Mykologische Fortbildung 2014 – MYK und mehr

Mehr Aufmerksamkeit für Mykosen

Was gibt es Neues und Aktuelles im Bereich der Mykologie? Gabriele Hennig-Wrobel, Erwitte, gibt auf dieser und der folgenden Seite einen Überblick über die kürzlich abgehaltenen Tagungen und Weiterbildungen.

Foto: privat
Gabriele Henning-Wrobel

Für Mykologen und mykologisch Interessierte sind die Fortbildungsmöglichkeiten mittlerweile vielfältig geworden. Auf nationaler und internationaler Ebene finden kleine und große Veranstaltungen statt, die der Interdisziplinarität des Themas „Medizinische Mykologie“ Rechnung tragen. Angesicht der steigenden Anzahl mykologischer Infektionen wächst auch der Bedarf an geeigneten Fortbildungsmaßnahmen. Vom 4. bis 6. September 2014 trafen sich in Salzburg Mykologen zur 48. Wissenschaftlichen Jahrestagung der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft e.V.. In einem umfassenden Programm stand das gesamte Spektrum der Mykologie zur Diskussion. Angefangen von der Prävention über Möglichkeiten zur Prophylaxe, diagnostische Methoden bis hin zu den Fortschritten in der antimykotischen Therapie. Bereits Anfang des Jahres traf sich die Arbeitsgruppe „klinische Mykologie“ zum 45. Mal in Göttingen und das 20. Jubiläum beging am 19. und 20. September 2014 das in Bezug auf Biologie, Erkrankung,

Diagnostik und Therapie hochspezialisierte „Pilzsymposium“ mit integrierten Praktika. Fast keine medizinisch wissenschaftliche Tagung kommt mittlerweile um das Thema Mykosen herum und es stellt in jedem Fall eine diagnostische und therapeutische Herausforderung dar. „Mehr Aufmerksamkeit für Mykosen“ ist deshalb ein durchaus berechtigter Appell.

 

Invasive Candidainfektionen

 

Ob ein Echinocandin in der täglichen Praxis für die Behandlung von invasiver Candidiasis, ösophagealer Candidiasis oder in der prophylaktischen Behandlung von Candida Infektionen geeignet ist, untersuchte die MIAMI-Studie. Angesichts der hohen Morbiditäts- und Mortalitätsraten von Patienten mit invasiven Pilzinfektionen liegen die Bemühungen besonders in der verträglichen Therapie und verstärkt in der Prophylaxe lebensbedrohlicher Mykosen. Micafungin wurden von den Autoren als gut verträglich und sicher eingestuft für Patienten nach allogener, hämatopoetische Stammzelltransplantation. Für die Therapie invasiver Candidiasis bei erwachsenen Patienten mit Neutropenie erhielt kürzlich Anidulafungin eine Zulassungserweiterung. Damit ist das Antimykotikum aus der Gruppe der Echinocandine nun in den Indikationen invasive Candidiasis bei erwachsenen Patienten mit und ohne Neutropenie zugelassen. Patienten mit einer Neutropenie zeigen für gewöhnlich einen ungünstigeren Krankheitsverlauf als immunkompetente Patienten und sind in hohem Maße auf eine Rückbildung der Neutropenie angewiesen. Es besteht somit ein Bedarf an wirksamen Antimykotika für diese Patienten.

Arzneimittelinteraktionen sind bei Echinoandinen selten zu erwarten – ein wichtiger Aspekt in der Therapie Schwerkranker mit multipler Medikation. Dosisanpassungen bezüglich Alter, Gewicht oder eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion sind beispielsweise unter Anidulafungin nicht erforderlich.

 

Leitliniengerechte Prophylaxe bei Aspergillus-Infektionen

 

Gemäß der aktuellen ECIL-5-Leitlinie wird Voriconazol mit dem Empfehlungsgrad BI als Option zur primären Prophylaxe invasiver Pilzinfektionen bei Patienten nach allogener Stammzelltransplantation empfohlen. Die invasive Aspergillose (IA) ist mit einer Inzidenz von 11 % die häufigste IFI-Form (Invasive Fungal Infection) in dieser Patientenpopulation. Von den Patienten, die als Komplikation eine IA erleiden, leben ein Jahr nach der Transplantation nur noch rund 25 %. Dies unterstreicht die Bedeutung, die die Mykose-Prophylaxe zur Reduktion der Inzidenz, Morbidität und Mortalität von IFIs hat.

 

MYK-Stiftung vergibt Publikationspreise

 

Einen der Publikationspreise, die die MYK-Stiftung in Salzburg vergab, erhielt Dr. rer. nat. Verena Schildgen, Köln. Ihre Arbeit beschäftigt sich mit dem Pilz Pneumocystis jirovecii als opportunistisches Pathogen, das vor allem bei AIDS-Patienten und sonstigen immunsupprimierten Personen eine schwere, meist lebensbedrohliche Pneumonie mit einer hohen Mortalitätsrate auslösen kann.

