Phlebologie

Moderne Therapieverfahren auf dem Prüfstand

Dr. med. Konstantin Feise, Darmstadt, gibt beim Live-Symposium in Gravenbruch einen Überblick über die derzeit zur Verfügung stehenden Therapieverfahren der Phlebologie.

Foto: privat
Dr. med. Konstantin Feise: „Mit der Sklerosierung und den endoluminalen thermischen Ablationsverfahren bieten sich dem versierten Phlebologen heute verschiedene Möglichkeiten zur erfolgreichen Behandlung von Varizen.“

Die Phlebologie befindet sich nach wie vor im Wandel. In der Diagnostik ist die hochauflösende Duplexsonographie mittlerweile zur Methode der Wahl geworden. Reine dopplersonographische Verfahren bieten in der Hand des erfahrenen Phlebologen zwar immer noch ein gutes Ergebnis, sind jedoch bezüglich der genauen anatomischen Bestimmung von Gefäßen und somit im präoperativen Mapping der Duplexsonographie eindeutig unterlegen. Für die ultraschallgesteuerte Sklerosierung ist die Duplexsonographie absolut unverzichtbar.

Aber nicht nur in der Diagnostik zeigt sich der technische Fortschritt in der Phlebologie. Minimalinvasive endovenöse Therapieoptionen sind zum Beispiel in den USA mittlerweile die Methode der ersten Wahl. Mit der Sklerosierung und den endoluminalen thermischen Ablationsverfahren bieten sich dem versierten Phlebologen heute verschiedene Möglichkeiten zur erfolgreichen Behandlung von Varizen. Aber auch ganz neuartige Verfahren wie das VenaSeal Sapheon Closure-System klingen zunächst vielversprechend, stehen aber zur Diskussion.

 

Radiofrequenzenergie und Laser zur Therapie von Varizen

 

Im Jahr 1998 wurde die endoluminale Anwendung von Radiofrequenzenergie zur Therapie von Varizen zugelassen. Das damals eingesetzte VNUS Closure® Verfahren wurde stetig verbessert. Nach dem Venus Closure plus® Katheter erfolgte die Weiterentwicklung zur VNUS Closure Fast® Sonde (heute: Venefit®). Das 7 cm lange „Heizelement“ erzeugt eine Arbeitstemperatur von 120°C, wodurch es zu einer Schrumpfung von Kollagenfasern in der Venenwand kommt und das Gefäß okkludiert wird.

Alternativ zum Venefit® Verfahren präsentiert sich die endoluminale Lasertherapie (ELVeS = Endo Laser Vein System). Seit 1999 wurden erste Studien zur endovenösen Lasertherapie publiziert. Zuerst wurden Wellenlängen von 810 bis 980 nm verwendet, mittlerweile sind höhere Wellenlängen mit 1340 und 1470 nm auf dem Markt. Hierbei wird die Energie von Wasser absorbiert und damit eher direkt im Zytoplasma der Gefäßwandzellen. Es resultieren sowohl bessere Verschluss- als auch geringere Nebenwirkungsraten. Die neueste Sonde appliziert die Energie seitlich radial und teils mit zwei Ringsonden. Somit können penetrierende Venenwandverletzungen vermieden werden und es resultieren weniger Nebenwirkungen und höhere Verschlussraten.

Foto: Feise
Rückzug der Sonde beim ELVeS-Verfahren

Venenablation mittels Wasserdampf

 

Als neuere Methode zur endoluminalen thermischen Venenablation bietet sich das Steam Vein Sclerosis®- (SVS®) -Verfahren mittels Wasserdampf an. Da es in Deutschland erst seit 2010 zugelassen ist, stehen größere Anwendungsbeobachtungen noch aus. Verbreitetere Anwendung findet diese Technik bereits seit etwas längerer Zeit in Frankreich.

Die derzeit neueste Methode stellt das VenaSeal Sapheon Closure-System dar. Cyanoacrylat als Gewebekleber ist bereits seit 50 Jahren im medizinischen Einsatz. Nun wurde er von der Firma Sapheon für die Krampfadertherapie in verbesserter chemischer Formel auf den Markt gebracht. Über eine kleine Punktionsstelle wird ein dünner Katheter in die erkrankte Vene geschoben und dann Stück für Stück zurückgezogen. Hierbei wird alle drei Zentimeter eine kleine Menge Cyanoacrylat appliziert und die Vene dadurch verschlossen.

Das Verfahren wird als besonders schonend für den Patienten angepriesen, da es ohne Tumeszenzanästhesie und postoperative Kompression auskommt. Wie bei jedem neuen Verfahren stehen Langzeitergebnisse jedoch noch aus. Auf Grund der recht hohen Quote an postoperativen Phlebitiden wird von einigen Therapeuten mittlerweile doch eine postoperative Kompression in Erwägung gezogen. Zudem stellt dieses Verfahren die mit Abstand teuerste Therapieoption dar (reine Materialkosten für den Kleber pro Therapie ca. 1.500 Euro). Nach der Übernahme der Firma Sapheon (Venenkleber) durch Covidien (Venefit) im August 2014 bleibt abzuwarten, wie die Empfehlungen der Firma zum Einsatz der beiden konkurrierenden Verfahren in Zukunft lauten werden.

 

Schwache Datenlage moderne minimalinvasive Methoden

 

Chirurgisch orientierte Phlebologen bemängeln die schwache Datenlage für die modernen minimalinvasiven Methoden. Und in der Tat fehlen Langzeitergebnisse mit ausreichend hohen Fallzahlen und Vergleichsstudien mit der herkömmlichen Crossektomie mit Stripping. Mittlerweile aufgelegte Studien versprechen hier für die Zukunft Abhilfe zu schaffen. So lange bleibt der Glaubenskrieg zwischen herkömmlicher chirurgischer und endovenöser Therapie vermutlich bestehen.

Wir in der Rosenpark Klinik sind der Ansicht, dass die endoluminalen Verfahren für eine Vielzahl von Patienten eine sichere und adäquate Therapieoption darstellen und freuen uns beim 12. Internationalen Darmstädter Live-Symposium auf einen regen Austausch und Diskussionen mit unseren Kollegen.

 

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