Billiglaser in Laienhand

Warum studieren wir eigentlich?

Dr. med. Klaus Hoffmann, Bochum, beschreibt die Risiken, die gerade von besonders günstig angebotenen Lasergeräten ausgehen. Insbesondere, wenn die von Laienhand betrieben werden.

Foto: privat
Dr. med. Klaus Hoffmann

Nachdem die Dermatologie endlich erkannt hat, dass fast sieben Millionen tätowierte Menschen einer qualifizierten medizinischen Betreuung bedürfen, ist es Zeit, auch einmal auf den Status Quo zu blicken. So muss man erkennen, dass neben den Kosmetikerinnen, die fleißig enthaaren, auch reichlich Laser in Laienhand sind, die Tattoos entfernen. Dies in einer Anzahl, die groben Schätzungen nach in die tausende geht. Wieder Wildwest in Deutschland – wie konnte das passieren? Zum einen ist die Bundesregierung nach wie vor eine Regelung des Laser und IPL Gebrauchs schuldig und zum anderen befinden sich, wie so oft in diesem Themenbereich, fast alle ärztlichen Gremien und Verbände im „Stand by“-Modus. Das Thema scheint wenig zu interessieren, die Laien jedoch kämpfen verbissen um diesen Markt und behaupten: Das kann jeder nach einem Schnellkurs!

 

Keine konstanten Leistungen – keine sichere Ergebnisvorhersage

 

Wo ist das technische Problem? Der Markt gerade der am häufigsten im Tattobereich eingesetzen Nd:Yag Laser ist der meistumkämpfte. Im August titelte die DPA: „Der Markt für Tattooentfernungen boomt“. Hintergrund war, dass eine Kette für Tattooentfernungen in Händen von sehr regen Nichtärzten wieder eine neue Niederlassung eröffnet hat! Angeblich kosten deren Laser 30.000 Euro. Sieht man sich eine daraus erstellte Meldung bei Focus online im Internet an, die mit einem Photo aus dieser Kette bebildert wurde,könnte man glauben, dass jedermann dieses Gerät für 1.000 Dollar über www.alibaba.com bestellen kann. Der interessierte Leser sollte sich die Berichterstattung vielleicht mal über Google News unter den Stichworten Laser und Tattoo ansehen und dann bei Alibaba einen Preis anfordern – das Ergebniss ist erstaunlich!

Bei diesen leistungsschwachen Tattooentfernungslasern muss immer beachtet werden, dass das Profil des Lichtpulses als auch die Dauer des Pulses in der Regel nicht konstant und nicht immer auf dem Stand der Technik sind. Sehr häufig ändern sich nach einer gewissen Arbeitszeit bzw. Laufzeit der Einheit grundlegende Eigenschaften bei diesen einfachen Tattooentfernungslasern.

Diese Veränderung ist eine Katastrophe, da dann die Ergebnisse nicht mehr sicher vorhersagbar sind. So sind selbst schwammige Angaben – z.B. 4-8 ns – häufig auch nur auf die gemittelten gemessenen Werte bezogen und nicht auf die tatsächliche Streuung der Pulszeiten, die in Messprotokollen manchmal aussehen wie die „Dartpfeil-Verteilung“ eines Anfängerspielers: Mit einer extrem weiten Streuung!

Die Folgen sind dramatisch: Die Nebenwirkungen sind deutlich höher. Sie sind im Milli- und hohen Nanosekundenbereich (über 5ns) sowieso höher als im deutlich kürzeren Picosekundenbereich, da wir einen sehr viel höheren thermischen Effekt haben. Die Wahrscheinlichkeit von Hypopigmentierung, Petechienbildung, Verbrennungen, Narben etc. sind sehr viel höher. Viel schlimmer jedoch: Es entstehen oft Narben und dann kann man selbst mit modernster Technik nicht mehr helfen.

Wenn man z.B. den „Polarizer“ des RevLite (ConBio / Cynosure) mit denen von billigen, koreanischen und chinesischen Nachahmersystemen vergleicht, so kann man selbst auf einfachen Fotos bereits erkennen, wo der Unterschied liegt. Beide geben die gleichen Kennwerte aus, der RevLite ist aber um ein Vielfaches stabiler und in seinen physikalischen Parametern effektiver. Wenn man behaupten würde, ein Auto mit 100PS und Ottomotor aus Deutscher Fertigung wäre das Gleiche wie ein Nachahmer mit den gleichen Kenndaten aus dem asiatischen Raum und würde genauso gut sein, aber nur ein 50zigstel kosten: Würde das jemand glauben?

 

Beliebte „Augenwischereien“

 

Bei Lasern wird das der Bevölkerung und teilweise sogar Ärzten erfolgreich suggeriert! Es ist bei Weitem nicht so, wenn 1064 nm als Wellenlänge angegeben wird, dass auch reines 1064nm abgestrahlt wird. Es ist sehr wohl so, dass in einzelnen Wellenlängen der einzelnen Laser auch verschiedene weitere Neben-Wellenlängen emittiert werden können.

Im Internet heißt es auch gerne, „sie haben eine CE“, gemeint ist hier aber nicht die „medical CE“ der Europäischen Union, die immer von einem Vierzahlencode (z.B. 1234) begleitet wird, sondern das Markenzeichen „China-Export“. Das muss man wissen, wenn man ein derartiges System kauft. Sehen Sie mal auf Alibaba.com. Dort hat alles und jedes eine CE, bei Nachfrage ist aber nie die Europäische Regulierung gemeint!

