Spezial: Effektive Methoden der Aknebehandlung

Ursachenabklärung gerade bei Erwachsenen

Der Tagungspräsident der 25. Jahrestagung der Deutschen Dermatologischen Lasergesellschaft (DDL e. V.), Priv. Doz. Dr. med. Peter Arne Gerber, erläutert im Interview verschiedene Techniken zur Aknebehandlung und gibt einen Ausblick auf die Tagung.

Priv. Doz. Dr. med. Peter-Arner Gerber (Foto: privat)
Priv. Doz. Dr. med. Peter-Arner Gerber (Foto: privat)

Welche Formen der Akne gibt es?
Gerber: Die Akne vulgaris wird je nach dominierender Effloreszenz bzw. Schwere unterschieden in Akne comedonica, papulopustulose oder conglobata. Sonderformen sind z. B. die Akne des Neugeborenen, Akne neonatorum, die Akne fulminans als Maximalvariante mit schweren Allgemeinsymptomen oder auch die Akne inversa, mit der Ausbildung von fluktuierenden entzündlichen Knoten, Fisteln und Narben in „inverser“ Lokalisation, etwa axillär oder inguinal.


Was sind die Behandlungsmöglichkeiten?
Gerber: Basis ist eine stadiengerechte topische Therapie. Ferner empfehlen wir eine begleitende medizinisch-kosmetische Aknetoilette. Schließlich kann das Konzept um eine Systemtherapie ergänzt werden. Bei der topischen Therapie kommen heute moderne Präparate zur Anwendung, die zwei Wirkstoffklassen kombinieren. Also etwa Benzylperoxid (BPO) und Retinoide, BPO und Antibiotika oder Antibiotika und Retinoide. So nutzt man Synergismen und reduziert das Risiko für Resistenzen. Spätestens wenn die Erkrankung so schwer wird, dass Narben entstehen könnten, sollte eine Systemtherapie eingeleitet werden. Unser Favorit ist hier ganz klar Isotretinoin. Darüber hinaus steht eine Vielzahl zusätzlicher Therapieoptionen zur Verfügung. Diese reichen von Peelings und Mikrodermabrasion, über Behandlungen mit Lasern oder IPL, bis hin zur Photodynamischen Therapie (PDT).


Unterscheidet sich die Behandlung von Akne bei Jugendlichen und Erwachsenen?
Gerber: Gerade bei der Erwachsenenakne gebietet sich eine genaue Abklärung der möglichen Ursachen. Kann etwa ein hormonproduzierender Tumor, ein polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS) oder ein adrenogenitales Syndrom vorliegen? Die Therapie sollte sich an den Grundbedürfnissen der Haut orientieren. Manche Wirkstoffe, die bei Jugendlichen eine gute Wirkung erzielen, etwa BPO, können bei empfindlicherer Haut im Erwachsenenalter zu Reizungen führen. Hier gilt es gemeinsam mit dem Patienten ein individuelles Therapiekonzept zu entwickeln.


Ist es möglich Aknenarben vorzubeugen? Wenn ja, wie?
Gerber: Durch eine konsequente und frühzeitige Therapie lassen sich Aknenarben mit den heutigen Therapieoptionen in den allermeisten Fällen vermeiden. Gerade multimodale Konzepte sind hier sehr effektiv. Bei schwereren Verläufen sollten rechtzeitig systemische Retinoide eingesetzt werden. Leider zählt die Akne aber immer noch zu den am untertherapiertesten Erkrankungen. Die Vorstellung beim Hautarzt erfolgt häufig zu spät oder gar nicht.


Sind doch Aknenarben entstanden, wie können diese effektiv behandelt werden?
Gerber: Die Behandlung von Aknenarben ist eine besondere Herausforderung. Auch wenn mittlerweile eine Vielzahl von Therapieoptionen zur Verfügung steht, ist meines Erachtens das Ansprechen bzw. der Erfolg individuell sehr unterschiedlich und im Vorfeld nicht abzusehen. Deshalb beraten wir Patienten sehr defensiv. Je nach Art bzw. Tiefe der Narben empfiehlt sich ein sequenzieller Ansatz. Bei flachen Narben oder Hyperpigmentierungen raten wir zu gering invasiven Verfahren wie Mikrodermabrasion oder oberflächlichen Peelings. In der Eskalation stehen Microneedling, nicht-ablative und ablative fraktionale Laser, mitteltiefe bis tiefe Peelings oder das konventionelle Laser-Resurfacing zur Verfügung. In seltenen Fällen bieten wir in unserer Klinik auch eine klassische Dermabrasion unter Vollnarkose an. Bei Mischbildern mit verschiedenen Narbentypen exzidieren wir zunächst tiefere (Icepick-)Narben mittels Stanze. Ist der erste Eingriff verheilt, folgt dann ein (aggressives) ablativ-fraktionales oder ein klassisches Laser-Resurfacing. Wichtig ist für uns hierbei auch die konsequente Vor- und Nachbehandlung mit topischen Retinoiden, depigmentierenden Wirkstoffen und konsequentem UV-Schutz (LSF 50+).

 

Wird das Thema Akne bzw. Akne­narben auch auf der diesjährigen DDL e. V.-Jahrestagung behandelt, die Sie als Tagungspräsident ausrichten?
Gerber: Auf jeden Fall! Laser, Blitzlampen oder die PDT können effektiv für die Behandlung der Akne eingesetzt werden. Ist es doch zu Narben gekommen, gelten fraktionale Lasersysteme heute als Goldstandard. Das Thema wird also aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet.
Welche anderen Themen gibt es auf der diesjährigen DDL?
Gerber: Im Hautprogramm geht es um das gesamte Feld laser- und lichtbasierter Therapieverfahren. Am Freitag wird es in der Hautklinik ein Live-OP-Programm geben mit z. B. Ober- und Unterlidkorrektur und Behandlungen gegen verstärktes Schwitzen. Ein besonderes Highlight wird der Anatomieworkshop mit Kadaverinjektion und -präparation sein. Die Teilnehmer dieses Workshops haben die Möglichkeit, genau zu sehen, wo Injektionen tatsächlich landen, wenn sie spritzen. Vorher bekommen sie natürlich eine entsprechende Einführung in funktionelle Anatomie und Injektionstechniken.      atk

Die 25. DDL e. V. Jahrestagung findet vom 20. bis 22. 05. 2016 in Düsseldorf statt. Mehr Informationen unter www.ddl-jahrestagung.de

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