Spezial Wundheilung/Phlebologie: Interdisziplinäre Wundversorgung

Wund-Zentrum nun auch in Baden-Württemberg

Ende letzten Jahres fand die offizielle Eröffnungsveranstaltung des WZ®-Wund-Zentrums in Ulm statt. Seit dem 1. Oktober bietet es als erstes WundZentrum in Baden-Württemberg Patienten mit chronischen Wunden eine umfassende und leitliniengerechte Behandlung an.

Foto: gvw
Bei der Einweihung des neuen Wundzentrums in Ulm

Hilde Mattheis, Mitglied des Deutschen Bundestages und Gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, stellte bei ihrem Besuch im WZ®-WundZentrum heraus, wie wichtig eine erstklassige Versorgung ist. Prof. Dr. med. Ralf Lobmann, Ärztlicher Direktor der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Geriatrie am Bürgerhospital in Stuttgart, und Dr. med. Christoph Busch, Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten der Universitäts-Hautklinik in Tübingen, stellten aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse zur Therapie chronischer Wunden vor.


Herausforderung chronische Wunde


Etwa zwei Millionen Menschen leben in Deutschland mit chronischen Wunden. Es gibt verschiedene Erkrankungen, die die Heilung einer Wunde beeinflussen und die das Auftreten einer chronischen Wunde begünstigen, wie zum Beispiel Diabetes. Chronische Wunden sind eine große medizinische und pflegerische Herausforderung, die eine ganzheitliche und interdisziplinäre Behandlung erfordern. Dieser Aufgabe haben sich die WZ®-WundZentren der gvw – Gesellschaft für Versorgungskonzepte in der Wundbehandlung mbH verschrieben.


Update diabetischer Fuß – Amputationen vermeiden


Sie stehen für eine leitliniengerechte Versorgung von chronischen Wunden. WundManager (ZWM®) als Indikationsspezialisten und ein ärztlicher Partner verfolgen dabei ein modernes und integriertes Behandlungskonzept. Dazu gehören die Anamnese, das Berücksichtigen von Begleiterkrankungen sowie die Verwendung modernster Behandlungsmethoden, die auf neuesten Forschungs- und Behandlungserkenntnissen basieren.
Diabetes gehört zu den häufigsten Ursachen einer chronischen Wunde, denn ein erhöhter Blutzucker führt zu einer nachhaltigen Beeinträchtigung der Wundheilung. Als Folge kann es zu einem diabetischen Fußsyndrom kommen, dessen Auslöser multifaktoriell und komplex sind. Federführend sind die Begleitkomplikationen des Diabetes: Nervenschädigungen und Gefäßbeteiligung.


Multidisziplinäre und multiprofessionelle Teambetreuung


„Bei schlecht heilenden Wunden sollten Patienten mit Diabetes zügig in geeigneten Wundzentren vorgestellt werden“, erklärte Lobmann. Die komplexen Umstände der Erkrankung erfordern eine multidisziplinäre und multiprofessionelle Teambetreuung. Dabei ist die sektoren- und fachübergreifende ärztliche Kooperation ebenso wichtig wie die Integration der nicht-ärztlichen Assistenzberufe.
„Gemeinsames Ziel aller Beteiligten muss eine hohe Abheilungsrate sein, denn durch ein interdisziplinäres, übergreifendes Management ist es möglich, das Amputationsrisiko von 15 bis 20 % auf unter 4 % zu senken“, so Lobmann.
Die Wundheilung erfolgt durch ein kompliziertes Zusammenspiel verschiedener Zellen (Fibroblasten, Endothelzellen, Keratinozyten). Entsprechend komplex ist die Behandlung chronischer Wunden. Deshalb werden innovative Ansätze gesucht, um geeignete Therapieoptionen zu entwickeln.


Molekularbiologische Wirkmechanismen der Wundheilungsinduktion durch Stoßwellen


Ein modernes Behandlungsverfahren ist die sogenannte Stoßwellentherapie. „Das Therapieprinzip beruht auf repetitiven ultrakurzen Stoßwellenimpulsen, die in geringen Zeitintervallen auf den Wundbereich appliziert werden“, erläutert Busch anhand einer aktuellen Studie.
In dieser Studie wurden die jeweiligen Zellen mit Stoßwellen behandelt und die Koloniebildung von Staphylococcus aureus und Escherichia coli quantifiziert. Fibroblasten und Keratinozyten wurden auf Protein­ebene (Western Blot, ELISA) sowie auf RNA-Ebene (real-time PCR) analysiert. Des Weiteren wurde der Einfluss der Stoßwellen auf den Zellzyklus, auf Proliferations-, Migrations- und EMT (epitheliale-mesenchymale Transformation)-Eigenschaften sowie auf die Ausbildung von Kapillaren durch mikrovaskuläre Endothelzellen analysiert. „Die Ergebnisse der Studie zeigen in allen untersuchten Zelltypen Veränderungen, die bekanntermaßen die Wundheilung induzieren können“, erklärt Busch abschießend.

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