Neue Kombi gegen Herpes

Forschung Laut Wissenschaftlern der Goethe-Universität Frankfurt und der University of Kent, Großbritannien, könnte eine neue Wirkstoff-Kombination womöglich die Behandlung von Herpes-simplex-Krankheiten wie Lippenbläschen, Genitalherpes und Hornhautentzündung (Keratitis) verbessern.

(Foto: Ekaterina – fotolia)
(Foto: Ekaterina – fotolia)

Die Forscher testeten verschiedene Wirkstoffe in Zellkulturen und entdeckten, dass Omeprazol und andere Protonenpumpen-Inhibitoren die Wirksamkeit des Viro­statikums Acyclovir verbessern konnten. Acyclovir wird am häufigsten zur Behandlung von Krankheiten verwendet, die mit Herpes-simplex-Infektionen einhergehen.
Bei Menschen mit einem unterdrückten Immunsystem wie zum Beispiel Organempfänger können Herpes-simplex-Viren lebensbedrohlich sein. Daher besteht ein hoher Bedarf an verbesserten Therapien.

 

„Was unsere Forschung so interessant macht, ist, dass Protonenpumpen-Inhibitoren eingehend charakterisierte und gut verträgliche Wirkstoffe sind. Daher können wir sie jetzt direkt zusammen mit Virostatika in Patienten testen, die an schweren, durch das Herpes-simplex-Virus verursachten Krankheiten leiden.“


Ein internationales Team unter der Leitung von Prof. Dr. rer. nat. Jindrich ­Cinatl, I­nstitut für Medizinische Virologie des Universitätsklinikums Frankfurt, und Prof. Dr. Martin Michaelis, School of ­Biosciences, University of Kent, hat verschiedene Protonenpumpen-Inhibitoren in Kombination mit zwei Virostatika getestet, Acyclovir und Ribavirin. Protonen­pumpen-Inhibitoren sind die am häufigsten angewandten Wirkstoffe gegen
Sodbrennen, weil sie die Magensäure­produktion stark verringern. Darüber hinaus können Protonenpumpen-Inhibitoren auch die Wirkung bestimmter Krebs­medikamente verstärken, der sogenannten Nukleosid-Analoga. Die Virostatika ­Acyclovir und Ribavirin sind ebenfalls Nukleosid-Analoga, und daher untersuchte das deutsch-britische Forschungsteam, ob Protonenpumpen-Inhibitoren auch die Wirksamkeit der beiden Virostatika erhöhen könnten. Während Protonenpumpen-­Inhibitoren zusammen mit Ribavirin nur einen geringen Einfluss auf die Vermehrung des ­Herpes-simplex-Virus zeigten, minderten sie in Kombination mit Acyclovir die Freisetzung von Viren deutlich. Dabei zeigte Omeprazol unter den ­untersuchten Protonenpumpen-Inhibitoren den größten Effekt. Cinatl, Letztautor der Studie, sagte: „Was unsere Forschung so interessant macht, ist, dass Protonenpumpen-Inhibitoren eingehend charakterisierte und gut verträgliche Wirkstoffe sind.
Daher können wir sie jetzt direkt zusammen mit Virostatika in Patienten testen, die an schweren, durch das Herpes-simplex-Virus verursachten Krankheiten leiden. Wenn wir im Menschen denselben Effekt sehen wie in der Zellkultur, werden wir vielen Patienten helfen können, für die wir derzeit nur eingeschränkte Behandlungs­möglichkeiten haben.“                                                                                  | ve

Publikation
Omeprazole increases the efficacy of acyclovir against herpes simplex virus type 1 and 2. Malte Kleinschmidt, Denisa Bojkova, Holger Rabenau, Jindrich Cinatl – Goethe-University Frankfurt; Martin Michaelis, Mark Wass – University of Kent

Kontakt
Prof. Dr. rer. nat. Jindrich Cinatl
Universitätsklinikum Frankfurt

Institut für Medizinische Virologie
Theodor-Stern-Kai 7
60590 Frankfurt am Main
Tel. 069 / 6301-6409

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