Lichttherapie für Immunzellen hilft

Malignes Melanom Eine häufige Nebenwirkung von Krebs-Immuntherapien gerade beim malignen Melanom lässt sich vermutlich durch Lichtaktivierung von Immunzellen stoppen, wie Forscher des Universitätsklinikums Freiburg zeigen.

Vor Beginn der Therapie ist der Darm entzündet und geschwollen. Durchfälle sind die Folge. Nach der Fototherapie hat sich der Zustand des Darms wieder vollständig normalisiert.  (Foto: The New England Journal of Medicine ©2020)
Vor Beginn der Therapie ist der Darm entzündet und geschwollen. Durchfälle sind die Folge. Nach der Fototherapie hat sich der Zustand des Darms wieder vollständig normalisiert. (Foto: The New England Journal of Medicine ©2020)

Erst seit wenigen Jahren ist schwarzer Hautkrebs medikamentös behandelbar. Allerdings kommt es bei jedem zweiten Patienten zu starken Autoimmunreaktionen wie Hautausschlag oder Durchfall. Dass sich diese mit einer speziellen Licht­therapie aufhalten lassen, haben jetzt Forscherinnen und Forscher des Universitätsklinikums Freiburg mit schweizerischen Kollegen gezeigt. Einen 29-jährigen Krebs­patienten mit einer schweren Entzündung der Darmschleimhaut behandelten sie sehr erfolgreich mittels extrakorporaler Fotopherese (ECP). Dabei werden Immunzellen außerhalb des Körpers mit einem lichtreaktiven Medikament versetzt, mit UV-Licht bestrahlt und in den Körper zurückgegeben. Durch das Verfahren werden vermutlich Immunzellen aktiviert, die die Entzündung stoppen.

 

„Krebszellen haben oft eine Art Deckmäntelchen, das sie für die körpereigene Immunantwort unsichtbar macht. Immuncheckpoint-Inhibitoren entreißen ihnen dieses Deckmäntelchen und ermöglichen so einen Angriff des Immunsystems auf die Krebszellen.“

 

Die Fotopherese-Therapie führte bei dem Patienten zu einem vollständigen Abklingen der Beschwerden, während durch die fortlaufende Krebstherapie der Hautkrebs erfolgreich behandelt werden konnte. Bisherige etablierte Behandlungsansätze waren im Vorfeld erfolglos geblieben. Die Fallbeschreibung erschien am 15. Januar 2020 im renommierten Fachmagazin New England Journal of Medicine. „Der Patient sprach unglaublich gut auf unseren neuen Therapieansatz an. Mit der extrakorporalen Fotopherese haben wir für ihn und hoffentlich für viele weitere Patienten eine wichtige Therapiemöglichkeit gefunden“, sagt Studienleiter Prof. Dr. med. Robert Zeiser, Leiter der Abteilung Tumorimmunologie der Klinik für Innere Medizin I (Schwerpunkt: Hämatologie, Onkologie und Stammzelltransplantation) am Universitätsklinikum Freiburg. „Prinzipiell ist der Therapieansatz auch bei immunvermittelten Nebenwirkungen anderer Krebstherapien denkbar“, so Zeiser. Die Wirksamkeit der ECP konnte die Forschungsgruppe um Zeiser in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. med. Dagmar von Bubnoff und Dr. med. Frank Meiß, beide Oberärzte an der Klinik für Dermatologie und Venerologie des Universitätsklinikums Freiburg, gemeinsam mit Prof. Dr. med. Burkhard Becher vom Institut für Experimentelle Immunologie der Universität Zürich nachweisen.

Während vor der Therapie das Gewebe unstrukturiert wuchert, sind am Ende der Therapie die schleimbildenden Zellverbünde wieder gut zu erkennen. (Foto: The New England Journal of Medicine ©2020)
Während vor der Therapie das Gewebe unstrukturiert wuchert, sind am Ende der Therapie die schleimbildenden Zellverbünde wieder gut zu erkennen. (Foto: The New England Journal of Medicine ©2020)

Ersatz für Kortisontherapie
Bei der Behandlung von schwarzem Hautkrebs und vielen anderen Krebsarten kommen sogenannte Immuncheckpoint-Inhibitoren zum Einsatz. „Krebszellen haben oft eine Art Deckmäntelchen, das sie für die körpereigene Immun­antwort unsichtbar macht. Immuncheckpoint-Inhibitoren entreißen ihnen dieses Deckmäntelchen und ermöglichen so einen Angriff des Immunsystems auf die Krebszellen“, erklärt Zeiser. Allerdings beginnt das Immunsystem oft auch, körpereigene Strukturen zu zerstören. Diese Nebenwirkungen können verschiedene Organe betreffen, wie zum Beispiel Darm, Haut, Schilddrüse, Leber oder Gehirn. „Bisher werden Patienten mit derartigen Nebenwirkungen einer Krebs-Immuntherapie meist längere Zeit mit Kortison oder anderen immun­modulierenden Wirkstoffen behandelt, was aber nicht immer wirkt oder starke Nebenwirkungen haben kann“, so Zeiser. Außerdem steht Kortison im Verdacht, die Immun­antwort auf den Tumor zu blockieren und damit die Krebsbehandlung zu torpedieren. Die ECP-Behandlung wurde bei dem Patienten acht Monate lang alle zwei bis vier Wochen wiederholt. Bereits kurz nach Beginn der Therapie kam es zu einem kompletten Rückgang des entzündungsbedingten starken Durchfalls. Wie die Forscher feststellten, wurde während der ECP-Therapie eine bestimmte Art von Immun­zellen größer und aktiver. „Wir gehen davon aus, dass diese vergrößerten Immunzellen auf andere Teile des Immunsystems einwirken und so die Entzündung ausbremsen“, so Zeiser. Im präklinischen Tiermodell erwies sich der Therapieansatz als sicher. „Ganz wichtig für die begleitende Therapie war, dass die ECP-Behandlung keinen negativen Einfluss auf die Anti-Tumor-Wirkung der Immunmedikamente hatte“, so Zeiser.                                                                                                                                                |  ve

Publikation
Originaltitel der Publikation: Extracorporeal Photopheresis for Colitis Induced by Checkpoint-Inhibitor Therapy DOI: 10.1056/NEJMc1912274

Kontakt
Prof. Dr. med. Robert Zeiser
Leiter der Abteilung für Tumor­immunologie
Klinik für Innere Medizin I (Schwerpunkt: Hämatologie, Onkologie, Stammzelltransplantation)
Universitätsklinikum Freiburg
Tel.: 0761/270-34580

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