Allergologie im Kloster

Fortbildung auf höchstem Niveau

Das interdisziplinäre Symposium Allergologie im Kloster fand Ende Mai 2014 zum 10. Mal in den historischen Räumlichkeiten von Kloster Eberbach in Eltville/Rheingau statt.

Fotos: Klimek
Prof. Dr. med. Cezmi A. Akdis

 

Die Veranstaltung hat sich im Laufe der Jahre zu einem wahren Publikumsmagneten entwickelt und ist heute die größte allergologische Fortbildungsveranstaltung im deutschsprachigen Raum. Tagungsleiter Prof. Dr. med. Ludger Klimek vom Allergiezentrum in Wiesbaden hatte wieder ein aktuelles und spannendes Programm für die Allergologen zusammengestellt.

 

Rekordbesuch zum 10-jährigen Kongressjubiläum

 

Über 1.300 Allergologen aus ganz Deutschland und dem gesamten deutschsprachigen Raum informierten sich auf der erneut hochkarätig besetzten Veranstaltung über aktuelle Themen der praktischen Allergologie. Beispielhaft präsentieren wir aus der Fülle der herausragenden Referate über zwei Vorträge:

 

Immunologische Wirkmechanismen der spezifischen Immuntherapie: Was wissen wir wirklich?

 

Prof. Dr. med. Cezmi A. Akdis vom Schweizerischen Institut für Allergie- und Asthmaforschung (SIAF) in Davos stellte eindrucksvoll die aktuellen Wirkmodelle der SIT dar. Zahlreiche Beweise bestätigen die Rolle der regulatorische T (TReg) und regulatorische B (BReg) Zellen und/oder der immunsuppressiven Zytokine, welche darin besteht, die Allergen-SIT und die normale Immunantwort gegen Allergene zu vermitteln. Es gibt Indizien, dass TReg und BReg Zellen eine Hauptrolle bei der Inhibierung von allergischen Erkrankungen im Menschen spielen. Zudem bestehe wohl eine Korrelation zwischen einer Abnahme der allergischen Reaktionen und einer Zunahme der IL-10 und transforming Growth Faktor (TGF)-beta-Produktion. Da TReg Zellen Hauptproduzenten von IL-10 sind, wird angenommen, dass sie für die Unterdrückung der allergischen Th2-Antworten im Menschen von Bedeutung sind. Die zunehmende allergische Entzündung, welche sich nach der Blockierung von CTLA-4 entwickelt, ist eindeutig mit der Abnahme von TGF- in der bronchoalveolären Lavage assoziiert. Während der SIT konnte periphere Toleranz in spezifischen T Zellen nachgewiesen werden. Deshalb ändert die SIT erfolgreich den Schwellenwert der Mastzell- und Basophilen-Aktivierung und vermindert dadurch die IgE-vermittelte Histamin-Freisetzung. Eine Erhöhung der antigenspezifischen IgG4-Antikörpersynthese wird durch IL-10 von Treg und Breg Zellen erzielt. Diese Antikörper werden während der SIT induziert und progressiv sezerniert. Die allergenspezifische IgE-Synthese wird daher supprimiert, während die IgG4-Antikörperproduktion gleichzeitig ansteigt. Deshalb ist IL-10 nicht nur an der Entwicklung der T Zell-Toleranz involviert, sondern kann auch die Bildung spezifischer Antikörper-Isotypen regulieren und die spezifische IgE-Antwort gegen einen dominanten IgG4-Phänotypen lenken.

Prof. Dr. med. Ludger Klimek
Prof. Dr. med. Ludger Klimek

Lokale allergische Rhinitis: Ein neues Krankheitsbild?

 

Klimek selbst berichtete über Patienten, bei denen mit eindeutiger Anamnese einer allergischen Rhinitis (AR) trotz eingehender Diagnostik mit Pricktestung und Serum-Labordiagnostik auf IgE-Antikörper kein Nachweis einer Sensibilisierung geführt werden. Für die Behandlung der AR ist die Karenz der entsprechenden aerogenen Allergene jedoch von großer Bedeutung, wie auch die allergenspezifische Immuntherapie. Daher sei die Beantwortung der Frage, ob eine allergische Rhinitis (AR) oder nichtallergische Rhinitis (NAR) vorliegt, für den Patienten von großer Bedeutung.

Die heute als „lokale allergische Rhinitis“ (LAR) bezeichnete Sonderform der AR ist durch eine (ausschließlich) lokale, direkt in der Nasenschleimhaut stattfindende IgE-Produktion (spezifische Immunglobuline vom Typ E (sIgE)) charakterisiert. Der Nachweis von IgE mit den üblichen Allergie-Testverfahren im Serum oder in Hauttestungen ist jedoch nicht möglich, weshalb bei diesen Patienten in der Vergangenheit häufig eine nichtallergische Rhinitis diagnostiziert wurde.

Die Diagnose der LAR wird durch klinische Symptome, den lokalen Nachweis von sIgE im Nasensekret und/oder eine positive nasale Allergen-Provokationstestung gestellt. Erste diagnostische Schritte beinhalten die ausführliche Anamnese, Hauttest und in-vitro Diagnostik aus dem Serum. Bei passender Anamnese sollte darauf die Quantifizierung des nasalen spezifischen IgE folgen. Hierfür wurden spezielle Sekretsampler entwickelt, die auf Wunsch auch versandt werden können.

 

Diskussionen und Workshops in kleinen Gruppen

 

Neben exzellenten Vorträgen wurden Diskussion-Foren und Workshops zu verschiedenen Themen angeboten:

  • Diskussions-Forum I: Überarbeitung S2-Leitlinie zur Allergen-spezifischen Immuntherapie: aktueller Stand (Prof. Dr. med. O. Pfaar, Wiesbaden und Prof. Dr. med. E. Hamelmann, Bochum)
  • Diskussions-Forum II: Biologie, Vorkommen und Therapie von Allergien auf Hausstaub- und Vorratsmilben (Dr. med. C. Langer, Füssen)
  • Diskussions-Forum III: Aktuelle Therapiekonzepte von Allergien in der Praxis (Prof. Dr. med. L. Klimek, Wiesbaden)
  • Diskussions-Forum IV: Selten gesehen – oft übersehen: Differenzierung von allergischen Ödemen und Angioödemen – Therapierefraktäres Asthma oder primärer Immundefekt? (Prof. Dr. med. K. Bork, Mainz, Prof. Dr. med. C. Kroegel, Jena)
  • Diskussions-Forum V: Neuigkeiten aus der molekularen Allergiediagnostik (Dr. med. L. Lange, Bonn)

Desweiteren wurde in Ergänzung der Hauptvorträge wieder ein umfangreiches Programm angeboten: Ein Notfallkurs, zwei Anaphylaxie-Workshops und ein Akupunktur-Kurs für Allergologen ergänzten das Angebot.

 

Allergologie-Intensivseminar für Medizinische Fachangestellte (MFA)

 

Auch in diesem Jahr wurde erneut parallel zum Programm für die Ärzte ein Intensivseminar mit praktischen Übungen für Arzthelferinnen angeboten. Das Seminar war von den Mitarbeitern des Allergiezentrums in Wiesbaden konzipiert worden sowohl für die allergologisch erfahrene MFA als auch für Arzthelferinnen, die mit der allergologischen Testung, Vorbereitung und Organisation der Immuntherapie und weiterer Assistenz in der Allergologie beginnen wollen.

Im nächsten Jahr findet Allergologie im Kloster am 08. und 09. Mai 2015 statt.

Das Programm liegt in Kürze online unter www.allergologie-im-kloster.org vor.

A. Schäffer

 

 

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