Einfluss von Sonnenlicht auf Autoimmunerkrankungen

Sonnenlicht schützt

Moderate Sonnenstrahlung unterstützt den Aufbau eines gesunden Immunsystems und hilft diesem beim Schutz des Zentralen Nervensystems. Bei Mäusen haben Wissenschaftler zudem die molekularen Wege entschlüsselt, die bei der UV-B-Bestrahlung eine Rolle spielen.

Foto: FZ/Deiters
Prof. Dr. med. Karin Loser, Johanna Breuer und Prof. Dr. med. Heinz Wiendl (v.l.) vor der UV-Kammer, in der die Studienpatienten sechs Wochen lang bestrahlt wurden.

Etwa 2,5 Millionen Menschen weltweit leiden an Multipler Sklerose (MS). Die Entstehung dieser chronisch-entzündlichen Erkrankung des Zentralen Nervensystems liegt weitgehend im Dunkeln, hat aber offenbar auch mit Helligkeit zu tun: Auffällig ist nämlich, dass Nordeuropäer, Nordamerikaner und Kanadier deutlich häufiger daran erkranken als Menschen aus Ländern in Äquatornähe. Ziehen Säuglinge oder Kleinkinder in eine sonnigere Region um, passt sich das MS-Risiko der neuen Umgebung an. Beeinflussen also Umweltfaktoren – speziell die Sonneneinstrahlung – das Immunsystem?

Dieser Frage gingen Forscher der Universität Münster nach. Ihr Ergebnis: Moderate Sonnenstrahlung unterstützt den Aufbau eines gesunden Immunsystems und hilft diesem beim Schutz des Zentralen Nervensystems. Eine solche Wirkung sei bei anderen Krankheiten bereits bekannt, berichtet Prof. Dr. med. Karin Loser von der Uni-Klinik für Hautkrankheiten: „Aus der Behandlung der Schuppenflechte wissen wir, dass UV-Licht eine positive Wirkung auf das Immunsystem hat.“ Ob dies auch für andere Krankheitsbilder gilt, untersuchten die Neurologen der Uni-Klinik in Zusammenarbeit mit den Dermatologen sowohl im Tiermodell als auch bei Betroffenen. Über einen Zeitraum von sechs Wochen begaben sich neun MS-Patienten regelmäßig in eine eigens dafür konzipierte medizinische Sonnenkammer. Die Bestrahlung erfolgte täglich außer an den Wochenenden. „Die Ergebnisse sind erstaunlich“, so Loser, „im Blut und in der Haut der Patienten fanden sich schon nach dem ersten Termin mehr regulatorische T-Zellen und dendritische Zellen als zuvor.“ Beide Zelltypen schützen das Immunsystem davor, sich bei einer Überreaktion selbst anzugreifen – dieser gefährliche Vorgang ist das zentrale Kennzeichen der MS. Das Wissenschaftlerteam konnte anhand von Hautbiopsien nachweisen, dass die UV-B-Strahlung im Immunsystem von MS-Patienten einen komplexen Prozess auslöst: In der bestrahlten Haut bilden sich tolerogene dendritische Zellen, die dann in angegliederten Lymphknoten regulatorische T-Zellen „ausbilden“. Parallel konnten bei Mäusen die genauen molekularen Wege entschlüsselt werden, die bei der UV-B-Bestrahlung eine Rolle spielen: Die induzierten regulatorischen Zellen wandern aus der Haut zum Ort der Entzündung. Hier lösen sie eine schützende Reaktion des Immunsystems aus und drosseln so die schädliche Autoimmunität. Allerdings ließ dieser Effekt schneller nach als die Sonnenbräune: Wurde die Behandlung auch nur für wenige Tage unterbrochen, verschlechterten sich Blutwerte und Immunstatus wieder – sowohl bei Mäusen als auch beim Menschen.„Es gibt offenbar eine Achse zwischen Haut und Nervensystem. UV-B-Strahlung hat einen Einfluss auf die Immuntoleranz im Nervensystem. Der Einfluss ist kurzfristig, umkehrbar und geht weit über Effekte von Vitamin D allein hinaus“, schlussfolgert Prof. Dr. med. Heinz Wiendl, Direktor der Klinik für Allgemeine Neurologie in Münster.     mfm/sk-mk

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