Radiofrequenz Thermotherapie (RFTT) zur Behandlung der axillären Hyperhidrose

Nadeln gegen Schwitzen

Die Radiofrequenz Thermotherapie (RFTT) ist eine minimal-invasive Methoden zur Behandlung von Hyperhidrosis axillaris. Dr. med. Rainer Jokisch, Kelkheim, berichtet über seine Erfahrungen mit dieser Methode.

Foto: privat
Dr. med. Rainer Jokisch: „Viele unserer Hyperhidrose-Patienten wünschen sich eine schmerzfreie, anhaltende und wenig invasive Behandlung mit kurzen Erholungszeiten. Das RFTT-Verfahren scheint eine gute Lösung für diese Anforderungen zu sein.“

Ziel der Behandlung ist es, die Schweißdrüsen in der Haut durch Radiofrequenz-Energie und Hitze zu deaktivieren. Dieses Verfahren stellt eine wirksame Ergänzung der bisherigen Therapiemöglichkeiten dar.

 

Fraktioniertes Microneedling mit Radiofrequenz

 

Mittels Minor’schem Schweißtest wird das zu behandelnde Areal bestimmt, desinfiziert und mit einem lokalen Anästhetikum betäubt. Während der Behandlung wird das Handstück, bestehend aus 25 vergoldeten Mikronadeln auf einer Fläche von einem Quadratzentimeter, abschnittsweise über das Hautareal geführt. Dabei werden die Nadeln gleich einem Stempelverfahren in die Haut eingeführt und sofort wieder zurückgezogen. Wenn die Nadeln in die subkutane Hautschicht eingedrungen sind, wird ein ultrakurzer Radiofrequenzimpuls ausgelöst. Die entstehende Hitze zerstört die Schweißdrüsen und ihre Versorgungsnerven und stoppt die Hyperhidrose. Während des Eindringens in die Haut bleiben die Nadeln kalt. So entstehen an der Hautoberfläche keine Verletzungen.

„Viele unserer Hyperhidrose-Patienten wünschen sich eine schmerzfreie, anhaltende und wenig invasive Behandlung mit kurzen Erholungszeiten. Das RFTT-Verfahren scheint eine gute Lösung für diese Anforderungen zu sein. Unser Testlauf lieferte bisher für Arzt und Patient überzeugende Ergebnisse. Meiner Meinung nach ist es eine gute Erweiterung des Behandlungsspektrums bei Hyperhidrosis axillaris. Ich bin gespannt, ob sich das Verfahren durchsetzen wird“, sagt Dr. med. Rainer Jokisch, Kelkheim, Mitglied der Deutschen Dermatologischen Lasergesellschaft e.V. (DDL).

Foto: ArtMedia
Je nach Schweregrad der Hyperhidrose besteht der Behandlungszyklus aus zwei bis drei Sitzungen im Abstand von vier Wochen.

Bereits nach einer Sitzung reduziert sich das Schwitzen spürbar um bis zu 70%. Je nach Schweregrad der Hyperhidrose besteht der Behandlungszyklus aus zwei bis drei Sitzungen im Abstand von vier Wochen. Insgesamt zeichnet sich in den Ergebnissen eine erfreulich hohe Zufriedenheit der Patienten ab. Sobald der Jod-Stärke-Test sehr gute Ergebnisse aufweist, gilt die Behandlung als abgeschlossen.

 

Energieimpuls erst in der Tiefe

 

Die Funktionsweise der Radiofrequenz-Thermotherapie beruht auf der Zufuhr von bipolarer Radiofrequenz-Energie mit Hilfe der eingeführten Nadeln, also genau dort, wo sich die Schweißdrüsen befinden. Die entstehende Hitze soll die Schweißdrüsen und die innervierenden postsynaptischen Fasern des Sympathikus Nervs irreversibel zerstören. Gezielt in den tieferen Hautschichten zu arbeiten, wo die Scheißdrüsen liegen, wird durch die Verzögerungszeit der Radiofrequenz ermöglicht. Der Energieimpuls wird erst abgegeben, wenn die Nadeln in die gewünschte Hauttiefe eingedrungen sind.

 

Bei mehr als 30% der Patienten tritt nach der Behandlung eine Haarwuchsreduktion im Achselbereich auf. Alle Patienten fühlen sich erleichtert durch das Verschwinden des unangenehmen Geruchs (Osmidrosis), weil die apokrinen Schweißdrüsen ebenfalls zerstört werden. Mögliche Nebenwirkungen wie vorübergehende Rötungen, Druckempfindlichkeit, Schwellungen und punktförmige Krustenbildung klingen nach kurzer Zeit ab.

 

Vielfältige Anwendungsmöglichkeiten

 

Die neue minimal-invasive Radiofrequenz Thermotherapie ist eine innovative Behandlungs­möglichkeit von axillärer Hyperhidrose. Das bisherige Therapiespektrum umfasst neben medikamentöse Optionen wie Antitranspirantien oder das Spritzen von Botulinumtoxin, vor allem operative Verfahren wie die Schweißdrüsen-Saugkürretage oder die Laserlipolyse.

Die Anwendungsmöglichkeiten von fraktionierten Radiofrequenz-Mikronadel-Systemen in der ästhetischen Dermatologie sind vielfältig. Faltenreduktion, Hals- und Dekolleté-Straffung, Porenverkleinerung, Verfeinerung des Hautbildes, Korrektur von Akne-Narben sowie Schwangerschafts- bzw. Dehnungsstreifen (Striae) gehören zu den häufigsten Indikationen. Seit kurzem wird diese moderne Technologie auch erfolgreich bei der Behandlung von Hyperhidrose eingesetzt.

 

Neuausrichtung der DDL

 

Auf der letzten Jahrestagung der DDL im Mai in Bonn hat die DDL beschlossen, ihren Fokus zu erweitern, d.h. sie wird alle Anwendungen, in denen Energie zum Einsatz kommt, in ihre wissenschaftliche und praktische Auseinandersetzung einbeziehen. Dies betrifft u.a. IPL, Radiofrequenz, Ultraschall, Kälte und biochemische Verfahren. Mit dem Zusatz „Energie für die Haut“ wird diese Neuausrichtung auch im DDL-Logo sichtbar. jt

 

 

Weitere Informationen zur Deutschen Dermatologischen Lasergesellschaft finden Sie unter www.ddl.de. Die nächste Jahrestagung der DDL findet vom 12. bis 14. Juni 2015 in Trier unter der Leitung von Dr. med. Gerd Kautz, Konz, statt.

Aktuelle Ausgabe

Hier geht es zur Archiv Anmeldung

Hier finden Sie frühere Ausgaben von DERMAforum