Allergieforschung

Neue Risikogene identifiziert

Ein internationales Team von Wissenschaftlern hat in einer Analyse mehrerer Genom-Studien zehn Gene gefunden, die für die Entstehung einer allergischen Sensibilisierung verantwortlich sind.

Foto: M. Nink/ Helmholtz Zentrum München
Dr. Joachim Heinrich

In ihren Untersuchungen, sogenannten Genom-weiten Assoziationsstudien (GWAs), verglichen die Wissenschaftler das genetische Profil der Studienteilnehmer mit dem Auftreten Allergie-typischer Antikörper. Sie stellten dabei fest, dass zehn Genorte an insgesamt 25 Prozent aller allergischen Sensibilisierungen beteiligt sind. Als allergische Sensibilisierung bezeichnet man den immunologischen Vorgang, bei dem sich Antikörper gegen Allergene, eigentlich harmlose Stoffe aus der Umwelt, bilden. Diese verursachen in der Folge allergische Symptome. Die Wissenschaftler unter der Leitung von Dr. Klaus Bønnelykke von der University of Copenhagen, Dänemark, analysierten die Daten von über 10.000 Personen mit einer allergischen Sensibilisierung und circa 20.000 Kontrollpersonen. Darunter sind auch Teilnehmer der deutschen Neugeborenen-Kohorten GINIplus und LISAplus, deren Auswertung durch Marie Standl und Dr. Joachim Heinrich von Institut für Epidemiologie I (EPI I) am Helmholtz Zentrum München erfolgte. Diese umfassende Genanalyse in Bezug zu der objektiven Messung der allergischen Sensibilisierung lässt eine Bewertung der identifizierten Gene als Risikofaktoren für allergische Erkrankungen zu. Zudem zeigten alle diese Gene einen Zusammenhang mit dem Auftreten allergischer Symptome, wie Heuschnupfen oder Asthma.

Foto: M. Haggenmüller/ Helmholtz Zentrum München
Marie Standl

Allergische Erkrankungen nehmen weltweit zu, allein in Europa sind schätzungsweise 80 Millionen Menschen betroffen. Ursächlich für das allergische Geschehen ist eine komplexe Gen-Umwelt-Interaktion. „Die Ergebnisse zeigen, dass allergischen Erkrankungen eine enorme genetische Vielfalt zugrunde liegt. Weiterhin spielen Lebensstilfaktoren und Umweltbelastungen eine wichtige Rolle in der künftigen Allergieforschung und -behandlung“, erklärt Heinrich. Die Wissenschaftler wollen nun anhand der genetischen Informationen die beteiligten molekularen Mechanismen weiter untersuchen, um neue Einblicke in die Entstehung von Allergien und anderen Immunerkrankungen zu erlangen.
Als deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt liegt der Schwerpunkt des Helmholtz Zentrums München auf den großen Volkskrankheiten. Ziel ist es, neue Ansätze für Diagnostik, Therapie und Prävention zu entwickeln.
Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.100 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 34.000 Beschäftigten angehören. ve/idw

Die Ergebnisse sind veröffentlicht in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift ‚Nature Genetics‘, Original-Publikation: Bønnelykke, K. et al. (2013): Meta-analysis of genome-‧wide association studies identifies ten loci influencing allergic sensitization. doi: 10.1038/ng.2694

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