Hoffnung auf Therapie

Dem Malignen Melanom die Luft abdrehen

Weltweit suchen Forscher nach Therapien, um Patienten mit Malignem Melanom auch im fortgeschrittenen Stadium effektiv zu behandeln. Einen vielversprechenden Ansatz stellen nun Homburger Mediziner vor: Ein Wirkstoffcocktail aus Krebs-Medikamenten und einem Diabetes-Medikament tötet deutlich mehr Tumorzellen ab.

Foto: privat
Dr. med. Alexander Roesch

Der Schwarze Hautkrebs (Malignes Melanom) zeichnet sich dadurch aus, dass früh Metastasen über die Blut- und Lymphbahnen im Körper entstehen. Seit kurzer Zeit sind neue Medikamente, unter anderem mit dem Wirkstoff Vemurafenib, auf dem Markt, die das Wachstum des Tumors wenigstens vorübergehend aufhalten können. Allerdings schlagen diese Medikamente schon nach relativ kurzer Zeit nicht mehr an. Mitverantwortlich dafür scheinen bestimmte hochresistente Zellen des Tumors zu sein, sogenannte Stammzellen. „Die einzelnen Zelltypen des Tumorgewebes unterscheiden sich zum Teil stark voneinander“, erklärt Privatdozent Dr. med. Alexander Roesch‧, Oberarzt in der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Homburger Uniklinikum. Das Team um Roesch hat in einer vorangegangenen Studie Melanomzellen entdeckt, die sich nur sehr langsam oder gar nicht teilen. „Das ist für Krebszellen ei‧gentlich unüblich, da diese sich normalerweise schnell teilen“, kommentiert der Mediziner diesen Befund.
In der jetzt veröffentlichten Studie konnten Roesch und seine Kollegen zeigen, dass „diese speziellen Zellen tatsächlich die therapieresistente Wachstumsreserve des Melanoms bilden“, so Roesch. Bei der Frage, warum sich diese Zellen derartig verhalten, sind sie auf eine Besonderheit gestoßen: Die langsam wachsenden Zellen nutzen einen nicht Krebs-typischen Stoffwechselweg, um Energie zu produzieren. „Wir haben herausgefunden, dass die Zellen ihren En‧ergiebedarf über die sogenannte Atmungskette in den Mitochondrien decken“, berichtet Roesch. Hierbei erzeugen die Mitochondrien der Tumorzellen über die oxidative Phosphorylierung – eine Reaktionskette, die im Prinzip einer Knallgasreaktion entspricht – die notwendige Energie. Andere Tumorzellen hingegen setzen auf die Glykolyse, bei der Zuckermoleküle gespalten werden und so schneller Energie für das Wachstum zur Verfügung steht.
Die Wissenschaftler haben daraufhin nach Wirkstoffen gesucht, die die Atmungskette blockieren. Sehr vielversprechend erwies sich dabei Phenformin – eine Substanz, die früher bei Diabetes verschrieben wurde. In Versuchen mit Zellkulturen und mit Mausmodellen konnte das Team um Roesch bereits nachweisen, dass der Wirkstoff diese langsam wachsenden Tumorzellen abtötet. In Kombination mit Melanom-Medikamenten wie beispielsweise Vemurafenib könnte Phenformin in der Zukunft eine effiziente Therapie für Melanom-Patienten darstellen.
Neben den Ärzten und Forschern der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie waren auch Kollegen aus der Biophysik, der Physiologie, dem Institut für Klinische und Experimentelle Chirurgie sowie aus der Experimentellen and Klinischen Pharmakologie und Toxikologie an der Studie beteiligt.  idw/ve

 

Die Studie „Overcoming Intrinsic Multidrug Resistance in Melanoma by Blocking the Mitochondrial Respiratory Chain of Slow-Cycling JARID1Bhigh Cells“ wurde nun im renommierten Journal Cancer Cell veröffentlicht: DOI 10.1016/j.ccr.2013. 05.003.

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