Fotodokumentation in der ästhetischen Medizin und Dermatologie

Bessere Fotodokumentation

Dirk Brandl, Diplomfotoingenieur und Sprecher der Globalhealth Akademie für ästhetische Medizin, hat die seit 1996 bestehenden Standards auf die neuen Entwicklungen der Fotodokumentation angepasst und stellt diese in Frankenthal vor.

Dirk Brandl (Foto: privat)
Dirk Brandl (Foto: privat)

In vielen Gesprächen mit Dermatologen über die Darstellung der Ergebnisse ihrer durchgeführten Behandlungen wurde mir deutlich, dass jedem eigentlich die Bedeutung guter Dokumentationsbilder klar ist, es hapert in den meisten Fällen an der Umsetzung. Praxisstress, multifokussiertes Arbeiten, ungenügende Einweisung und verkomplizierte Arbeitsabläufe verhindern oft die Herstellung guter Ergebnisse. Diese sind für die Überzeugung der behandelten Patienten, immer stärker auch für die Beratung neuer Patienten und die Beweisbarkeit durchgeführter Behandlungen vor den Gerichten in ihrer Bedeutung extrem gestiegen.
Dabei ist eine einfache und schnelle, mit sehr geringem finanziellen Aufwand herstellbare und delegierbare Dokumentation dann möglich, wenn die Standards verinnerlicht sind. Ähnlich wie bei der Einarbeitung in neue Therapien dienen auch hier die Standards zur Reproduzierbarkeit von Ergebnissen – hier den Ergebnissen der Bilder, die angefertigt werden. Es gibt fotografische und medizinische Standards. Die Reproduzierbarkeit ist dann gewährleistet, wenn folgende fotografische Standards eingehalten werden, d. h. wenn immer dieselben Dokumentationsschritte durchgeführt werden:


1. Kamera
Heute wird ausschließlich mit Digitalkameras gearbeitet. Da alle Digitalkameras Software-Programme integriert haben, die die Bilder bereits beeinflussen, ist es notwendig, immer dieselbe Kamera zu benutzen.
2. Abstand
Der Abstand zum Motiv – hier dem Patienten – sollte durch Bodenmarkierungen in 90 % der Motive immer gleich gehalten werden. Ausnahmen sind Bilder der Hautoberfläche, die eine Makroeinstellung und ein näheres Herangehen erfordern.
3. Perspektive
Die Perspektive wird bestimmt durch die Neigung der Kamera. Verschiedene Perspektiven – einer der häufigsten Fehler – führen zu verschiedenen Bildern, die nicht mehr vergleichbar sind.
4. Ausschnitt
Der gewählte Ausschnitt, einstellbar durch das Zoomobjektiv, sollte bei beiden Bildern ungefähr gleich sein. Eine genaue Anpassung kann durch Fotobearbeitung später erfolgen.
5. Bildgröße
Die beiden Bilder müssen bei der Präsentation dieselbe Größe haben.
6. Hintergrund
Verschiedenfarbige oder verschieden helle Hintergründe verfremden die Betrachtung der Bildergebnisse, wie uns die Wahrnehmungspsychologie bewiesen hat.
7. Licht
Licht unterscheidet sich nach Härte und Richtung. Es scheint zunächst so, als wenn es äußerst schwierig ist, identische Lichtverhältnisse herzustellen. Dies ist nicht der Fall, wenn Lichtquellen positioniert werden können. Fotografieren mit dem eingebauten Blitz führt nur in seltenen Ausnahmen zu vergleichbaren Ergebnissen.

Die Veränderung des Aufnahmeabstands führt zu extremen Veränderungen (Fotos: Brandl)
Die Veränderung des Aufnahmeabstands führt zu extremen Veränderungen (Fotos: Brandl)

Auch in der Medizin, hier zur Körperabbildung, sind als Voraussetzung einer korrekten Wiedergabe der Behandlungsergebnisse standardisierte Abläufe nötig, die automatisiert werden sollten, genauso wie die fotografischen Standards. Diese sind:


1. Schminke und Bekleidung
Der Patient – in den meisten Fällen die Patientin – sollte abgeschminkt, ohne Schmuck und zusätzliche Bekleidung (beim Gesicht Schals und Hüte) fotografiert werden. Bei Körperbildern ist es notwendig, dass immer dieselbe Unterwäsche getragen wird.
2. Ausschnitt und anatomische Orientierung
Der Ausschnitt muss immer so gewählt werden, dass der Betrachter sich orientieren kann, um welchen Körperteil es sich handelt.
3. Ansichten
Es ist sinnvoll, mehrere Ansichten aufzunehmen. Im Prinzip muss sich der Patient in 45 Grad Schritten einmal um die eigene Achse drehen.
4. Kopfneigung und Körper­haltung
Um die Kopfneigung zu reproduzieren, benutzt man eine Hilfslinie, früher die Frankfurter Linie, heute die Netzwerk-Linie. Die Körperhaltung muss gerade sein, der Patient sollte ausgeatmet haben.
5. Mimik
Der Patient sollte einen neutralen mimischen Ausdruck haben.

 

Werden diese Standards eingehalten, erhalten wir reproduzierbare Ergebnisse. Diese Ergebnisse können heutzutage durch spezielle Bildbearbeitungsprogramme extrem manipuliert werden. Trotzdem sind Bildbearbeitungsprogramme notwendig und für die bessere Rezeption der Ergebnisse auch vorteilhaft, wenn darauf hingearbeitet wird, dass beide Bilder auf einem guten Betrachterniveau (gleiche Helligkeit, gleicher Kontrast und ohne Farbstich) dargestellt werden.

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