Spezial: Berufskrankheit Fußpilz

Neue Daten zur Erkrankung bei Fußballspielern Nahezu jeder Dritte leidet in Industrieländern unter Fußpilz. Stellt man auch im übertragenen Sinn seine berufliche Existenz auf gesunde Füße, kann selbst eine leicht behandelbare Infektion zur Berufsunfähigkeit führen.

Fußpilz tritt nicht selten auf: Schätzungen zufolge ist in den westlichen Ländern jeder Dritte davon betroffen. Mit dem Alter steigt die Rate der Infektionen, Frauen leiden seltener unter Fußpilz als Männer. Häufig werden die Erreger indirekt von Mensch zu Mensch übertragen, beispielsweise über infizierte Laufflächen und Gegenstände. Eine Ansteckung ist überall dort möglich, wo Menschen in feucht-warmen Umgebungen barfuß laufen – etwa in Schwimmbädern, öffentlichen Duschen oder Saunen.
Eine feuchte Umgebung fördert aber nicht nur das Wachstum und die Verbreitung der kleinen Fadenpilze (Dermatophyten), sie weicht zudem die Haut auf und bietet damit dem Pilz eine ideale Angriffsfläche.
Auch Feuchtigkeit in Schuhen, beispielsweise durch Fußschweiß, erhöht das Risiko einer Pilzinfektion. Schwitzen in engen Schuhen, die Reibung von Socken und Schuhen an der aufrauenden Haut, zudem der Kontakt mit Sporen in Umkleidekabinen, Gemeinschaftsduschen oder auf Turnmatten: Gerade Sportler leiden überdurchschnittlich oft an Fußpilz. Professionelle Fußballspieler sind keine Ausnahme, doch gerade ihnen erschwert jede körperliche Einschränkung die Ausübung ihres Berufes. Und obwohl die Annahme besteht, dass Fußpilzinfektionen bei Profifußballspielern auch in Deutschland häufig auftreten, gibt es hierzu nur wenig Daten.
Vor diesem Hintergrund war das Ziel einer Studie des Instituts für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), erste Daten zur Prävalenz von Dermatomykosen bei professionellen Fußballspielern zu erheben und diese mit einer altersentsprechenden Normalbevölkerung zu vergleichen.


Daten aus der Bundesliga


Die prospektive, nicht-interventionelle, kontrollierte Studie wurde bei Fußballspielern eines Vereins der ersten Fußballbundesliga in Form einer strukturierten Fragebogenerhebung, einer dermatologischen Ganzkörperuntersuchung und eines mikrobiologischen Erregernachweises bei klinischem Verdacht durchgeführt. Die Datenerhebung fand zu zwei Zeitpunkten jeweils während der jährlich erforderlichen Sporttauglichkeitsuntersuchung („Medizin-Check“) 2013 und 2015 statt. Anschließend wurden die Ergebnisse mit denen einer bevölkerungsbezogenen Studie bei 90.880 Beschäftigten aus unterschiedlichen Industriezweigen verglichen. Hierfür wurden aus der ursprünglichen Beschäftigtenkohorte die 17- bis 35-jährigen Männer als Vergleichsgruppe ausgewählt.
Insgesamt wurden die Daten von 84 männlichen Fußballspielern untersucht (2013: 45 Spieler, 2015: 39 Spieler; mittleres Alter: 23 ± 4 Jahre). Die Vergleichsgruppe beinhaltete 8.186 männliche Beschäftigte (mittleres Alter: 29 ± 4 Jahre). Die klinische Untersuchung der Füße zeigte einen Nagelpilz (Onychomykose) bei 60,7 % der Profifußballer (2013: 64,4 %; 2015: 56,4 %) und bei nur 3,3 % der Beschäftigten. In 36,9 % der Fälle konnte bei den Sportlern eine Tinea pedis (2013: 17,8 %; 2015: 38,4 %) und in 17,8 % eine Pityriasis versicolor (2013: 22,2 %; 2015: 12,8 %) nachgewiesen werden. In der Vergleichsgruppe lag die Prävalenz bei 3,2 % (Tinea pedis) und 1,4 % (Pityriasis versicolor). Damit zeigten die Profifußballer jeweils eine signifikant höhere Prävalenz als die Beschäftigten der Vergleichsgruppe. Zwei Fußballspieler lehnten 2013 eine weiterführende mikrobiologische Untersuchung der Füße ab, zeigten jedoch klinisch eindeutige Hinweise für das Vorliegen einer Onychomykose. Bei einem Fußballspieler konnte 2013 eine Fußinfektion durch gramnegative Erreger nachgewiesen werden. Da der Fußinfekt jedoch nicht Teil der standardisierten Erhebung bei der Gruppe der Beschäftigten war, konnte hier kein Vergleich angestellt werden. Häufigster Haut- und Nagelpilzerreger war der Trichophyton rubrum. Ein Grund hierfür wird in der Keimverschleppung vermutet, denn Fußballsocken werden in den meisten Vereinen nicht von den Spielern selbst gewaschen, sondern – nach dem Tragen in einen gemeinsamen Wäschesack überführt – vom Zeugwart. Wenn dann die Waschtemperatur nicht mindestens 60 °C erreicht, werden die Socken nicht dekontaminiert und sind über diesen Umweg für eine Übertragung zwischen den Spielern verantwortlich.

