Haut online überprüfen lassen

Hautcheck per App Erstmalig dürfen Hautfachärzte ohne persönlichen Kontakt zum Patienten eine
digitale Diagnose bei einem verdächtigen Hautfleck ausstellen. Die Landesärztekammer Baden-Württemberg genehmigte den Antrag für die erste teledermatologische Smartphone-Anwendung.

Mit der Smartphone-Anwendung AppDoc erhalten Patienten schnell und anonym eine Einschätzung ihres Hautproblems durch einen Hautfacharzt. (Foto: Titus Brinker)
Mit der Smartphone-Anwendung AppDoc erhalten Patienten schnell und anonym eine Einschätzung ihres Hautproblems durch einen Hautfacharzt. (Foto: Titus Brinker)

Anfang November 2018 genehmigte die Landesärztekammer Baden-Württemberg einen Antrag für die erste teledermatologische Smartphone-App. Erstmals ist es Hautfachärzten aus Deutschland damit erlaubt, Patienten mit Hautpro­blemen ohne einen ersten persönlichen Kontakt digital zu befunden. In vielen Fällen möchte der Patient eine Vorabeinschätzung haben, wie dringend die von ihm entdeckte Hautveränderung tatsächlich behandelt werden muss. Die App liefert diese erste Einschätzung, inklusive einer Handlungsempfehlung, die den Patienten den Gang zum Arzt meist bereits ersparen kann. Der Service schließt damit die Lücke zwischen einer Internetrecherche und einem persönlichen Praxisbesuch. „AppDoc“ steht über die Webseite www.online-hautarzt.net sowie für iPhones und Android Smartphones zum Download zur Verfügung.

 

„Die Teledermatologie eröffnet große Chancen für eine effizientere Patientenversorgung und bietet auch aufgrund des hohen Innovationsgrades eine Vorreiter- und Vorbildfunktion für weitere telemedizinische Anwendungen in anderen Bereichen.“

 

Für die Nutzer ist der Service anonym. Um sich eine Erstmeinung einzuholen, müssen drei Fotos der betroffenen Hautstelle aufgenommen sowie einige Fragen zu möglichen Symptomen beantwortet werden. Die Bilder und Informationen werden anschließend über eine verschlüsselte Verbindung an einen Hautfacharzt aus Baden-Württemberg übermittelt. Patienten ohne Smartphone können auch über eine Digitalkamera und die AppDoc-Webseite die Bilder ihres verdächtigen Hautflecks bereitstellen. Die App verspricht dem Patienten, innerhalb von 48 Stunden eine Ersteinschätzung digital zu übermitteln. Rückfragen der Online-Ärzte und die Antworten werden in einem nur für Arzt und Patient zugänglichen und geschützten Datenraum gespeichert.
„Oft kommen Patienten mit einem verdächtigen Hautfleck zu spät zum Facharzt“, so Dr. med. Titus Brinker, Assistenzarzt an der Universitäts-Hautklinik Heidelberg und Leiter der App-Entwicklung am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg. „Beruflicher Stress, lange Anfahrtswege oder Immobilität – das alles verzögert die zeitsensitiven Diagnosen insbesondere für Hautkrebs. Einfach verfügbare Lösungen für die Erstmeinung von verdächtigen Hautstellen sind daher dringend erforderlich. Die Nutzung von AppDoc dauert keine fünf Minuten und hat dadurch eine viel niedrigere Hemmschwelle, als einen Arzttermin zu vereinbaren.“ Für die teilnehmenden Hautfachärzte aus Baden-Württemberg ist der digitale Service nach der Gebührenordnung für Ärzte abrechenbar. Der Patient bezahlt eine Service-Gebühr in Höhe von 35 Euro. „Diese Pauschale müssen die Patienten derzeit noch selbst tragen, jedoch zeigen sich auch die Krankenkassen interessiert an dem neuen teledermatologischen Angebot“, berichtet Brinker.
Dr. med. ­Wiebke ­Sondermann, Universitäts-Hautklinik in Essen, leitet die externe App-Evaluation und begrüßt den Vorstoß aus Heidelberg: „Oft kommen Patienten durch Suchmaschinen fehlinformiert und teilweise unnötig in die Sprechstunde. Die App kann den Menschen viel überflüssige Wartezeit ersparen und ist eine qualitätsgesicherte erste Informationsquelle.“
Allerdings ersetzt Befundung per Smartphone nicht den Arztbesuch. Eine Erstmeinung über eine Teledermatologie-Anwendung sollte als ein möglicher Schritt vor einem Arztbesuch gesehen werden. „Bei Fällen, die digital nicht eindeutig zu beurteilen sind, werden die Hautfachärzte die App-Nutzer auch weiterhin in die Praxis einladen“, so Brinker. Prof. Dr. med. ­Alexander Enk, Direktor der Hautklinik am Universitätsklinikum Heidelberg, ist sich sicher: „Die Teledermatologie eröffnet große Chancen für eine effizientere Patientenversorgung und bietet auch aufgrund des hohen Innovationsgrades eine Vorreiter- und Vorbildfunktion für weitere telemedizinische Anwendungen in anderen Bereichen.“

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