„Aktionswoche Haut & Job“ 2014 und neue Berufskrankheit

Mitmachen lohnt!

Die „Aktionswoche Haut & Job“ 2014 wird wieder darauf aufmerksam machen, was Dermatologen für Beschäftigte leisten können. Prof. Dr. med. Swen Malte John, Osnabrück, lädt zum Mitmachen ein und erläutert die Einzelheiten für die Praxis.

Foto: privat
Prof. Dr. med. Swen Malte John: „Die Aktionswoche „Haut&Job“ 2014 wird deutlich machen, dass für sämtliche berufliche Hauterkrankungen ein Spezialist zur Verfügung steht: der Dermatologe.“

Die KBV-Imagekampagne für Ärzte, gestartet im April 2013, hat seither viel Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erregt. Sie zeigt, wie wichtig es ist, dass Ärzte ein Gesicht in der Öffentlichkeit erhalten und was sie für die Gesundheit der Bevölkerung leisten.

Die Dermatologie hat das sehr viel früher als die KBV erkannt und auch gleichzeitig noch auf den Aspekt „Prävention“ abgehoben, der eine besondere Facette unserer Fachgruppe ist, und darüber hinaus – soweit ist die KBV noch nicht – auf die Bedeutung unserer Präsenz bei Entscheidungsträgern in der Europäischen Administration und im Parlament. Das war der Grund dafür, warum der Autor 2010 die „Healthy skin @ work-Campaign“ ins Leben gerufen hat.

Diese europäische Kampagne und ihr nationaler Ableger hierzulande, die Aktionswochen „Haut& Job 2010-2014“, fortlaufend mit dem Ziel einer verbesserten, wirtschaftlich zu erbringenden Versorgung unserer Patienten mit berufsbedingten Hauterkrankungen, vom Ekzem bis zum Hautkrebs, in der Hand des Dermatologen, bewähren sich. Die Bemühungen der Dermatologen waren bemerkenswert erfolgreich und haben unter anderem zu einem international wegweisenden und in dieser Form unerreichten Honorarsystem für die dermatologische Versorgung unserer berufsdermatologischen Patienten in Deutschland geführt, das derzeit fortlaufend weiter verbessert wird. Nun geht es um weitere Fortschritte, auch auf europäischer Ebene.

 

Telefonaktionen mit regionalen Medien

 

Hierzulande werden die dermatologischen Fachgesellschaften die Öffentlichkeit am 4. November 2014 in der Kaiserin-Friedrich-Stiftung in Berlin über die diesjährige Kampagne informieren. Die Aktionswoche Haut & Job will die Hemmschwellen bei Betroffenen für die Inanspruchnahme dermatologischer Beratungen so weit wie möglich absenken. Die Öffentlichkeit wird aufgefordert, bei Hauterkrankungen, die auf den Beruf zurückgeführt werden, einen Hautcheck beim Dermatologen wahrzunehmen. Die Veranstalter hoffen, dass wieder möglichst viele Kollegen in Praxis und Klinik sich beteiligen. Die teilnehmende Praxis wird auf diese Weise als Anlaufstelle für Patienten mit Berufsdermatosen wahrgenommen, aber auch für erfreuliche Publizität für unser kleines Fach sorgen. Schön wären im Vorfeld der Aktionswoche zum Beispiel Telefonaktionen der ortsansässigen Dermatologen mit den regionalen Medien, um auf die sich den Patienten bietenden Möglichkeiten durch fachärztliche dermatologische Versorgung aufmerksam zu machen.

