe von – in Deutschland nicht zugelassenem – Ivermectin eine sinnvolle Alternative zur Ganzkörperbehandlung von z.B. 90 Flüchtlingen in einer Unterkunft unter Aufsicht und erneute Behandlung nach zehn Tagen sowohl eine Ressourcen sparende und preisgünstigere Alternative darstellt, muss wohl das Gesundheitsamt prüfen.

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