Personalisierte Medizin in der Allergologie

Innovation oder alter Hut?

Die Möglichkeiten und Chancen der personalisierten Medizin in der Allergologie gerade auch bei Kindern erläuterte Prof. Dr. és. sci. Dr. med. Thomas Bieber, Bonn, während der Tagung „Allergologie im Kloster“ in Eberbach.

Foto: Archiv
Prof. Dr. és. sci. Dr. med. Thomas Bieber

Die Personalisierte Medizin – auch individualisierte Medizin, stratifizierte Medizin oder Präzisionsmedizin genannt – stellt eine weitere Evolution des Biomedizinischen Fortschrittes dar. Das übergeordnete Ziel der personalisierten Medizin besteht darin, das richtige Medikament für den richtigen Patienten zum richtigen Zeitpunkt einzusetzen. Dabei soll anhand von diversen Biomakern versucht werden, den komplexen Phänotyp eines Krankheitsbildes in mehr und minder gut definierte Einzelbereiche zu zerlegen und die dazu gehörigen Patienten-Untergruppen entsprechend mit differenzierteren Vorgehensweisen zu diagnostizieren und zu behandeln, und, wenn möglich, frühzeitige Präventionsmaßnahmen maßgeschneidert einzuleiten. Mit dem Fortschritt der biomedizinischen Erkenntnisse, insbesondere im Bereich der Genomik, erkennen wir eine zunehmende Tendenz zur Biomaker-basierten Stratifizierung der Patienten, vor allem bei onkologischen Erkrankungen. Theoretisch, je größer die Heterogenität eines Phänotyps (Krankheitsbild), desto größer wird sich das Grundprinzip der personalisierten Medizin durchsetzen können.

 

Stratifizierung des Asthmas in mehreren Untergruppen

 

Auf der anderen Seite gibt es wohl kaum ein Krankheitsspektrum, was so heterogen ist wie Allergien. Dennoch neigen wir stets dazu, klassische Phänotypen wie die atopischen Erkrankungen (Asthma, atopische Dermatitis) sehr einheitlich zu betrachten und immer wieder, zum Teil auch durch Leitlinien getrieben, einheitliche Vorgehensweisen in der Behandlung dieser Allergien vorzuschlagen. Als Beispiel sei hier die nunmehr angestrebte Stratifizierung des Asthmas in mehreren Untergruppen auf der Grundlage von validierten Biomarkern genannt. Eine solche Stratifizierung hat bereits in ersten klinischen Studien zur Entwicklung neuartiger Therapieprinzipien Einzug erhalten und wird in Zukunft zunehmend an Bedeutung gewinnen. Allein die Vielfalt der möglichen Allergene als Ursache für die Beschwerden der allergologischen Patienten führt zu einer sehr differenzierten Vorgehensweise sowohl bei der Diagnostik als auch bei der Therapie und bei den möglichen Präventionsmaßnahmen. So ermöglicht die durch die moderne Technologie mit rekombinanten Allergenen-bedingte Optimierung der allergologischen Diagnostik auch eine optimierte und personalisierte Immuntherapie allergischer Erkrankungen mit rekombinanten Allergenen.

Fortschritte in den Erkenntnissen der Genetik und der Pathophysiologie allergischer Erkrankungen werden es ermöglichen, eine Vielfalt von wertvollen Biomarkern zu entwickeln, die neben dem diagnostischen Wert darüber hinaus auch als prognostische und prädiktive Biomarker herangezogen werden können. Die damit verbundene Aussicht, Säuglinge mit dem höchsten Risiko zur Entwicklung eines atopischen Marsches frühzeitig zu identifizieren und entsprechende Präventionsmaßnahmen einzuleiten, stellt eine Paradebeispiel von Biomarker-basierter personalisierter Medizin dar. Mit der personalisierten Medizin und den Möglichkeiten der maßgeschneiderten und gezielten Therapie können mit neuartigen Wirkstoffen sowie Präventionsmaßnahmen auch personalisierte Interventionen im Sinne einer krankheitsverändernden Strategie (Disease modifying strategy) den natürlichen Verlauf dieser Erkrankungen beeinflussen.

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