Obwohl P. jirovecii seit nunmehr 105 Jahren als Pathogen bekannt ist, konnte der Pilz bislang nicht produktiv angezüchtet oder gar passagiert werden. Dadurch ist einerseits die Diagnostik auf molekulare Verfahren wie die PCR, unspezifische Methoden wie die Grocott-Färbung oder schlecht quantifizierbare und wenig sensitive, wenn auch spezifische, Immunfluoreszenzverfahren beschränkt, andererseits kann keine gezielte Therapie- oder Vakzin-Entwicklung erfolgen.

Die Arbeitsgruppe befasste sich mit neuartigen Zellkulturmodellen zur Kultivierung von P. jirovecii, einem opportunistischen Pathogen bei AIDS-Patienten, das bis dato als schwer bzw. völlig unkultivierbar galt. Mittels eines pseudostratifizierten Air-Liquid-Interface Atemwegsepithel-Zellkulturmodells gelang es erstmals, ein wesentliches Problem der Mikrobiologie und Infektiologie zu lösen. Mithilfe dieses als CuFi-8 Modell bezeichneten Systems gelang es, den bislang als nicht kultivierbar geltenden Pilz Pneumocystis jirovecii zu isolieren, in Kultur zu vermehren und erfolgreich zu passagieren und erneut zu vermehren.

In mehreren unabhängigen Versuchsreihen konnte das Wachstum um mehrere log-Stufen beobachtet werden, welches sich nach Passage in neu inokulierten CuFi-8 Zellen fortsetzte, wobei das Inokulum aus P. jirovecii infizierten CuFi-8 Zellen in verdünnter Suspension bestand. Versuche mit kommerziell erhältlichen Atemwegsepithelzellkulturen (EpiAirway Zellen der Firma Mattek Inc., USA) bestätigten die Beobachtungen im CuFi-8 Modell (Schildgen et al., mBio, 2014).

Das Wachstum von P. jirovecii konnte dabei mit mehreren, kommerziell erhältlichen und überwiegend als IVD zugelassenen CE markierten Assays bestätigt werden.

Die Arbeit zeigt, dass im Gegensatz zu früheren Untersuchungen, in denen P. jirovecii mit Zellkulturen ko-kultiviert wurde, im CuFi-8 Modell erstmals eine nennenswerte Vermehrung um mehrere log-Stufen erfolgte. Da der Erreger seit über einem Jahrhundert bekannt ist, bislang aber nicht kultiviert werden konnte, stellt diese Arbeit einen grundlegenden Durchbruch auf dem Gebiet der medizinischen Mykologie dar. Dass – wie beschrieben – auch kommerziell erhältliche Zellkulturen mit P. jirovecii produktiv infiziert werden können, eröffnet dem gesamten Fachgebiet eine deutliche Verbesserung der kulturellen Diagnostik des Pilzes sowie der Entwicklung spezifischer Therapeutika und Vakzine.

 

Grundlage für die Identifizierung neuer Drug-Targets

 

In Anbetracht der Tatsache, dass ein Kultursystem zur Erregeranzucht in der Mikrobiologie und Virologie immer noch ein Goldstandard ist, da ausschließlich diese Methodik die Information liefert, dass ein vermehrungsfähiges und somit infektiöses Pathogen vorliegt, eröffnet die vorgelegte Arbeit erstmals die Möglichkeit, zahlreiche Probleme im Zusammenhang mit Pneumocystis jirovecii Infektionen zu bearbeiten. Neben der Generierung eines monoklonalen P. jirovecii Stammes ist die Optimierung der bislang gewonnenen Daten zur P. jirovecii Genomik anhand vereinzelter, klonaler P. jirovecii Stämme möglich. Dies bildet in Zukunft die Grundlage für die Identifizierung neuer Drug-Targets und erlaubt die Entwicklung spezifischer Therapeutika.

Ebenfalls ist durch das vorgestellte System erstmal die Tenazitätstestung des Pilzes möglich, es können also Daten zur Umweltstabilität (auch auf medizinischen Geräten) und Empfindlichkeit gegenüber Desinfektionsmitteln erhoben werden.

Darüber hinaus zeigt die vorliegende Arbeit erstmals, dass die standardmäßig zur Quantifizierung eingesetzte qPCR gegen die mitochondriale Untereinheit von P. jirovecii mit der Quantifizierung nukleär kodierter Gene korreliert. Ein Anstieg der mitochondrialen Genomkopien kann also, wie erstmals systematisch gezeigt, tatsächlich als Parameter für das Wachstum bzw. den Anstieg infektiöser P. jirovecii Partikel herangezogen werden.

Die vorgelegte Arbeit ist in einem renommierten ASM-Journal (mBio) im open access Verfahren publiziert und ist vor allem für die zukünftige Versorgung von AIDS Patienten mit opportunistischer P. jirovecii Infektion als bahnbrechend anzusehen. (Quelle: Dr. Verena Schildgen)

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