Therapie entzündlicher Hauterkrankungen

Biologicals – wo stehen wir, wo gehen wir hin?

Prof. Dr. med. Tilo Biedermann, Tübingen, gab während der Tagung „Allergologie im Kloster“ in Eberbach einen Überblick, was Biologicals heute leisten können – und was nicht.

Foto: privat
Prof. Dr. med. Tilo Biedermann

Die Haut ist das größte Grenzflächenorgan zur Umwelt. Ihre Funktionen haben sich in einem langen evolutionären Prozess herausgebildet, um Infektionen abzuwehren, Verletzungen zu reparieren und somit die Integrität des Hautorgans und damit des ganzen Organismus zu sichern. Heute wissen wir, dass die Haut ein kompetentes Immunorgan ist. Die Aktivierung der natürlichen Immunität steht an erster Stelle einer Immunreaktion, gefolgt von der Etablierung der adaptiven Immunität mit antigenspezifischen T-Zellen und Antikörper produzierenden B-Lymphozyten. Das komplexe Netzwerk pro-entzündlicher Prozesse ist zunehmend entschlüsselt. Sind diese Prozesse im Fall der Infektabwehr und der Wundheilung erwünscht, so sind sie bei chronisch entzündlichen Erkrankungen mit überschießender Immunreaktion unerwünscht und Ziel therapeutischer Intervention.

 

„Targeted therapies“

 

Die zwei wichtigsten chronisch entzündlichen Hauterkrankungen sind Psoriasis und atopische Dermatitis. Psoriasis kann interpretiert werden als eine chronische Entzündungsreaktion mit einer überschießenden natürlichen Immunantwort, gefolgt von autoreaktiven T-Zellen, sowie einer überschießenden der Wundheilung ähnlichen Gewebereaktion. Eine dominante Immunantwort ist die Interferon-g/TNF-Achse, überwiegend repräsentiert durch die Th1-Lymphozyten. Therapeutisch erzielt eine Blockade von TNF großen Fortschritt, mit dem Antikörper gegen die p-40 Untereinheit von IL-12 und IL-23 (Ustekinumab) lässt sich sogar die Differenzierung hin zu Th1-Zellen blockieren. Als weitere wichtige Immunreaktion lässt sich die IL-23/IL-17A-Achse der Th17-Immunantwort ebenfalls mittels Ustekinumab blockieren und eine Reihe von Entwicklungen, die IL-17 antagonisieren zeigen in Studien eine den TNF-Antkörpern vergleichbare therapeutische Wirkung.

In gleichem Maße, in dem „targeted therapies“ bei Psoriasis überzeugten, hat ihr Einsatz bei atopischer Dermatitis bisher enttäuscht. Die Initialzündung der atopischen Dermatitis wird in einer Th2 gerichteten Immunantwort gesehen, die durch IL-4, IL-5 und IL-13 charakterisiert wird und die Induktion von IgE in B-Lymphozyten bewirkt. Weiterhin typisch ist eine gestörte Barrierefunktion mit reduzierter natürlicher Immunantwort gegenüber Bakterien und Viren. Dabei supprimiert IL-4 sowohl die Hautbarriere, die anti-infketiöse Immunantwort als auch das durch die natürliche Immunantwort induzierte anti-entzündliche IL-10, was die chronische Dermatitis auslöst. Therapieansätze, die das Eosinophilen-assoziierte IL-5 als Target hatten, haben ebenso enttäuscht wie die Anti-IgE-Therapie. Beide Ansätze führen nur bei einzelnen Patienten zum Therapieerfolg.

Erfolgsversprechender sind die derzeit laufenden Studien zur Blockade von IL-4 und IL-13 durch einen IL-4-Ra-Antikörper. Durch die Inhibition dieser Initialzündung bei atopischer Dermatitis könnte erstmals ein sehr wirksames und für die Patienten mit schwerer atopischer Dermatitis Linderung versprechendes Therapeutikum auf dem Markt kommen. Damit wird es möglich sein, bei beiden wichtigen chronisch entzündlichen Hauterkrankungen in zunehmend individualisierter Weise zu therapieren.

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