Smartphone-App

Vereinfachte direkte Kommunikation zwischen Patient und Arzt

Eine neue Software-Lösung soll den Arbeitsalltag von Dermatologen, insbesondere aber der Medizinischen Fachangestellten (MFA) erleichtern. Dr. med. Ullrich Shih aus Leonberg wird diese Smartphone-App auf der Tagung in Frankenthal erstmals vorstellen.

Dr. med. Ullrich Shih
Dr. med. Ullrich Shih

Herr Dr. Shih, Sie stellen auf der Tagung Dermatologische Praxis in Frankenthal eine Software namens PIA vor. Was ist PIA?
Shih: Vielen Dank für die Gelegenheit, das Projekt vorstellen zu dürfen. Zunächst ist zu sagen, dass PIA eine Software-Lösung ist, die aus meiner eigenen Beobachtung der Praxisabläufe entstanden ist.
PIA (Personal Information App) besteht aus drei Komponenten:
1. Laborbuch beim Arzt
2. Smartphone-App beim Patienten
3. Serverlösung beim Dienstleister


Warum haben Sie eine derartige Software entwickelt?
Shih: Mich hat als Dermatologen immer gestört, dass sich Patienten beschweren, wir seien so schlecht telefonisch zu erreichen. Gleichzeitig sehe ich die Helferinnen bzw. Telefonistinnen das ständig klingelnde Telefon bedienen. Die Nachfrage bei den Mitarbeitern hat ergeben, dass sehr viele dieser Telefonate lediglich banale und zeitraubende Befundanfragen (Blutwerte, Histologien etc.) sind. Für diese Tätigkeiten sind die MFAs überqualifiziert und sie werden dadurch von ihren eigentlichen Aufgaben abgehalten.
Um also gleichzeitig die Prozesse zu optimieren, die Mitarbeiter wieder qualifikationsgerecht einzusetzen und nicht zuletzt ein Serviceangebot zu schaffen, habe ich mich entschlossen, eine Lösung zu realisieren, welche es in dieser Form noch nicht gibt.


Und wie funktioniert PIA?
Shih: Das ist recht banal: Der Arzt importiert seine wie bisher auch schon mittels DFÜ empfangenen Befunde in das elektronische Laborbuch. Dort kann er die Befunde sichten und ggf. mit einem Kommentar bzw. Handlungsanweisungen für den Patienten versehen. Falls der Patient seine Zustimmung zum Versand auf das Smartphone erklärt hat, werden diese Befunde inklusive Arztkommentar sofort dem Patienten auf sein Telefon geschickt. Gleichzeitig kann der Arzt die Befunde in sein Praxisprogramm übertragen, sodass diese inklusive seiner Kommentare in seiner Dokumentation zur Verfügung stehen. Die Schnittstellen sind standardisiert und sind in jedem gängigen Praxisprogramm vorhanden.
Der Datenschutz bei der Übertragung ist insofern gewährleistet, dass lediglich mittels QR-Codes zuordnungsfähige namenlose Laborbefunde übertragen werden. Erst auf dem Smartphone, wo der Entschlüsselungscode gespeichert ist, werden diese Befunde zugeordnet.


Warum sollte dies andere Ärzte und insbesondere Dermatologen interessieren?
Shih: Die Vorteile und das Innovative sind:
Die Lösung orientiert sich an den Anforderungen des Praxisalltags, da sie von einem Arzt an der Basis entwickelt wurde.
Viele Vorgänge werden automatisiert, der Arzt und die MFA werden entlastet.
Sie ist mit allen vorhandenen Praxisprogrammen kompatibel, sofern sie mindestens auf Windows 7 basieren. Die Datenübermittlung zwischen der eigenen Praxissoftware und PIA erfolgt über standardisierte Schnittstellen. Die Datenübertragung zum Patienten erfolgt anonym und ist durch das Einscannen eines individuellen QR-Codes auch datenschutzrechtlich sicher, auch auf der Ebene des Dienstleisters.
Gerade bei den Dermatologen sind Blutentnahmen zur Therapiekontrolle, z. B. antimykotische Systemtherapie, Isotretinoin systemisch notwendig.
Dem Privatpatienten kann die GOÄ-Ziffer 1 berechnet werden, da durch den Kommentar eine ärztliche und durch die Freigabe des Befundes durch den Arzt ein persönlicher Kontakt erfolgt. Die MFAs haben wieder Zeit für andere Praxistätigkeiten.


Wieso stellen Sie das Programm am Samstag den MFAs vor?
Shih: Die MFAs sind es, die derzeit den größten Teil der Tätigkeiten erbringen, der durch PIA automatisiert werden könnten. Hier liegt mit Sicherheit ein großes Interesse bei den MFAs, ein solches Produkt kennenzulernen, was ihren Arbeitsalltag etwas erleichtert.


Glauben Sie, dass PIA eine Zukunft hat?
Shih: Sehr viele und nicht nur junge Menschen setzen jetzt schon ihr Smartphone für die unterschiedlichsten Dinge ein. Recherchieren Sie mal die Verkaufszahlen von Fitness-Armbändern und Smartwatches, dann werden Sie merken, dass PIA zum allgemeinen Mainstream der Gesundheits-Apps von Apple, Google & Co. passt. Die Zukunft von PIA sehe ich in der Zusammenarbeit mit Laboren oder Dienstleistern in der Befundverteilung und in der bidirektionalen Kommunikation mittels PIA zwischen Patient und Arzt (auch wenn es uns momentan noch schwerfällt, dies zu akzeptieren).

Bild links: Die Datenübertragung zum Patienten erfolgt anonym und ist durch das Einscannen eines individuellen QR-Codes auch datenschutzrechtlich sicher.

Bild rechts: Der Arzt kann die Befunde in sein Praxisprogramm übertragen, sodass diese inklusive seiner Kommentare in seiner Dokumentation zur Verfügung stehen.

(Fotos: Shih)

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