Körpereigene Hautverjüngung

Blood Clot Secretome (BCS) Prof. Dr. med. Peter Arne Gerber, Düsseldorf, und Steffen Giesse,
Ludwigshafen am Rhein, berichten auf der DERM in Frankenthal über ihre Erfahrungen mit einem
Therapieansatz mit körpereigenen, regenerativen Substanzen.

Regeneration und die Haut stehen in Verbindung, weil die Haut als flächenmäßig größtes Organ ohne die natürliche Regeneration des Körpers ihre Funktionen als Schutzhülle und Barriere gegen Umwelteinflüsse und Mikroorganismen nicht ausüben könnte. Bei der Störung der natürlichen Mechanismen der Haut kommt es zu Erkrankungen wie Atopische Dermatitis, Urtikaria oder Psoriasis, um einige wenige zu nennen. Wie kann diese natürliche Funktion des Körpers, die Regeneration, als Therapeutikum für die Haut eingesetzt werden oder gar helfen, die Haut zu verjüngen?
Regeneration als Therapeutikum für die Haut
Gerät die Homöostase der Haut aus verschiedenen Gründen außer Kontrolle (wie Zerstörung der Hautbarrierefunktion, UV-Schädigung oder einfach wegen Alterung), kommt es unter anderem zu Elastizitätsverlust, dünner und feuchtigkeitsarmer Haut. Die körpereigenen Regenerationsmechanismen können das Gleichgewicht nicht immer vollständig wiederherstellen und die Haut wird nachhaltig geschädigt und kann ihre ursprünglichen Funktionen nicht mehr ausüben.

 

„Neben dem Einsatz von BCS zur Behandlung von Falten und zur Verbesserung der Hautqualität erscheinen auch Indikationen wie die androgenetische Alopezie, Akne-Narben oder die Rosacea spannend.“


Hier kann die regenerative Medizin ansetzen. Durch die körpereigenen, regenerativen Substanzen kann das Gleichgewicht der Haut wiederhergestellt werden. Diese regenerativen Substanzen können ohne großen Aufwand in eigener Praxis von Patienten selbst gewonnen werden, im Gegensatz zu komplizierten autologen Therapien wie z. B. Stammzelltherapien. Dabei wird in einem speziellen Aufbereitungsprozess gewonnenes venöses Blut mithilfe eines Bioinkubators die natürliche Wundheilungsreaktion im Inkubator nachgeahmt. Es entsteht ein zytokin- und wachstumshormonreiches Sekretom. Nach Zentrifugation kann das zellfreie Serum für die Behandlung von Hautalterungserscheinungen eingesetzt werden.

Herstellung von BCS: Nach einer venösen Blutentnahme (Abb. 1) wird in dem Bioinkubator unter kontrollierten Bedingungen eine physiologische Heilung simuliert (Abb. 2). Danach wird das Sekretom (BCS) durch Zentrifugation aus dem Bioinkubator
gewonnen und kann appliziert oder bei -18 Grad bis zu zwölf Monate gelagert werden (Abb. 3).

(Grafiken: Gerber)

