Konfokale Laserscanmikroskopie

Gesteigerte diagnostische Genauigkeit

PD Dr. med. Holger A. Hänßle, Heidelberg, wird in Frankenthal seine Erfahrungen mit der Konfokalen Laserscanmikroskopie (CLSM) darstellen.

Der Wunsch nach einer möglichst hohen diagnostischen Genauigkeit bei der nicht-invasiven Beurteilung von Hauttumoren führte in der jüngeren Vergangenheit zur Entwicklung neuer bildgebender Untersuchungsverfahren. Eine innovative Technologie ist dabei die konfokale Laserscanmikroskopie (CLSM), im englischen auch als ‚reflectance confocal microscopy (RCM)‘ bezeichnet, welche in der Lage ist, die diagnostischen Möglichkeiten des Dermatologen in der Praxis oder Klinik erheblich zu erweitern und zu verbessern. Dabei liefert die konfokale Laserscanmikroskopie mit Hilfe eines 830nm Lasers horizontale Schnittbilder der Epidermis und Dermis in Echtzeit und in hoher zellulärer Auflösung. Die Darstellung der zellulären Hautstrukturen und der Gewebsarchitektur basiert dabei auf einer punktförmig fokussierten (konfokalen) Beleuchtung in einer frei einstellbaren Eindringtiefe mit anschließender Abbildung des reflektierten Laserlichtes in horizontalen Schnittebenen. Neben der detailreichen Darstellung von Keratinozyten, dermalen Blutgefäßen und entzündlichen Infiltraten werden insbesondere melaninhaltige Zellen (z.B. Melanozyten, Melanomzellen, Melanophagen) sehr hell und kontrastreich abgebildet. Die Technologie erlaubt sowohl die Untersuchung von multiplen aufeinanderfolgenden 500 x 500 µm Arealen entlang einer vertikalen Achse (z-stack, entsprechend einer optischen Biopsie in die Tiefe) als auch die Abbildung größerer bis 8 x 8 mm messender Gewebsflächen in variablen Eindringtiefen über den Scan-Modus.


Für die Unterscheidung benigner und melanozytärer Läsionen essenziell


Letztere Option ermöglicht die genauere Beurteilung der Gewebsarchitektur und ist für die Unterscheidung benigner und maligner melanozytärer Läsionen von essenzieller Bedeutung.

Die steigende Anzahl an Publikationen zur Diagnostik von malignen und benignen Hauttumoren, aber auch von entzündlichen Dermatosen mittels der konfokalen Laserscanmikroskopie belegt dabei eindrucksvoll die hohe Übereinstimmung mit der klassischen Histologie, sodass zu Recht von der nicht-invasiven Entnahme einer optischen Biopsie gesprochen wird. Ein großer Anteil der bisherigen Studien beschäftigte sich mit dem Einfluss der konfokalen Laserscanmikroskopie auf die Diagnose des malignen Melanoms. In diesem Kontext konnte gezeigt werden, dass die diagnostische Genauigkeit durch die Hinzunahme der CLSM zur klinischen und dermatoskopischen Untersuchung deutlich verbessert wird. Insbesondere die Spezifität, also die korrekte Identifizierung der benignen Nävi unter einer Vielzahl atypischer melanozytärer Läsionen, wurde durch die CLSM gesteigert (siehe Abbildung). Dieses Ergebnis führt im klinischen Alltag zu einer reduzierten Anzahl chirurgischer Exzisionen von benignen Nävi bei gleichzeitig erhaltener hoher Sensitivität für die Diagnose des malignen Melanoms. Andere häufige epidermale Neoplasien wie z.B. das Basalzellkarzinom, Plattenepithelkarzinom oder Keratoakanthom, aktinische Keratosen oder der Morbus Bowen lassen sich ebenfalls mit hoher diagnostischer Genauigkeit in der CLSM analysieren.


Möglichkeit von Verlaufsuntersuchungen nach therapeutischen Interventionen


Die zunehmende Identifizierung spezifischer Muster für entzündliche oder infektiöse Dermatosen, blasenbildende Krankheitsbilder, aber auch seltene Hauttumore wie etwa das ekkrine Porom, erweitern das Spektrum der sinnvollen Einsatzmöglichkeiten der CLSM in der nicht-invasiven Diagnostik. Eine weitere wichtige Indikation für die Anwendung der CLSM liegt in der Möglichkeit von Verlaufsuntersuchungen nach therapeutischen Interventionen. So konnte unsere Arbeitsgruppe entscheidende Kriterien des Morbus Hailey-Hailey in der CLSM beschreiben (darunter die gestörte epidermale Schichtung und die akantholytische Spaltbildung) und den Heilungsprozess nach ablativer CO2-Lasertherapie mit der CLSM begleiten und so die Normalisierung der Gewebsarchitektur dokumentieren.

Bild: Hänßle

Abbildung: Ausschluss von Malignität mittels CLSM bei einem atypischen Pigmentmal. A) Stark pigmentierte asymmetrische Pigmentläsion am Rücken eines 80jährigen Mannes. B) Die Dermatoskopie zeigt eine irregulär pigmentierte Läsion mit prominenter Netzstruktur. Im Zentrum ein homogenes, schwarzes Areal mit peripheren atypischen dicken Netzstegen und engen unregelmäßigen Maschen. C) Die konfokale Laserscanmikroskopie zeigt das Muster eines Junktionsnävus mit ringförmigem Muster durch die hell-umrandeten dermalen Papillen. Dunkle Kreise im Zentrum entsprechen keratotischen epidermalen Inseln (Pfeile). D) Das histologische Bild entspricht einem dysplastischen Junktionsnävus und korreliert sehr gut mit dem Befund in der CLSM. Auch hier zahlreiche stark melaninhaltige Keratininseln in der Epidermis (Pfeile).

Zusammenfassend ist die CLSM eine innovative, nicht-invasive, in Echtzeit verfügbare Technologie für die bildgebende Darstellung von Epidermis und Dermis in zellulärer Auflösung. Neben der gesteigerten diagnostischen Genauigkeit durch Hinzunahme der CLSM zu herkömmlichen Untersuchungstechniken ermöglicht sie nicht-invasive Verlaufsuntersuchungen nach therapeutischen Maßnahmen. Ein wichtiger Eckpfeiler für die weitere Verbreitung der Technologie im klinischen Alltag sowie im Rahmen klinischer Forschungsprojekte war die Schaffung einer vereinheitlichten Nomenklatur, welche im Rahmen einer Konsensuskonferenz verabschiedet wurde.

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