9. Deutscher Allergiekongress 2014 in Wiesbaden

Versorgungslage könnte besser sein

Vom 2. bis 4. Oktober 2014 fand in Wiesbaden der 9. Deutsche Allergiekongress statt. DERMAforum sprach mit Kongresspräsident Prof. Dr. med. Ludger Klimek.

Foto: privat
Prof. Dr. med. Ludger Klimek

Spannende Studienergebnisse zu neuen Diagnose- und Therapieansätzen standen im Mittelpunkt des 9. deutschen Allergiekongresses, der vom 2. bis 4. Oktober 2014 im Wiesbadener Kurhaus stattfand. Therapieansätze wie etwa die Frage, inwiefern die spezifische Immuntherapie bei Neurodermitis einsetzbar ist, ob Vitamin D bei Asthma positiv wirken kann und welchen Stellenwert Prä- und Probiotika bei der Allergiebehandlung haben, wurden in Wiesbaden heiß diskutiert. Leider entspricht die Versorgungssituation in Deutschland nicht dem hohen Niveau der Wissenschaft.

 

WASEM Studie

 

Ein aktuelles Gutachten, die sogenannte WASEM Studie, basierend auf 40 Millionen Patientendaten, zeigt die gegenwärtige Versorgungssituation von Allergikern auf. Hierbei wird insbesondere von einer dramatischen Zunahme an Patienten mit einem allergischen Asthma innerhalb der Jahre von 2007 bis 2010 gesprochen.

 

Wie sehen die Zahlen konkret aus und warum ist die Häufigkeit des Asthma derart angestiegen?

Prof. Dr. med. Ludger Klimek: Asthma betrifft etwa 10 bis 15 Prozent der kindlichen und 5 bis 10 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland. Im Kindesalter ist Asthma damit die häufigste chronische Erkrankung überhaupt. Das Ziel der Wasem-Studie war es, die Versorgungssituation von gesetzlich versicherten Patienten mit allergischen Atemwegserkrankungen abzubilden und in Hinblick auf potenzielle Einflüsse zu untersuchen, die durch die zum 01. Januar 2009 eingeführten Reformen der ärztlichen Vergütung entstanden sind. Im genannten Studienzeitraum von 2007 bis 2010 nahm die Diagnose Asthma um 8,7% zu. Offensichtlich ist unser Gesundheitssystem nicht ausreichend ausgestattet, um eine weitere Zunahme zu verhindern.

 

Welche Rolle spielt eine frühe Therapie des Heuschnupfens?

Klimek: Sicherlich eine ganz entscheidende Rolle! Es gilt, bei Patienten mit Heuschnupfen sehr aufmerksam die unteren Atemwege zu betrachten. Frühe Anzeichen, die einen Etagenwechsel zum Asthma andeuten, sind:

  • trockener, unproduktiver Reizhusten bei Milbenallergikern nächtlich, bei Pollenallergikern im Freien, oftmals auch anstrengungsinduziert
  • Abfall sportlicher Leistungen (Kinder)
  • häufige bronchiale Infekte
  • Verschlechterung im Peak-Flow oder in der Lungenfunktion

 

Welche Möglichkeiten bietet die neue Molekulare Allergiediagnostik?

Klimek: Die Allergiediagnostik mit Allergenkomponenten ermöglicht eine gezielte Testung auf relevante Sensibilisierungen gegenüber den allergieauslösenden Komponenten. Somit erlaubt sie eine höhere diagnostische Empfindlichkeit und Präzision, es werden nur relevante Stoffe gemessen. Kreuzreaktionen können somit besser erfasst werden und die Diagnose und Behandlung von Allergien kann wesentlich exakter erfolgen.

 

Wann sollte eine spezifische Immuntherapie durchgeführt werden und welche Vorteile bietet die Verabreichung in Spritzen- bzw. in Tablettenform?

Klimek: Das Erfolgsrezept besteht wahrscheinlich darin, dass man mit dieser Behandlung regulierende Immunzellen aktivieren kann, die vor zukünftigen allergischen Reaktionen schützen.

Das Immunsystem des Körpers kann sich dann also selbst vor allergischen Reaktionen bewahren.

Durch moderne Präparate konnte der Erfolg deutlich gesteigert werden. Mit einer Erfolgsquote von rund 80 bis 90 Prozent profitiert heute die Mehrzahl aller Behandelten. Diese Wirkung hält meist auch noch Jahre nach Beendigung der Therapie an – oftmals sogar das ganze Leben lang. Die Frage, ob Spritzen oder Tabletten verabreicht werden sollten, beschäftigt heute die Experten weniger als die Frage, ob für das jeweilige Einzelpräparat gute Daten vorliegen.

 

Weitere Informationen: www.Allergiezentrum.org

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