Spezial: Kinderdermatologie 2017

Pädiatrische Dermatologie Über neue Erkenntnisse u. a. in der Genforschung, der Allergologie und zum Mikrobiom bei Kindern berichtet Dr. med. Ursula Steinert, Biberach a. d. Riss, für DERMAforum. Hier sind viele unterschiedliche Krankheitsbilder betroffen, zu denen es neue Therapieansätze gibt.

Dr. med. Ursula Steinert  (Foto: privat)
Dr. med. Ursula Steinert (Foto: privat)

Bei schwerer atopischer Dermatitis kann eine CARD11-Gen-Mutation vorliegen. Das Card11-Gen kodiert ein Protein in Lymphozyten mit Auswirkung auf die Signaltransduktion vom T-Tellrezeptor in den Zellkern. Card11-Defekte können durch Glutamin-Supplementierung partiell aufgehoben werden. Glutamin ist eine Aminosäure, die in höherer Konzentration in Sojabohnen, Erdnüssen und Dinkelmehl enthalten ist. Erste Studien sind in Planung.
Einen Hoffnungsschimmer gibt es für Patienten mit Epidermolysis bullosa: Zum einen konnte bei Epidermoloysis bullosa dystrophica hereditaria durch eine lokale Gentamycin-Appilkation die Induktion von Kollagen VII mit funktionstüchtigen Verankerungsfibrillen induziert werden. Zum anderen wird über einen Jungen berichtet, bei dem aus Hautbiopsien epidermale Stammzellen isoliert, gezüchtet und nachfolgend transplantiert wurden, sodass er jetzt sogar Sport treiben und ein normales Leben führen könne.


Mikrobiom


Eine Studie vom Robert-Koch-Institut zeigt, dass Kinder mit einem kompletten Impfstatus am Ende des ersten Lebensjahres später seltener als ungenügend Geimpfte eine allergische Rhinitis entwickeln. Leider ergab sich dies nicht für das Risiko der Entwicklung einer atopischen Dermatitis, allerdings bewahrheitete sich auch nicht die Befürchtung eines erhöhten Risikos.
Einen Unterschied zwischen der Impfantwort auf Influenza gab es bei Atopikern mit einer Besiedlung mit Staphloycoccus aureus, wenn der Impfstoff intradermal statt i. m. verabreicht wurde. Atopiker mit Impfstoffapplikation bildeten eine stärkere Immunreaktion aus.
Eine wichtige Differentialdiagnose zur Windeldermatitis ist die gar nicht so seltene perianale Streptokokkendermatitis. Bei hochroten Plaques perianal sollte frühzeitig ein Abstrich erfolgen und eine systemische Therapie mit Penicillin oder beta-Laktamantibiotika eingeleitet werden.


Allergie


Schienbeinschützer, Flipflops, Sneaker – sie haben eines gemeinsam: ein neues Kontaktallergen namens Acetophenon-Azin, an das bei schweren Fußekzemen gedacht werden sollte. Stillen ist immer noch die beste Möglichkeit der Säuglingsernährung mit positiven Auswirkungen auf die kindliche Gesundheit und Intelligenz. Wie bisher auch, wird nach dem ausschließlichen Stillen bis zum 5. Monat in einem Zeitfenster bis zum 10. Lebensmonat die Zufütterung von Allergenen wie Hühnereiweiß und Erdnuss (z. B. in Form von Erdnussflips) zur Entwicklung einer Toleranz empfohlen. Dagegen sollte das Aufbringen von Lebensmitteleiweißen auf die Haut in Form von Nussölen oder sojahaltiger Basistherapie vermieden werden. Lebensmittelkontakt bitte über den Mund und nicht über die Haut!


Standards überdenken


Hämangiom: immer Propanolol? Bei Hämangiomen in Risikolokalisationen ist die systemische Gabe von Propanolol Standard. Die Lasertherapie mit gepulstem Farbstofflaser und NdYag laser trat demgegenüber in den Hintergrund. Neue Überlegungen zeigen, dass auch Propanolol Nebenwirkungen aufweisen kann (Diarrhoen, Hypoglykamie, Hyperkaliämie, bronchiale Hyperreagibilität) und man auch weiterhin gute Resultate mit der Lasertherapie erzielen kann:  Primum non nocere! Da auch nicht alle Hämangiome auf Propanolol ansprechen, bietet sich Atenolol mit einem besseren Nebenwirkungsprofil als Alternative (1 mg/kgKG) an. Trotzdem sollten die Langzeiteffekte nach Betablockergabe noch weiterhin beobachtet werden.
Immer wieder stellen besorgte Eltern ihr Kind mit mehreren Café-au-lait-Flecken vor, in der Sorge, dass eine Neurofibromatose vorliegen könne. Zu diesem Zeitpunkt sind häufig noch keine weiteren Auffälligkeiten wie Neurofibrome, LischKnötchen oder axilläres Freckling vorhanden. Ca 30 % der Patienten entwickeln später keine Neurofibromatose trotz multipler(>6) Café-au-lait-Flecken. Da die Diagnose einer Neurofibromatose auch wegen des erhöhten Risikos Malignome zu entwickeln, bedeutsam ist, wurde ein Algorithmus entwickelt, um das Risiko abzuschätzen und auch z. T. unnötige weitere diagnostische Maßnahmen (auf dem Gebiet der Ophthalmologie, Neurologie, Pädiatrie) einzuschränken. Kinder mit mehr als sechs Café-au-lait-Flecken im Alter unter 30 Monaten wiesen ein hohes, Kinder mit einem bis maximal sechs Café-au-lait-Flecken aber im Alter über 30 Monaten ohne weitere Auffälligkeiten ein sehr geringes Risiko auf, eine NF1 zu entwickeln.
Erythromycin statt Doxyxcyclin! Rosacea kann auch Kinder treffen, insbesondere mit ophthalmologischer Problematik und dabei besonders die Mädchen. Gefürchtet sind Keratitis und Blepharitis neben der Konjunktivitis. Eine Studie der Hautklinik Tübingen zeigte einen anhaltenden guten Erfolg einer oralen Erythromycintherapie gerade bei der problematischen Ophthalmorosacea.
Urtikarielle Hautveränderungen bedingen nicht immer die Dianose einer Urtikaria! Besonders im Kleinkindesalter sollte man bei urtikariellen Veränderungen, die nicht auf Antihistaminika anprechen, an Cryopyrin assoziierte periodische Fiebersyndrome (CAPS) denken. Wegweisend sind erhöhtes CRP und Erhöhung von Amyloid A. Bemerkenswert ist, dass Kältetests meist negativ ausfallen.| 

Kontakt:

Dr med. Ursula Steinert

Holzmarkt 6

88400 Biberach an der Riß

Telefon: 07351 15800

u.steinert@drsteinert.de

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