Let’s get connected – gemeinsam stark

Weltpsoriasistag 2019 Unter diesem Motto erklärten Experten in einer Pressekonferenz im Vorfeld des Weltpsoriasistages 2019 Ende Oktober in Hamburg die erreichten und
angepeilten Ziele in der Psoriasis-Versorgung.

Experten auf der Pressekonferenz (v. l. n. r): Prof. Dr. med. Ulrich Mrowietz, Dr. med. Thomas Stavermann, Prof. Dr. med. Matthias Augustin, Joachim Koza (Foto: bvdd)
Experten auf der Pressekonferenz (v. l. n. r): Prof. Dr. med. Ulrich Mrowietz, Dr. med. Thomas Stavermann, Prof. Dr. med. Matthias Augustin, Joachim Koza (Foto: bvdd)

Im Zuge des vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Projektes ECHT (Entstigmatisierung von Patienten mit chronischen Hautkrankheiten) haben sich wichtige neue Erkenntnisse zur Bedeutung und zum Ausmaß von Stigmatisierung ergeben. Darauf machte Prof. Dr. med. Matthias Augustin, Hamburg, aufmerksam. „Aktuelle Daten des Jahres 2019 zeigen, dass auch in Deutschland immer noch ein Großteil der Öffentlichkeit primär negativ und ablehnend auf Menschen mit sichtbaren Hautkrankheiten wie Psoriasis reagiert“, unterstrich Augustin. Seinen Angaben zufolge äußern nach bevölkerungsrepräsentativen Erhebungen 68 % der Menschen in der Öffentlichkeit, dass Menschen mit sichtbaren Hautkrankheiten öffentlich benachteiligt werden, 35 % haben dies bereits erlebt. 84 % äußern, dass Menschen mit sichtbaren Krankheiten angestarrt werden und 81 % denken, dass sichtbare Hauterscheinungen Anlass für Distanz und Scheu vor Berührungen sind. Der Begriff ‚Stigmatisierung‘ ist insgesamt 73 % bekannt, dies häufiger im Westen als im Osten und bei höherem Bildungsgrad.
Stigmatisierung ist jedoch kein spezifisch deutsches Phänomen: Personen mit sichtbaren chronischen Hautkrankheiten leiden weltweit unter Reaktionen in der Öffentlichkeit und im persönlichen Bereich, die von ihnen als negativ erlebt werden oder offen negativ gemeint sind.
Thema Stigmatisierung hat höheren Stellenwert bekommen
Einen wichtigen Impuls hat nach den Worten Augustins der globale Bericht der WHO zur Psoriasis gegeben. Mit ihm ist die Problematik der Stigmatisierung dieser Menschen weit in die Öffentlichkeit gelangt – mit positiven Folgen: „Nach anfänglichen Widerständen hat die deutsche Gesundheitspolitik dem Thema der Stigmatisierung inzwischen einen höheren Stellenwert eingeräumt“, so Augustin. Dies schlage sich in der Förderung des ECHT-Projektes nieder.
Mit diesem Interventionsprojekt werden an den Universitätskliniken Hamburg und Kiel sowie demnächst auch Bonn erstmals robuste Daten über den Nutzen früher Interventionen in Kindergärten, Schulen und bei Studierenden gegen Stigmatisierung erhoben.
Vertrag zur besonderen Versorgung
Im Frühjahr und Sommer 2019 wurden die ersten Interventionen erfolgreich umgesetzt und evaluiert.
Auch bei der medizinischen Versorgung von Menschen mit Schuppenflechte wurde in diesem Jahr ein entscheidender Schritt nach vorne getan. „Seit dem 1. April 2019 erleichtert der bundesweit erste ‚Vertrag zur besonderen Versorgung in der Indikation Psoriasis‘ mittelschwer bis schwer betroffenen Patienten den Zugang zu einer leitliniengerechten Versorgung“, erklärt Dr. med. Thomas ­Stavermann, Berlin.
„Zudem erhält der behandelnde Hautarzt mit dem Vertrag einen besseren Schutz vor Regressen durch die gesetzliche Krankenversicherung, wenn er neue Medikamente verordnet.“ Ein hierfür erstmals in dieser Form entwickeltes Ampelsystem für Arzneimittel informiert die teilnehmenden Dermatologen unkompliziert und übersichtlich über den therapeutischen Nutzen sowie die Wirtschaftlichkeit der eingesetzten Arzneimittel.
Bereits rund 110 Dermatologen eingeschrieben
Innerhalb des ersten halben Jahres haben sich bereits rund 110 Dermatologinnen und Dermatologen in den Vertrag eingeschrieben. Neben der Mitgliedschaft im BVDD muss eine spezielle Qualifikation in der Psoriasisversorgung nachgewiesen werden, um als Hautarzt teilnehmen zu können.
„Grundlage der modernen und wirksamen Therapie sind die gemeinsam erarbeiteten Leitlinien und Behandlungspfade“, wie Prof. Dr. med. Ulrich Mrowietz, Kiel, erläutert. Hinzu kommen die von Fachgesellschaften begründeten Therapieziele und Empfehlungen. Dabei gibt es zwei wichtige Elemente bei der Behandlung der Schuppenflechte, die verbesserungswürdig sind: die Anwendung der wissenschaftlichen Vorgaben in der täglichen Praxis und die gemeinsame Absprache zwischen Arzt und Patient.

