Spezial: Unklares Exanthem – ein Mykid?

Id-Reaktion Sterile, juckende Bläschen an der Hand – bei Fußpilz? Das nur eines von vielen Beispielen für ein Mykid. Manchmal tritt dieses auch erst nach Beginn der antimykotischen Behandlung auf. Das Krankheitsbild wurde in der Session „Infektiologie“ bei der Fortbildungswoche in München diskutiert.

Die Therapie von Mykosen ist das tägliche Brot des Dermatologen, aber was ist ein Mykid? Bei der 26. Fortbildungswoche für Praktische Dermatologie und Venerologie (Fobi) in München stellte Prof. Dr. med. Pietro Nenoff, Dermatologe/Allergologe mit weiteren Schwerpunkten in der Mikrobiologie und Tropenmedizin, niedergelassener Laborarzt in Mölbis bei Leipzig, das Thema vor.


Ohne Mykose kein Mykid


Eine Id-Reaktion (-id [gr.]: Vater-Sohn-Beziehung) bezeichnet eine sekundäre entzündliche Reaktion auf ein entferntes umschriebenes immunologisches Geschehen, erklärte Nenoff. Auslöser können Bakterien sein (wie beim Tuberkulid) oder eben auch Pilze, dann wird die Fernreaktion als Mykid bezeichnet.
„Beim Mykid handelt es sich um eine hypererge Reaktion auf Dermatophytenbestandteile“, so der Experte. „Sie tritt auf dem oder kurz nach dem Höhepunkt der Infektion auf und wird durch eine massive Freisetzung von Antigenen, vor allem von Proteasen und Utilisinen, verursacht.“

 

„Beim Mykid handelt es sich um eine hypererge Reaktion auf Dermatophytenbestandteile. Sie tritt auf oder kurz nach dem Höhepunkt der Pilzinfektion auf.“


Erstmalig wurde dieses Phänomen vor genau 100 Jahren entdeckt: Der Dermatologe Prof. Dr. med. Josef Jadassohn (1863 – 1936) beschrieb es bereits im Jahre 1918 als Lichen trichophyticus.


Mykose und Mykid sind räumlich voneinander entfernt


Auslöser ist oftmals eine Tinea pedis (oder Tinea corporis, Tinea capitis) durch Trichophyton spp. ­Nenoff verwies auf eine aktuelle Arbeit von Prof. Dr. med. Peter Mayser, in der auch andere mögliche Primärinfektionen genannt werden, etwa eine Kandidose, eine subkutane Sporotrichose oder eine tiefe Kokzidioidomykose.
Das Mykid befindet sich immer an einer anderen Stelle als die Mykose selbst. Oftmals ist es an den Extremitäten lokalisiert, beispielsweise an den Händen. Es kann dyshidrosiform, nodös oder lichenoid sein oder auch einem Erythema multiforme ähneln.


Wohl häufiger als gedacht


Belastbare Zahlen zur Prävalenz und Inzidenz von Mykiden sind bislang nicht verfügbar. Eine monozentrische Studie zeigte jedoch bei jedem sechsten Patienten, der mit einer Fußmykose in die Praxis kam, zusätzlich auch Mykide, fast immer an den Händen.
Pilznachweis im Mykid ist immer negativ
Ein ganz entscheidendes Merkmal des Mykids ist es, dass in dem Gewebe kein Pilznachweis gelingt, „weder mittels Kultur noch histologisch oder mithilfe der Polymerasekettenreaktion“, betonte Nenoff. Diese Sekundärreaktion ist steril.

Abb. 1 (links): Mykose am linken Fuß mit Koinfektion durch Staphylococcus aureus   Abb. 2 (rechts): Kurze Zeit später aufgetretenes Mykid an beiden Händen

Antimykotische Therapie kann Mykid verschlechtern


Unter der Therapie der Mykose kann sich das Mykid zunächst verschlechtern, stellte Nenoff klar. Mehr noch: Manchmal tritt das Mykid überhaupt erst im Rahmen eines Overtreatment-Syndroms bei der Pilzbekämpfung auf. Dieses Phänomen wird etwa bei stark entzündlicher Tinea durch zoophile Pilze wie T. verrucosum beobachtet.
In jedem Falle ist (trotzdem) die Therapie der ursächlichen Pilzinfektion angezeigt, und erst nach Abheilung der Mykose wird auch das Mykid abklingen – dann sogar oftmals spontan. Verursacht das Mykid jedoch per se starke Beschwerden wie etwa einen belastenden Pruritus, so hilft ein Stoß mit 50 bis 80 mg Prednisolon über einige Tage.


Kasuistik: Fußpilz führte zum Handekzem


Nenoff präsentierte das Beispiel eines 19-jährigen Patienten aus ­Maysers Klinik. Der junge Mann stellte sich mit einer seit vier Wochen bestehenden massiven Tinea pedis durch Trichophyton interdigitale vor. Sie wurde mittlerweile durch eine Sekundärinfektion mit Staphylococcus aureus aggraviert. Die topische Therapie mit einem ciclopiroxolaminhaltigen Gel hatte keine Wirkung gezeigt.
Neben diesem ausgeprägten inflammatorischen Befund am linken Fuß (Abb. 1) fanden sich sterile dyshidrosiforme Läsionen symmetrisch verteilt an beiden Händen – die Mykide (Abb. 2). Sowohl am Fuß als auch an beiden Händen litt der Patient an einem sehr starken Juckreiz.


Therapie: Antimykose und Kortikosteroide


Mayser behandelte den Patienten systemisch: Der junge Mann erhielt Terbinafin 250 mg/d über zwei Wochen, dazu Prednisolon 50 mg oral über zwei Tage und anschließend 25 mg über weitere zwei Tage.
Zusätzlich sollte er am Fuß ein topisches Kombipräparat mit einem Kortikosteroid und dem Breitband-Antimykotikum Miconazol auftragen.
Schon nach drei Tagen trat unter diesem Regime eine Besserung ein. Nach insgesamt 14 Tagen waren die Fußläsionen abgeheilt.
Die Ekzeme an den Händen wurden über zehn Tage mit einer mometasonhaltigen Creme, also mit einem topischen Kortikosteroid, behandelt; damit besserte sich der Juckreiz. Nach Abklingen der Fußmykose heilten auch die Mykid-Läsionen an den Händen ab.

 

Fazit

  • Eine Mykose kann mit einem Mykid vergesellschaftet sein.
  • Das Mykid verschlechtert sich oft unter antimykotischer Therapie.
  • Es ist jedoch selbstlimitierend, sobald die Mykose verschwunden ist.                                  |  rdf
(Foto: privat)
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Prof. Dr. med. Pietro Nenoff
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