Prävalenz ausgewählter Dermatomykosen

Tabelle: Vergleich der Prävalenz ausgewählter Dermatomykosen bei Fußballprofis vs. Beschäftigen (Quelle: Buder V et al. Hautarzt 2018)
Tabelle: Vergleich der Prävalenz ausgewählter Dermatomykosen bei Fußballprofis vs. Beschäftigen (Quelle: Buder V et al. Hautarzt 2018)

Einordnen der Ergebnisse


Neun Spieler wurden sowohl 2013 als auch 2015 untersucht. Bei diesen konnte ein Rückgang von Onychomykose, Tinea pedis und Pityriasis versicolor verzeichnet werden. Zwar sind die Ergebnisse nicht signifikant, dennoch ist davon auszugehen, dass die im Anschluss an die Untersuchung 2013 etablierten Therapie- und Aufklärungskonzepte zu einem Rückgang von Pilzinfektionen innerhalb dieser Gruppe geführt haben.

 

„Die Aussagen, die sich für professionelle Fußballer treffen lassen, gelten auch für alle anderen Profisportler, die ihren Körper (und hier vor allem ihre Füße) außerordentlichen Belastungen aussetzen.“


Die unterschiedlichen Größen der beiden Stichproben (84 vs. 8.186) limitieren natürlich die Aussagekraft der Ergebnisse. Bei der Interpretation der Prävalenzraten muss dies berücksichtigt werden. Es lässt sich aber festhalten, dass die Fußballer-Studie mit ihren grundlegenden Aussagen das Bild einer hohen Prävalenz von Dermatomykosen unter professionellen Sportlern ähnlicher Studien bestätigt.
Allerdings muss auch erwähnt werden, dass es in den bislang wenigen Veröffentlichungen zu diesem Thema große Unterschiede gibt zwischen dem methodischen Aufbau der Studien, der Größe und Bestimmung der Stichprobe (High-School-Wrestler vs. Footballspieler vs. Schwimmer) sowie der Art der Erhebung (ärztliche Untersuchung vs. Fragebogenerhebung; mikrobiologische Identifizierung des Erregers vs. klinische Inspektion). Beispielsweise wiesen Pickup et al. (2007) bei College-/Profifußballerspielern eine Tinea pedis in 69,0 % (männlich) und 43,0 % (weiblich) nach, wohingegen Nichtsportler signifikant seltener hierunter litten (männlich: 20,0 %; weiblich: gar nicht betroffen). Im deutschsprachigen Raum zeigten Zabel et al. (2002) mit ihrer Studie unter 27 Profifußballern eines Erstligisten für die klinischen Zeichen einer Onychomykose eine Prävalenz von 68,9 % im Vergleich zu den 60,7 % bei der IVDP-Studie.
Professionelle Fußballspieler sind aufgrund der Ausübung einer Kontaktsportart in hohem Maße anfällig für Verletzungen des Bewegungsapparates der unteren Extremität. Neben Traumata des Muskel-, Knochen- und Bandapparats sind auch die Haut und der Nagel­apparat überproportional häufig Verletzungen ausgesetzt. Das Tragen von engem Schuhwerk und die hohe mechanische Belastung führen häufig zu Nagelverletzungen, Blasenbildung oder Rissen in der Haut. Diese stellen Eintrittspforten für Erreger dar und begünstigen Mykosen. Das Barfußlaufen in kontaminierten Umgebungen wie Umkleidekabinen tut dann sein Übriges.


Aussagekräftiger Mikrokosmos?


Aber sind Gesundheitsstudien über die relativ geringe Zahl professioneller Fußballspieler wirklich nötig? In Deutschland gibt es rund drei Millionen aktive Fußballer, organisiert in fast 25.000 Vereinen. Doch nur 1.500 von ihnen sind Profifußballer und verdienen mit dem Sport so viel Geld, dass es zum Leben reicht.
Ein vergleichend geringer Anteil, behält man die Einwohnerzahl Deutschlands im Auge. Doch die Aussagen, die sich für professionelle Fußballer treffen lassen, gelten auch für alle anderen Profisportler, die ihren Körper (und hier vor allem ihre Füße) außerordentlichen Belastungen aussetzen. Über die körperliche Gesundheit wird ihnen die Grundlage für ein erfülltes Berufsleben gewährt; leidet der Körper, leiden Berufsausübung und Lebensqualität.
Zudem sind die Aussagen dieser Studie auch auf alle ambitionierten Freizeitfußballspieler mit einem hohen Trainingspensum übertragbar. Sie sind ebenfalls einem erhöhten Risiko für Mykosen der Haut, insbesondere der Füße, ausgesetzt. Somit ist es kein Nischenthema, das die IVDP-Wissenschaftler beschreiben. Denn auch hier ist der Mikrokosmos Sport immer auch ein Abbild der Gesellschaft.

 

Fazit

  • Eine Ansteckung ist überall dort möglich, wo Menschen in feucht-warmen Umgebungen barfuß laufen.
  • Die klinische Untersuchung der Füße zeigte einen Nagelpilz (Onychomykose) bei 60,7 % der Profifußballer (2013: 64,4 %; 2015: 56,4 %) und bei nur 3,3 % der Beschäftigten.
  • Es ist kein Nischenthema, dass die IVDP-Wissenschaftler beschreiben. Denn auch hier ist der Mikrokosmos Sport immer auch ein Abbild der Gesellschaft.

Kontakt

 

Mario Gehoff
Institut für Versorgungsforschung in der
Dermatologie (IVDP) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

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