Moderne Hautkrebsdiagnostik

Melanomerkennung Ein Beitrag von Prof. Dr. med. Holger Hänßle, Heidelberg, wird auf der DERM in Frankenthal einen praxisnahen Überblick zu Ganzkörperkartografie, Dermatoskopie und dem aktuellen Entwicklungsstand von KI-basierten Diagnosesystemen geben.

Prof. Dr. med. Holger Hänßle (Foto: privat)
Prof. Dr. med. Holger Hänßle (Foto: privat)

Klinisch praktizierende Ärztinnen und Ärzte sind bei der Hautkrebsdiagnostik auf ihr geschultes Auge angewiesen. Um die Erwartungen der Patientinnen und Patienten an eine effektive Hautkrebsfrüherkennung erfüllen zu können, haben sich der Einsatz der Ganzkörperkartografie und Dermatoskopie als 2-schrittiges Untersuchungsverfahren bewährt.
Ganzkörperkartografie ergänzt die klinische Untersuchung mit dem bloßen Auge
Die wiederholte Ganzkörperkartografie ist eine Untersuchungsmethode, welche die klinische Untersuchung mit dem bloßen Auge in idealer Weise ergänzt, da sie in der Lage ist, neue und sich makroskopisch verändernde Pigmentläsionen zu entdecken. Die Ganzkörperkartografie verbessert dadurch insbesondere die Melanomdiagnose, aber auch die Erkennung von nicht melanozytären Hautkrebsarten. Für die Bewertung einer neu aufgetretenen Pigmentläsion sollte unbedingt auch das Patientenalter berücksichtigt werden. Frühere Studien konnten klar belegen, dass sich bei jüngeren Patienten (< 50 Jahre) weniger als 1 % der neu aufgetretenen Läsionen als kutane Melanome herausstellten, während dies bei Patienten jenseits des 50. Lebensjahres zu 30 % der Fall war. Bei einem höheren Lebensalter sollten neu aufgetretene Pigmentläsionen daher zunächst generell als malignitätsverdächtig betrachtet und einer tiefergehenden dermatoskopischen Untersuchung zugeführt werden. Prinzipiell handelt es sich bei der Ganzkörperkartografie um eine zeit- und arbeitsintensive Untersuchungsmethode.
Deutliche Entlastung bei optimiertem Workflow
Allerdings können einige der jetzt auf dem Markt zugelassenen (teil-)automatisierten Systeme für die hochauflösende Fotodokumentation der Körperoberfläche eine deutliche Entlastung bei optimiertem Workflow liefern. Innovative Softwarefunktionen sind darüber hinaus erstmals in der Lage, alle Pigmentläsionen der untersuchten Person in nahezu dermatoskopischer Detailauflösung als Mosaik auf dem Bildschirm darzustellen. Makroskopische Auffälligkeiten, Verlaufsveränderungen oder neu entstandene Hautveränderungen lassen sich so schnell und effizient diagnostizieren.

 

„Die Kombination der Ganzkörperkartografie und der digitalen (sequenziellen) Dermatoskopie mit den Analysemöglichkeiten KI-basierter Diagnosesysteme eröffnet Hautärztinnen und Hautärzten eine neue Dimension des Hautkrebsscreenings.“


Eine erweiterte dermatoskopische Untersuchung wird mithilfe dieser Technologie nur in wenigen und gezielt ausgewählten Läsionen notwendig werden. Die vorliegenden Ergebnisse von zwei Metaanalysen bestätigen eine deutliche Zunahme der präoperativen diagnostischen Genauigkeit durch die Verwendung der Dermatoskopie im Gegensatz zur Untersuchung mit dem bloßen Auge.
Ergänzende Informationen wünschenswert
Die heute verwendeten dermatoskopischen Kriterien für die Melanomdiagnose gehen auf die ursprüngliche Musteranalyse („pattern analysis“) zurück. Gelegentlich fehlen kutanen Melanomen allerdings charakteristische Merkmale, insbesondere bei sehr frühen oder sehr fortgeschrittenen Stadien. Für diese Situation ist die Diagnose erschwert und ergänzende Informationen, wie sie beispielsweise aus sequenziellen dermatoskopischen Aufnahmen gewonnen werden können, erscheinen für die Beurteilung wünschenswert. Grundsätzlich sind für benigne Nävi eines Erwachsenen keine nennenswerten Änderungen im Zeitverlauf zu erwarten, während initiale kutane Melanome oft ausgeprägte dynamische Änderungen aufweisen. Morphologische Veränderungen, wie z. B. ein asymmetrisches Wachstum, können somit im Verlauf dokumentiert werden und weisen dann auf ein Melanom hin. Suspekte knotige Läsionen sollten übrigens nicht mit der sequenziellen digitalen Dermatoskopie analysiert, sondern direkt exzidiert werden.
Der Einzug der künstlichen Intelligenz (KI) in die Medizin scheint unaufhaltsam. Erste KI-basierte Diagnosesysteme für die Hautkrebserkennung sind bereits auf dem Markt und erreichen eine diagnostische Genauigkeit auf dem Niveau von Experten. Die Kombination der Ganzkörperkartografie und der digitalen (sequenziellen) Dermatoskopie mit den Analysemöglichkeiten KI-basierter Diagnosesysteme eröffnet Hautärztinnen und Hautärzten eine neue Dimension des Hautkrebsscreenings.                             |

Kontakt
Prof. Dr. med. Holger Hänßle
Geschäftsführender Oberarzt der Universitätshautklinik Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 440
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 – 56 – 85 76