Psoriasis: Gemeinsam handeln!

Welt-Psoriasistag Anlässlich des Welt-Psoriasistages am 29. Oktober 2018 erläuterten Experten im Vorfeld auf einer Pressekonferenz in Hamburg den derzeitigen Stand der Bemühungen, eine adäquate Versorgung Psoriasis-Betroffener zu ermöglichen.

Bei der Pressekonferenz in Hamburg: (v. l.): Prof. Dr. med. Matthias Augustin, ­Hans-Detlev Kunz, Dr. med. Ralph von Kiedrowski, Prof. Dr. med. Ulrich Mrowietz. (Foto: psonet)
Bei der Pressekonferenz in Hamburg: (v. l.): Prof. Dr. med. Matthias Augustin, ­Hans-Detlev Kunz, Dr. med. Ralph von Kiedrowski, Prof. Dr. med. Ulrich Mrowietz. (Foto: psonet)

„Die Versorgung der Psoriasis weist in Deutschland ein bisher unerreichtes Potenzial auf, das einem beträchtlichen Teil der betroffenen Patienten zugutekommt“, betonte Prof. Dr. med. Matthias Augustin, Direktor des Competenzzentrums Versorgungsforschung in der Dermatologie (CVderm) an der Uni-Klinik Hamburg-Eppendorf. Verantwortlich für die positive Entwicklung sei unter anderem, dass immer mehr Menschen mit Schuppenflechte leitliniengerecht versorgt werden. Hinzu kommen eine steigende Anzahl an innovativen Arzneimitteln, die zunehmende Spezialisierung von Hautärzten in den bundesweiten zurzeit 29 Pso-Netzen sowie die kontinuierliche Umsetzung eines inzwischen zwölfjährigen nationalen Versorgungsprogramms. „Diese Faktoren haben wesentlich dazu geführt, dass Deutschland zu den weltweit höchstentwickelten Ländern in der Versorgung von Psoriasis gehört“, so Augustin.


Internationale Führungsrolle


Doch trotz aller Fortschritte gibt es nach wie vor Hürden, die überwunden werden müssen. „Nur etwa 50 Prozent der Patienten mit schwerer Psoriasis erhalten die ihnen zustehende leitliniengerechte Behandlung und damit den hohen Zugewinn an Patientennutzen und Lebensqualität“, unterstrich ­Augustin. Zudem ist der Zugang zu einer hochwertigen Versorgung regional stark unterschiedlich und von den jeweils geltenden Wirtschaftlichkeitsprüfungen für die niedergelassenen Hautärzte abhängig. „Dies gilt beispielsweise dann, wenn Dermatologen durch Quotenvorgaben für Arzneimittel von der medizinisch notwendigen Verordnung abgehalten oder durch unangemessene Prüfungen benachteiligt werden. Die zukünftige Versorgung wird aber im Sinne der Weltgesundheitsorganisation WHO eine ‚people-centered health care’ sein, die weit über Arzneimitteltherapie hinausgeht, sondern den Patienten, sein soziales Umfeld, seinen Lebensweg und seine Lebenssituation insgesamt berücksichtigt. Mit dieser Umsetzung nehmen wir auch international eine Führungsrolle ein.“

 

„Nur etwa 50 Prozent der Patienten mit schwerer Psoriasis erhalten die ihnen zustehende leitliniengerechte Behandlung und damit den hohen Zugewinn an Patientennutzen und Lebensqualität.“


Bewegung gibt es auch beim Problem der Stigmatisierung von Menschen mit Schuppenflechte. Seit Januar 2018 arbeitet ein Konsortium aus 25 Versorgungsforschern, Patientenvertretern, Dermatologen, Hausärzten, Psychologen und Erziehungswissenschaftlern mit dem Projekt ECHT an Konzepten gegen die Stigmatisierung von Menschen mit chronischen sichtbaren Hauterkrankungen – DERMAforum berichtete in der Novemberausgabe ausführlich darüber.


Ab 2019 Erfolg versprechende Anti-Stigma-Ansätze


In der nächsten Phase sollen ab 2019 Erfolg versprechende Anti-Stigma-Ansätze erprobt und evaluiert werden. Ziel ist es, ein Langzeitkonzept zu entwickeln, das neben Handlungsempfehlungen an die Gesundheitspolitik auch Vorschläge für eine übergreifende Struktur zur Verstetigung von Anti-Stigma-Maßnahmen beinhalten soll.
Dies ist dringend notwendig. „Daran konnten bisher auch medizinische Aufklärungskampagnen und moderne digitale Informationsangebote wie die von uns initiierte Kampagne ‚Bitte berühren’ nur wenig ändern“, sagt Dr. med. Ralph von Kiedrowski, Selters.


Zulassungsboom vor allem von Biologika mit unterschiedlichen Wirkmechanismen


Immerhin hat sich die Behandlung von Menschen mit Schuppenflechte deutlich weiterentwickelt. „Psoriasis ist eine chronische Hautkrankheit, die bei den Betroffenen durch vielfältige individuelle Faktoren beeinflusst wird. Daher hat sich die Therapie vom reinen Verschreiben von Medikamenten zu einem Management-Konzept gewandelt“, so Prof. Dr. med. Ulrich Mrowietz, Kiel. „Bei der Behandlung der mittelschweren bis schweren Psoriasis ist es zu einem Zulassungsboom vor allem von Biologika mit unterschiedlichen Wirkmechanismen gekommen“, betont Mrowietz.


Biologikatherapie zunehmend unübersichtlich


Zudem werde die Biologikatherapie durch die Verfügbarkeit von Biosimilars zunehmend unübersichtlich. „Wichtige Parameter wie Effektivität und Verträglichkeit, aber auch der Preis und die Anwendungsfreundlichkeit spielen bei der Wahl des Medikamentes eine entscheidende Rolle“, erläutert der Kieler Dermatologe. Beim Management der Psoriasis gilt es aber auch, Risikofaktoren wie Übergewicht und Trigger wie Stress sowie weitere individuelle Faktoren zu beachten, die ebenfalls die Therapietreue maßgeblich beeinflussen.

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Silija Zeidler
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