Ihnen allen kann man nur danken, dass Sie in den letzten Jahren so engagiert mitgemacht haben: Die Zahlen der Haut-Meldungen – ganz überwiegend Hautarztberichte – sind durch Ihren Einsatz bereits um 30% auf nie dagewesene 25.056 Meldungen gestiegen! Parallel dazu ist es durch Ihren Einsatz im Rahmen der Kampagne gleichzeitig gelungen, den Anteil der von den Unfallversicherungsträgern als beruflich eingeordneten Meldungen von vor der Kampagne 50% auf jetzt 80% zu erhöhen. Das bedeutet, dass eine vom Dermatologen erstattete Meldung eine so hohe Wahrscheinlichkeit wie noch nie hat, auch anschließend in ein ambulantes dermatologisches Heilverfahren beim meldenden Dermatologen zu münden – also genau das, was im Sinne einer effizienten und frühzeitigen Einbringung unseres Fach unabdingbar ist

Die Aktionswoche „Haut&Job“ 2014 wird deutlich machen, dass für sämtliche berufliche Hauterkrankungen ein Spezialist zur Verfügung steht („one fits all“): der Dermatologe. In diesem Jahr wird sich die Kampagne aber besonders beruflichem Hautkrebs durch langjährige Sonnenbestrahlung am Arbeitsplatz widmen; hier steht die Einführung einer neuen Berufskrankheit in die Berufskrankheitenliste unmittelbar bevor (Plattenepithelkarzinome oder multiple aktinische Keratosen der Haut durch natürliche UV-Strahlung).

Mit der Veröffentlichung der wissenschaftlichen Begründung für die neue Berufskrankheit durch das Bundesarbeitsministerium im August 2013 ist die Handhabung der Unfallversicherungsträger auch zum jetzigen Zeitpunkt weitestgehend bereits so, als wäre diese neue Berufskrankheit (BK 5103) auch schon formal in die Liste der Berufskrankheiten aufgenommen. Entsprechend sind auch parallel schon wesentliche Verbesserungen in der UV GOÄ für die Versorgung betroffener Patienten aufgenommen worden. Weitere Verbesserungen sind in Vorbereitung; auch ist es erstmals gelungen, unser Fach im Hinblick auf die neue Berufskrankheit als operativen Leistungserbringer in der UV GOÄ zu verankern. Für die dermatologische Praxis wird sich durch die jetzt bevorstehende Anerkennung von beruflichem Hautkrebs ein weiteres wichtiges Standbein außerhalb der GKV für Diagnose und Therapie im Sinne unserer Patienten ergeben.

 

Auch mal öffentlich rechtlich: „BG-IGeLn“!

 

In manchen europäischen Ländern steckt Prävention in den Kinderschuhen. Hierzulande ist ein System für gezielte Prävention in der Hand des Dermatologen geschaffen worden: „Verfahren Haut“. Mit den nach der Erkrankungsschwere gestuften Präventionsmaßnahmen unter Betonung des ambulanten Heilverfahrens, ergänzenden Angeboten wie Hautschutzseminaren bzw. stationär-ambulant vernetzter Heilverfahren für schwer Betroffene lassen sich große Erfolge erzielen: 80% der ehemals schwere Erkrankten konnten am Arbeitsplatz verbleiben, bei 70% trat unter nahtloser dermatologischer Weiterbetreuung vor Ort keine erneute Arbeitsunfähigkeit ein.

Deshalb sind Arbeitgeber schlecht beraten, die ihre erkrankten Mitarbeiter nicht in dermatologische Obhut geben. Dermatologische Prävention kann unseren Patienten die Gesundheit und den Arbeitsplatz erhalten und dabei gleichzeitig Kosten für Arbeitgeber und Sozialversicherungssysteme sparen!

Zudem ist das gemeinsame Engagement aller Fachkollegen für eine effiziente Sekundär- und Tertiärprävention ein wichtiger Beitrag für unser kleines Fach als Organfach. Grund genug für jede Praxis, auch im Bereich der Berufsdermatosen individuelle Gesundheitsleistungen nach der kürzlich verbesserten UV-GOÄ zu erbringen. Übrigens ist die Aktionswoche auch ein guter Anlass, in die Berufsdermatologie einzusteigen; die ABD bietet hierzu auch Zertifizierungsseminare an.

 

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