Spezial: Acne tarda und Acne excoriee

„Sich angenommen fühlen“ hilft sehr

Im DERMAforum-Interview erläutert PD Dr. med. Claudia Borelli, 1. Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Ästhetische Dermatologie und Kosmetologie (ADK) und President elect/Vizepräsidentin der International Peeling Society (IPS), Tübingen, ihre Methoden zur Behandlung der Akne und der Rosazea.

Priv. Doz. Dr. med. Claudia Borelli (Foto: privat)
Priv. Doz. Dr. med. Claudia Borelli (Foto: privat)

Die ADK macht dieses Jahr in Frankenthal eine eigene Session am Freitag?
Borelli: Ja, unter dem Vorsitz von Prof. Dr. med. Christiane Bayerl, Wiesbaden, Mitglied des ADK-Vorstands, haben wir am Freitagnachmittag, den 08. 04. eine Session, die sehr praxisnah sein soll und sicher hochinteressant wird. Der ADK-Generalsekretär Dr. med. Matthias Herbst, Darmstadt spricht zu allem, was mit Computer, Datenschutz und Neuerungen zu tun hat, Frau Dr. jur. Gwendolyn Gemke aus München berichtet zu Internetportalen und natürlich werden auch ästhetisch-dermatologische Themen behandelt.


Zu den fachlichen Themen: Sie selbst sprechen am Samstag, den 09. 04. zu Chemical Peeling insbesondere bei Rosazea. Was gibt es da Neues?
Borelli: Ich werde insbesondere auch Daten einer neuen wissenschaftlichen Studie zum Thema Rosazea vorstellen. Thema ist die Beinflussung von Cathelecidin als Entzündungsmediator. Ansonsten werde ich einen Überblick über die neuen Therapie­möglichkeiten geben, den wissenschaftlichen Background dahinter und dann natürlich das praktische Vorgehen, insbesondere auch mit Chemical peeling mit Fruchtsäuren bei Rosazea.

 

Welche Formen der Akne sehen Sie im Moment besonders im Fokus?
Borelli: Im Moment beschäftige ich mich mit vielen Patienten mit Acne tarda und Acne excoriee. Gerade bei Frauen treten diese Akneformen ja häufiger auf.


Welche Therapieoptionen gibt es?
Borelli: Neben der geeigneten topischen medikamentösen oder dermokosmetischen Therapie setze ich bei meinen Patientinnen gern eine Kombination aus Chemical Peeling mit Fruchtsäuren und, sofern nötig, mit Aufhellungscreme ein. Viele Patientinnen haben ja bereits Hyperpigmentierungen an den zuvor aufgekratzten Stellen oder nach den Akneefloreszenzen. Darunter leiden diese Patientinnen häufig sehr und können den Kreislauf aus Akne, Ausdrücken/Aufkratzen, Hyperpigmentierung, schlechteres Hautbild/Unzufriedenheit/Aufkratzen selbst nicht allein unterbrechen.

Links: Hyperpigmentierungen bei Acne excoriée Kinn
Rechts: Nach fünf Mal oberflächlichem Chemical Peeling mit Fruchtsäuren (Fotos: Borelli)

Wie gehen Sie vor?
Borelli: Ich erkläre den Patientinnen zunächst mal, dass täglicher Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor Pflicht ist. Außerdem verwenden die Patienten gemäß meiner Empfehlung sog. Home-care-Produkte, die auch schon Fruchtsäuren enthalten und damit die Haut auf das Chemical Peeling vorbereiten. Ich führe regelmäßig alle zwei Wochen dann ein Chemical Peeling mit alpha- und beta-Hydroxy-Säuren in steigender Konzentration durch. Die Patientinnen sind nach dem Peeling leicht gerötet, aber die Haut schält sich üblicherweise nicht. Dies hat man durch die Neutralisation in der Hand, wie stark die Reaktion nach dem Peeling sein soll. Außerdem nehme ich mir Zeit, mit den Patientinnen zu sprechen: Ich erkläre Ihnen, dass sie versuchen sollen, das Aufkratzen abzustellen, und das klappt erstaunlich gut, da die Patientinnen das Gefühl haben, dass sie es geistig abgeben können, da ich ja regelmäßige Behandlungen durchführe. Ich biete den Patientinnen auch ganz konkret eine Vorstellung in der Psychosomatik an, denn bei vielen Patientinnen handelt es sich ja um eine Art von Spannungsabbau beim Aufkratzen/Ausdrücken der Haut. Auch dieses Angebot nehmen einige Patientinnen dann nach einiger Zeit gern an.


Wie lange lässt der Behandlungserfolg auf sich warten? Und wie lang hält das Ergebnis an?
Borelli: Positive Ergebnisse gibt es schon nach ca. dem zweiten Chemical peeling. Insbesondere dann, wenn die Patientinnen selbst optimal mitmachen und eben nicht mehr selbst ans Gesicht Hand anlegen. Meiner Erfahrung nach ist es für diese Patientinnen ganz wichtig, „sich angenommen zu fühlen“. Die Patientinnen dürfen auch ehrlich sagen, wenn sie es nicht schaffen, die Haut in Ruhe zu lassen. Das bewegt recht viel, wenn man dann nicht negativ, sondern positiv unterstützend reagiert. Das Ergebnis hält dann, bei Besserung der Akne allgemein durch das Chemcial peeling und durch die optimale dermokosmetische Hautpflege oder medikamentöse Aknetherapie in Kombination mit der Änderung der Gewohnheiten oder psychosomatischer Unterstützung, durchaus längerfristig.


In Frankenthal tragen Sie auch zur Narbenbehandlung vor?
Borelli: Ja. Ein weiteres großes Thema meiner Tätigkeit in der ästhetischen Dermatologie beschäftigt sich mit der Verbesserung aufgetretener Narben nach z. B. Akne oder eben Acne excoriee. Hier gibt es ja seit circa zwei Jahren die Möglichkeit, mit Microneedling Wundheilungsvorgänge anzuregen und dadurch in der Haut eine struktuelle optische Verbesserung über Kollagenaufbau zu erreichen.


Und dies ist Thema des Vortrags?
Borelli: Unter anderem. Zum einen spreche ich zum herkömmlichen Microneedling, was gibt es an wissenschaftlichen Daten, und dann zeige ich meine klinischen Ergebnisse. Zum anderen werde ich auch die Möglichkeiten von Microneedling in Kombination mit Radiofrequenz erwähnen und vorstellen.

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