Paradigmenwechsel in der Behandlung durch natürliche, körpereigene Prozesse
Bisherige Verfahren in der Dermatologie und ästhetischen Medizin behandeln oftmals nur Symp­tome wie zum Beispiel die Entzündung oder Elastose der Haut, die regenerative Medizin hingegen zielt auf eine Restrukturierung der zugrunde liegenden Prozesse ab und führt zu einem Remodeling. Regenerative Medizin bedeutet damit einen Paradigmenwechsel in dermatologischen Behandlungen: Weg von einer symptomatischen, hin zu einer kausalen Behandlung.
BCS in der regenerativen ästhetischen Medizin 
Das Blood Clot Secretome (BCS) bedient sich der Vorgänge jeder natürlichen Heilung: Die beiden Phasen eines physiologischen Gerinnungsprozesses, Koagulation und die dabei entstehende Sub­stanzen, werden in einem Bioinkubator nachgeahmt und genau in der richtigen Phase des Prozesses beendet, um die nützlichen Substanzen in einem optimalen Verhältnis zu halten. Durch das Abtrennen der Zellen vom Serum mit einer Zentrifugation entsteht ein höchst regeneratives, vom Patienten selbst gewonnenes BCS.
Regenerative und damit therapeutische Substanzen im BCS sind u. a.: Wachstumsfaktoren (z. B. TGF-ß, IGF-1, EGF, HGF, PDGF), Zytokine (z. B. IL 4), Lipidmediatoren und extrazelluläre Vesikel (Exosomen). Diese freigesetzten entzündungslösenden und regenerativen Substanzen fördern die Beseitigung alterungsbedingter chronischer Entzündungen in der Haut, steigern die Hautelastizität und Hautfeuchtigkeit und können somit die frühere Homöostase wiederherstellen. Die Folge ist eine verjüngte, strahlende Haut.
Vielversprechende klinische Erfahrung mit BCS in der Hautverjüngung 
Seit 2015 wird BCS klinisch getestet, in zwei klinischen Studien an der Universität Hamburg konnte eine hohe Wirkung auf die Hautelastizität und Feuchtigkeit bei 60 Patienten nachgewiesen werden. In einer aktuellen, in sechs Zentren in Deutschland laufenden klinischen Studie sind 120 Patienten mit mäßig bis starken Alterungserscheinungen über ein Jahr mit BCS in Behandlung, die Ergebnisse werden Mitte 2020 erwartet.
Erste, vielversprechende Ergebnisse
Die neuen Erkenntnisse mit BCS haben Gerber und Giesse motiviert, selbst die BCS-Therapie in Case Studies in ihren Kliniken einzusetzen.
Gerber: „Eigenbluttherapien sind aktuell in der ästhetischen Medizin und in der Dermatologie ein weitverbreitetes Konzept, wobei es hier eine unübersehbare Zahl unterschiedlichster Verfahren und Zubereitungen gibt. Einsatzgebiete reichen von der Hautalterung bis hin zur Alopezie. Die Datenlage zu diesen Therapien, die häufig unter dem Sammelbegriff PRP laufen, ist aber sehr heterogen und sie werden, meines Erachtens zu Recht, häufig kontrovers diskutiert. Als ich dann vor einiger Zeit erstmals von BCS hörte, war ich auch diesbezüglich interessiert, aber kritisch. Tatsächlich wurde und wird BCS in grundlagenwissenschaftlichen und klinischen Studien sehr systematisch aufgearbeitet. Erste Ergebnisse scheinen vielversprechend – einer der Gründe für mich, das Konzept in unserer Praxis für die ursprünglich empfohlenen, aber auch weitere Indikationen anzubieten und zu evaluieren. Auch wenn es für klare Aussagen zur Effektivität von BCS für mich noch zu früh ist, so ist doch das Feedback der bis dato behandelten Patienten durchweg positiv. Neben dem Einsatz von BCS zur Behandlung von Falten und zur Verbesserung der Hautqualität erscheinen auch Indikationen wie die androgenetische Alopezie, Aknenarben oder die Rosacea spannend.“
Verfahren in der Praxis intensiv getestet
Giesse: „Wir wenden seit Jahren autologe blutbasierte Verfahren bei verschiedenen Indikationen wie Hautverjüngung, Haarbehandlung und Behandlungen der Tränenrinne an. Prinzipiell haben wir damit auch schon gute Erfahrungen gemacht und mehrere Hundert Patienten zu ihrer Zufriedenheit behandelt. Die zur BCS-Methode vorliegenden Untersuchungen der Verfügbarkeit von Wachstumsfaktoren und Zytokinen, aber zusätzlich noch weiterer regenerativer Komponenten wie Exosomen und antientzündliche Bestandteile wie Lipidmediatoren hat mich neugierig gemacht und wir haben das Verfahren in den vergangenen Monaten in meiner Praxis intensiv getestet. Ich muss sagen: Es hat mich überzeugt. Insbesondere bei der Haarbehandlung sehe ich noch sehr großes Potenzial für diese Behandlungsmethode. Ich freue mich, unsere ersten ausgewerteten Ergebnisse demnächst vorstellen zu dürfen.“ Die Wirkung von BCS in neuen Indikationen außerhalb der Hautalterung wie z. B. bei Alopezie wird in klinischen Studien untersucht. Präventiv ist BCS ebenfalls denkbar: Durch eine frühzeitige Behandlung mit BCS könnten die Alterungserscheinungen der Haut verringert oder verzögert werden.                                                 |  ve

Prof. Dr. med. Peter Arne Gerber und Steffen Giesse (Fotos: privat)

Kontakt

Prof. Dr. med. Peter Arne Gerber, MBA
FA für Dermatologie und Venerologie
Dermatologie am Luegplatz
Luegplatz 3
40545 Düsseldorf
www.dermatologie-am-luegplatz.de

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