 

„Aktuelle Daten des
Jahres 2019 zeigen, dass
auch in Deutschland immer
noch ein Großteil der
Öffentlichkeit primär negativ
und ablehnend auf Menschen
mit sichtbaren Hautkrankheiten
wie Psoriasis
reagiert.“


„Untersuchungen haben gezeigt, dass der Blick des Arztes auf die Erkrankung Schuppenflechte oft ganz anders ist als der des betroffenen Menschen“, so Mrowietz. Das gilt beispielsweise für Besonderheiten der Schuppenflechte wie das Jucken der Haut und vor allem auch für die Bedeutung besonders betroffener Körperstellen wie Kopf, Nägel oder Genitalbereich.
Akzeptanz hat sich nicht ausreichend weiterentwickelt
Weit weniger als die Therapiemöglichkeiten und das medizinische Verständnis der Erkrankung hat sich hingegen die gesellschaftliche Akzeptanz von Menschen mit Schuppenflechte weiterentwickelt. So existieren in Deutschland in den Badeordnungen von Schwimmbädern immer noch Formulierungen, die Menschen mit Hauterkrankungen stigmatisieren und diskriminieren. „Menschen mit Psoriasis müssen also hinnehmen, dass ihnen der Zutritt in Schwimmbäder verwehrt wird, oder dass sie des Bades verwiesen werden, sobald andere Badegäste ihr Hautbild als anstößig empfinden. Derartige Formulierungen verstoßen gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG)“, unterstreicht der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Psoriasis Bundes e. V. (DPB) ­Joachim ­Koza, Hamburg.

Info: Zusätzliche Vergütung
Bei der Behandlung von Versicherten, die ihren Beitritt zu diesem
Vertrag erklären, erhält der Dermatologe für den Mehraufwand bei
erforderlichen Anpassungen und Umstellungen der Therapie in Verbindung
mit Untersuchungen zur Entwicklung der Krankheitsschwere
und der Lebensqualität nun eine zusätzliche Vergütung außerhalb
des Regelleistungsvolumens. Darüber hinaus sieht die Vereinbarung
qualitätssichernde Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgung
der Betroffenen vor, zum Beispiel bei der Früherkennung von Folgeund
Begleiterkrankungen der Schuppenflechte.

Kontakt
Wolfgang Hardt
Berufsverband der
Deutschen Dermatologen e. V.
Wilhelmstraße 46
53879 Euskirchen
Tel.: 02251 – 776 25 12

Aktuelle Ausgabe

 

Hier finden Sie frühere Ausgaben von DERMAforum