Beliebt sind auch „Augenwischereien“, bei denen die Milli-Joule als „die entscheidenden“ Kennwerte angegeben werden. Viel relevanter ist gerade bei der Pigment- und Tattoobehandlung die Wattzahl, d.h. die „Peak-Power“, die auf das zu behandelnde Areal einwirkt. Fragt man den Nutzer oder Betreiber nach dem sog. „Peak-Profil“, d.h. die bereits o.g. Charakteristiken des Lichtpulses, bekommt man häufig ausweichende Antworten – mir sind auch schon Profile, die ganz eindeutig nicht von dem angefragten Laser stammten, zugeschickt worden. Gerade aber dieses Profil ist der ganz entscheidende Punkt bei der Laserwirkung.

Handelt es sich um einen sog. „Top Hat“-Impuls oder eher um eine „flattrige“ Kurve mit vielen kleinen „heißen“ Spitzen, die dann doch letztendlich zu Verbrennungen, Schmerzen, Petechien und Nebeneffekten führen kann? Bei diesen sind natürlich insbesondere die Einblutungen, die später in einer Mischung aus Hyper- und Hypopigmentierungen enden, wichtig. Die Angabe der Hersteller, dass die Geräte dann länger als 30 Minuten arbeiten können, ist wichtig. In vielen Fällen „destabilisieren“ sich Laser nach langer Betriebszeit. Was aber, wenn man gerade größere Tattoos nicht wie gewünscht in einer Sitzung je mindestens einmal behandeln kann? Von einer wiederholten Behandlung im Sinne einer zweimaligen oder mehrfachen Behandlung nach 20min Wartezeit mal ganz zu schweigen?

 

Patient keineswegs ausreichend gut geschützt

 

Hier bleibt zu beachten, dass der größere Kühltank einer Einheit für eine falsche Sicherheit sorgt: Techniken, die gerade die billigsten asiatischen Nachahmer als besonderes „Feature“ herausstellen. Wahr ist, dass die nur dafür sorgen, dass das Gerät nicht völlig zerstört wird. Der Patient wird dadurch keineswegs ausreichend gut geschützt. Dafür bedarf es weitaus größerer technischer Anstrengungen. Bei einer Er- oder gar Überhitzung verändern sich die physikalischen Parameter innerhalb des Gerätes möglichweise immens, und damit auch der abgestrahlte Impuls.

Es gibt auch Geräte, die keine Active-Quality-Switch (elekro-optische / QS)-Impulse abliefern, d.h. im Gegensatz zu dem Energieaufbau innerhalb eines optischen Systems, im Sinne eines „echten“ QS-Impulses, werden in einem solchen Fall viele kleine Pulse aufaddiert, um einen echten Quality-Switch-Impuls nachzuahmen. In aller Regel reichen die physikalischen Kenntnisse der User nicht aus, um dies zu unterscheiden. Das solche Mini-Pulse eher mit dem „Flatterpuls“, der oben bereits beschrieben wurde, vergleichbar ist sind, erklärt sich von selbst. Da hätten wir wieder: Petechien, Miniverbrennungen, Narben usw.. Außerdem dürfte es klar sein, dass der elektro-optische QS-Laser eine optisch sehr viel bessere Wirksamkeit, insbesondere was die Ergebnisse betrifft, hat als die Geräte, die keine „echte“ QS-Technologie haben. Wer glaubt denn allen Ernstes, dass jemand ohne eine akademische, medizinische Ausbildung diese und dann noch die immunologischen, physiologischen und die weiteren Themen „mal eben erlernt“? Wozu haben die Dermatologen eigentlich studiert und eine Facharztausbildung gemacht – nach Lesart von einigen an diesem Markt interessierten Gruppen ein völlig überbewerteter Fakt! Ist er nicht! Man muss es aber tagtäglich neu kommunizieren!

Die Problematik der beschriebenen physikalischen Probleme besteht darin, dass billigere Geräte häufiger in Laienhand sind. Wie bei billigen IPL-Geräten auch, gilt bei diesen QS-Lasern ebenfalls, dass billigere Geräte aber höhere Nebenwirkungsquoten haben, die schwieriger zu beherrschen sind. Auch braucht man, wenn man einfache Geräte einsetzt, ein besonders hohes physikalisch-medizinisches Verständnis. Es darf bezweifelt werden, dass gerade diejenigen, d.h. die Laien, die die eher billigeren und einfacheren Geräte einsetzen, genau über diese zusätzlich notwendigen physikalischen Fähigkeiten verfügen.

Dieses Argument lässt sich sicherlich auch auf die „billigen“-„einfachen“ IPL-Maschinen ausdehnen. Mitte August traf sich eine Arbeitsgruppe in Rahmen des nicht ionisierenden Strahlenschutzgesetzes (NiSG), um eine wissenschaftliche Stellungnahme zum Einsatz von Lasern und IPL-Geräten durch Ärzte, Laien und andere Personen in Deutschland zu erarbeiten. Es sollen auch Risiken, Nebenwirkungen etc. erfasst werden.

Es bleibt zu hoffen, dass die Wissenschaft hier nicht vor industriellen Interessen „einknickt“. Es ist außerdem schlimm, wenn man mittlerweile wohl erkennen muss, dass nach den Kosmetikverbänden nicht wenige Interessenverbandsvorsitzende oder Aktivisten auch in anderen nichtärztlichen Bereichen nicht zuletzt auch das ganz persönliche finanzielle Interesse fest im Blick haben: Entweder den Betrieb von Laser in Laienhand oder den Verkauf von Lasern an Laien, das erschwert die Zusammenarbeit mit der Ärzteschaft natürlich und erschwert das Erarbeiten von Vertrauen.

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