Allergieprävention

„Präventiver Marsch“ gegen Allergien

Auf dem 8. Deutschen Allergiekongress Anfang September 2013 in Bochum skizzierte Prof. Dr. med. Eckard Hamelmann, Bochum, die Vision eines „präventiven Marschs“ aus primärer, sekundärer und tertiärer Prävention über bakterielle Lysate, Allergencocktails, parasitäre Komponenten und die spezifische Immuntherapie.

Foto: Archiv
Prof. Dr. med. Eckard Hamelmann

Analog zum „allergischen Marsch“, bei dem eine atopische Erkrankung auf die andere folgt, sollen mehrere hintereinander geschaltete Maßnahmen die Entstehung einer Allergie verhindern. Bereits bei Risikokindern und noch vor dem Nachweis der ersten allergischen Sensibilisierung kann eine primäre Prävention stattfinden, zum Beispiel durch eine unspezifische Immunmodulation über bakterielle Lysate oder über eine präventive Immuntherapie mit einem Allergencocktail, erläuterte Hamelmann beim Lunchsymposium der SymbioPharm GmbH auf dem 8. Deutschen Allergiekongress. Bei Patienten, die bereits eine Atopie entwickelt haben, könnte sich zukünftig eine sekundäre und tertiäre Prävention über unspezifische Immunmodulatoren wie parasitäre Komponenten (Trichuris suis ova) und die bereits gut etablierte spezifische Immuntherapie (SIT) alleine oder in Kombination mit Immunglobulin E hemmenden Substanzen (monoklonaler anti-IgE-Antikörper) anschließen.


Schützen statt meiden


Denn wie sich herausgestellt hat, erhöht das bislang praktizierte Meiden von potenziellen Allergenen in den ersten Lebensmonaten bis -jahren eher das Allergierisiko, als es zu senken. Moderne Ansätze zur primären Prävention von Allergie und Asthma konzentrieren sich deshalb auf die Schutzfaktoren, die wir mit verbesserten Lebensstandards und verbesserter Hygiene ausgeschaltet haben.
Ein wichtiger Schutzfaktor ist die natürliche Geburt: Wie Studien zeigen konnten, bringt eine Geburt per Kaiserschnitt ein erhöhtes Allergierisiko mit sich. Ausschlaggebend dafür ist der fehlende Kontakt des Neugeborenen zu den Bakterien des Geburtskanals. „Die mikrobielle Exposition ist der wichtigste Faktor in der Prävention, wie wir aus all den Bauernhofstudien gelernt haben“, erläuterte Hamelmann. Wer auf dem Bauernhof aufwächst, ist mit einer größeren Anzahl verschiedener Bakterien besiedelt. Gleichzeitig sinkt das Risiko, an Asthma und Allergie zu erkranken. Besonders während der empfindlichen Phasen in den ersten Lebensmonaten ist diese bakterielle Diversität wichtig.


Clostridien als Risikofaktor


Wie eine aktuelle Veröffentlichung zur PAPS-Studie mit 606 Säuglingen zeigte, wirken sich auch ältere Geschwister direkt auf die Diversität der Darmflora aus und schützen so vor Allergien. Eine Besiedlung mit Clostridien zwischen der 5. und der 13. Lebenswoche wurde dagegen als ein Risikofaktor für die Entwicklung einer Atopischen Dermatitis identifiziert und zeigte sich bevorzugt bei Kindern, die keine oder wenige ältere Geschwister haben und/oder per Sectio auf die Welt kamen. Ganz im Gegenteil zu einer weit verbreiteten Meinung zeigen diese und andere Studien aber, dass die normalen Schutzimpfungen in keinem Fall eine Allergie fördern, sondern sogar zu einer anti-allergischen Regulation des Immunsystems führen. Deshalb lautet Prof. Hamelmanns eindringliche Bitte: „Tragen Sie das Wissen hinaus und impfen Sie alle Kinder nach den Empfehlungen der STIKO!“   ve

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