Spezial: Onychomykosen, Tinea pedis und Co.

Woher kommen die Pilze?

Die Inzidenz von Mykosen steigt weltweit. Zudem ist ein Erregerwandel ebenso wie ein sozioökonomischer Wandel zu beobachten und neue Formen der Migration werfen Fragen in Bezug auf das Infektionsgeschehen auf.

Dr. med. Georg Daeschlein (Foto: ghw)
Dr. med. Georg Daeschlein (Foto: ghw)

Schon 2003 hatten rund 30 % der Bevölkerung eine Fußmykose. Licht ins Dunkel versuchte Dr. med. Georg Daeschlein, Greifswald, mit seinem Vortrag zur SHIP-Studie (Study of Health in Pomerania) zu bringen. Kommen Ernährung, chronische Dermatosen und Rauchgewohnheiten als mögliche Risikofaktoren für Onychomykosen und Tinea pedis durch Dermatophyten infrage? Oder haben sie sogar einen protektiven Effekt? 2.504 Probanden stellten sich in Mecklenburg-Vorpommern zur Verfügung.


Was begünstigt, was schützt?


Als Hintergründe und Hypothesen für die Entstehung von Tinea pedis und Onychomykosen stellte Daeschlein folgende Fragen: Prädestinieren Barrierestörungen (t-zellassoziiert) mit Akanthose und Hyperkeratose wie Psorisis und atopische Dermatitis? Welche Rolle spielt Sauerstoffmangel durch chronische Wunden und Rauchen als Risikofaktor für Mykosen? Ist eine Pilzprävention durch kohlehydratarme Ernährung möglich? Wie verhalten sich Spross- und Schimmelpilze?
Eine fachärztliche Untersuchung auf Onychomykosen und Tinea pedis wurde bei allen Teilnehmern durchgeführt. Zusätzlich erfolgte eine labordiagnostische Untersuchung aller Probanden. Relevante Komorbiditäten und die individuellen Ernährungs- und Lebensgewohnheiten wurden sehr detailliert anhand von Fragebögen ermittelt. 25,3 % zeigten eine Fußmykose wie Onychomykose, Tinea pedis oder Zehenzwischenraummykose. 13,6 % aller Probanden waren am Fuß pilzbesiedelt.


Psoriasis Risikofaktor – atopische Dermatitis protektiv?


Eindrucksvoll waren die Ergebnisse bei Probanden mit Psoriasis vulgaris corporis et capitis; es wurde eine hochsignifikante Assoziation mit laborpositiven Pilzinfektionen festgestellt (p = 0,0031). Vordergründig waren es Trichophyton mentagrophytes (p = 0,08) und Candida albicans (p = 0,18). Eine Häufung von Pilzbesiedlung infolge der Grunderkrankung war nicht nachzuweisen. Eine atopische Dermatitis hingegen scheint vor einer Fußmykose wie Onychomykose zu schützen (p = 0,0061). Wobei eine signifikante Assoziation zu Candida albicans (p = 0,05) festzustellen war. Allergien und Heuschnupfen zeigten sich signifikant protektiv gegen Fußmykosen. Allergien begünstigen jedoch eine Besiedlung mit Dermatophyten. Ob eine Barrierestörung maßgeblich für eine Onychomykose verantwortlich ist, wird laut Daeschlein kontrovers diskutiert. Der Einfluss von Geschlecht, Alter, Traumata, Diabetes, peripherer arterieller Verschlusskrankheit, Immunstörungen, Sport und die Arbeit im Bergwerk gilt aber als eindeutig, ebenso wie atopische Dermatitis, Ekzem, Psoriasis, Infektionen und Noxen.


Ernährung und Fußmykosen


In der Gesamtbetrachtung ist eine kohlenhydratarme Ernährung im Sinne einer mediterranen Kost vorzuziehen. Der häufige Verzehr von gekochten Kartoffeln, Müsli, Haferflocken, Cornflakes, Reis, Eiern, Kuchen, Gebäck, Keksen, Bratkartoffeln, Kroketten und Pommes Frites begünstigt die Entstehung von Fußmykosen. Aber auch Fleisch, Wurst und Fisch schnitten nicht besser ab. Dass Süßwaren in dieser Betrachtung als „signifikant protektiv“ bei Erregern wie Trichophyton mentagrophytes und Candida albicans abschnitten, war eher überraschend. 


Und dann wäre da noch das Rauchen


Zumindest steht das Rauchen von Zigaretten offenbar nicht im ungünstigen Zusammenhang mit Fußmykosen. Das Dermatophytenwachstum wird laut SHIP-Studie gehemmt, für Sprosspilze gilt dies jedoch nicht.                                                                                                                                    ghw

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