Höchste deutsche Auszeichnung für Frankfurter HIV-Forscher

Bremsblock für die Virusvermehrung

Prof. Dr. med. Oliver T. Keppler vom Universitätsklinikum Frankfurt wurde der renommierte und höchstdotierte Hector-Forschungspreis 2013 verliehen.

Foto: Universitätsklinikum Frankfurt
Prof. Dr. med. Oliver T. Keppler

Die H.W. & J. Hector Stiftung hat Prof. Dr. med. Oliver T. Keppler, Direktor des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt, mit dem Hector-Forschungspreis 2013 ausgezeichnet. Der Wissenschaftler erhielt den in Deutschland renommiertesten und höchstdotierten Forschungspreis auf dem HIV/AIDS-Gebiet für seine im Fachmagazin Nature Medicine unter dem Titel „SAMHD1 restricts HIV-1 infection in resting CD4(+) T cells“ veröffentlichte Studie.
Die Stiftung würdigte, dass mit den Forschungsergebnissen „die Grundlage zur eingehenden Erforschung wichtiger Fragen in der HIV/AIDS-Erkrankung geschaffen wird“.
Außerdem haben Gutachter und Kuratorium „auch die klinische Bedeutung dieser Ergebnisse als fundamental angesehen.“
Die Stiftung betonte zudem, der Preis solle über die konkrete Studie hinaus als Auszeichnung für Kepplers Forschungstätigkeit insgesamt verstanden werden, die auch in der Anerkennung des von ihm geleiteten Instituts als Nationales Referenzzentrum für Retroviren bereits bestätigt worden sei.
Die Verleihung des Preises erfolgte am 14. Juni 2013 im Rahmen des deutsch-österreichischen HIV-AIDS-Kongresses in Innsbruck.


Gegenspieler des HI-Virus identifiziert

Das HI-Virus kann sich in verschiedenen Wirtszellen des menschlichen Körpers vermehren und erreicht so langfristig eine Schwächung des Immunsystems, die zur AIDS-Erkrankung führt.
CD4-T-Lymphozyten sind die Hauptzielzellen des Virus. Diese T-Helferzellen existieren in aktivierter und in ruhender Form. Die ruhenden Zellen bilden das große Reservoir der T-Helferzellen. Nur in aktivierter Form teilen sie sich und sind einerseits in der Infektionsabwehr aktiv, andererseits sind sie dann aber auch für die HIV-Infektion empfänglich. Nach Eintritt in die Zellen muss das HI-Virus seine Erbinformation von einer RNA in eine DNA umschreiben. Diese sogenannte Reverse Transkription ist ein entscheidender Schritt im Prozess der Virusvermehrung.
An diesem Punkt setzte die Studie „SAMHD1 restricts HIV-1 infection in resting CD4(+) T cells“ an. Das Protein SAMHD1 wird als zentraler Gegenspieler von HIV in ruhenden T-Helferzellen identifiziert. Es vermindert die Spiegel der Nukleotid-Bausteine in der Zelle. Diese Bausteine benötigt wiederum auch HIV, um seine Erbinformation umzuschreiben. Die Studie konnte zeigen, dass das HI-Virus seinen Vermehrungsprozess in diesen Zellen nur dann erfolgreich aufnehmen kann, wenn der Einfluss des antiviralen SAMHD1-Proteins ausgeschaltet wurde. Diese Erkenntnis schafft die Grundlage für die Beantwortung einer zentralen Frage der AIDS-Forschung: Warum wird im Verlauf der HIV-Infektion die Immunabwehr insbesondere durch das Absterben ruhender T-Helferzellen geschwächt? Paradoxerweise scheint es möglich, dass die neu aufgeklärte Hemmung der Virusvermehrung in ruhenden T-Helferzellen durch SAMHD1 mitverantwortlich für gerade deren Zellsterben ist. Die Forscher arbeiten jetzt daran, Wege zur Unterdrückung dieses Zelltods zu finden, um neue Strategien im Kampf gegen HIV/AIDS zu entwickeln.

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