Gastkommentar September 2013

Die Qual der Wahl

Wer die Wahl hat, hat die Qual – am 22. September oder die nächsten 4 Jahre? Unter diesem Leitspruch macht sich Pressereferent und Vorstandsmitglied des BVDD, Dr. med. Ralph von Kiedrowski, Gedanken zur kommenden Bundestagswahl.

Foto: privat
Dr. med. Ralph von Kiedrowski

Schon zu Jahresbeginn sprach die Dermatologenschaft vom wichtigen Wahljahr, meinte damit aber zunächst die anstehenden Neubesetzungen der Präsidien des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen und der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft. Letztlich gingen diese fast lautlos über die Bühne: kein Wahlkampf, keine Wahlpropaganda, eigentlich Neubesetzungen ohne große Überraschungen im Sinne einer berufspolitischen Konstanz und Verlässlichkeit.
Dies ist jetzt ganz anders: Umfrageergebnisse in allen Medien, Wahlkampfveranstaltungen und TV-Duelle und nicht zuletzt die unentwegten „Grinsegesichter“ am Straßenrand. Es ist nicht mehr lange bis zu den Bundestagswahlen 2013!
Da stellt sich die Frage, ob dies auch uns Ärzte etwas angeht? Politikverdrossenheit ist auch bei Medizinern nicht unbekannt, schließlich haben sich die Hoffnungen an die amtierende Regierung und das „gelbe“ Gesundheitsministerium auch nicht erfüllt!
Ich glaube, dies wäre die falsche Einstellung, denn es gibt eine ganze Reihe wichtiger Themen für uns Ärzte und unsere Patienten, die sich in den verschiedenen Wahlprogrammen der großen Parteien sehr unterschiedlich wiederfinden. Aktuell polarisiert sich der Wahlkampf aus ärztlicher Sicht am Thema Bürgerversicherung. Da wundert es niemanden, dass sich im Ringen um die mehr als dringend notwendige GOÄ-Novellierung im letzten Jahr keinerlei Fortschritt mehr ergeben hat. Und in dem Maße, wie die Ärzteschaft sich gegen die staatliche Einheitskasse positioniert und den Wahlkampf in die Wartezimmer trägt, werden die üblichen „Neid-Geschütze“ aufgefahren: 21 Prozent mehr Gewinn, hallte es vom Statistischen Bundesamt durch alle Medien, für den einfachen Lohnempfänger in der Tariflandschaft in dieser undifferenzierten Darstellung eine ungeheuerliche Prozentzahl.
Die Grünen haben dazu noch Zahlen generieren lassen, die gerade bei uns Hautärzten wieder mal die Zweiklassenmedizin in puncto Wartezeit GKV- versus PKV-Versicherten thematisiert. In fingierten und undifferenzierten Terminabfragen wurden so längere Wartezeiten von 44 bis zu 99 Tagen „ermittelt“ und gelten jetzt als Argument pro Bürgerversicherung, die in minimalen Variationen von den Oppositionsparteien SPD, den Grünen und den Linken in ihren Wahlprogrammen klar festgeschrieben wurden. Ein Narr, wer da an Zufälle glaubt! Wie lange die Wartezeiten wirklich werden, wenn die in unserer Fachgruppe generierten Privat-Einnahmen wegfallen würden, dürfte uns beim Betrachten der betriebswirtschaftlichen Auswertungen schnell klar werden – den Patienten erst, wenn es zu spät ist. Oder wir glauben einfach den Grünen, die „sicherstellen wollen, dass die Honorare erhalten, nur gerechter verteilt werden“. Umverteilung hin zu den Dermatologen?
Und dies ist nur ein Thema von vielen: Freiberuflichkeit oder Kassenangestellter, Kostenerstattung oder Budgetierung, Krankenhausfinanzierung, Ärztemangel, Ärztliche Selbstverwaltung, Vernetzung oder auch Bürokratieabbau! Ach ja, Gewerbesteuer ist auch ein schönes Wort. Aus meiner Sicht ist diese (jede) Wahl extrem wichtig. Wir haben doch nicht Ulla abgewählt, um jetzt die „Fliege“ zurückzubekommen. Und Nicht-Wählen ist leider in jedem Fall die falsche Wahl! Kann die Ärzteschaft nochmal eine Große Koalition wollen? Ich verbinde mit dem Namen Seehofer seit 1997 auch nur „budgetierende Gesundheitsreformen“. Ich stehe immer für deutliche Worte, und wenn man sich dann das Berliner Farbenspiel anschaut, könnte der Slogan auch heißen:
„Wer sich nicht in Zukunft Rot und Grün ärgern will, muss bei Gelb reagieren. Wir haben die Wahl!“

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