Rekonstruktion von Schädeldefekten

Hautersatz für den Schädel

Prof. Dr. med. Jörg Faulhaber, Schwäbisch-Gmünd, wird beim Live-Symposium seine Erfahrungen mit dem Einsatz moderner Hautersatzmaterialien bei Schädeldefekten erläutern.

Fortschritte im Tissue Engineering in den letzten Jahren haben die Entwicklung neuer Hautersatzmaterialien vorangetrieben und maßgeblich verbessert. Je nach Eigenschaft des Produktes ist die temporäre, semipermanente oder permanente Deckung von epidermalen, dermalen oder vollschichtigen Hautdefekten möglich. Wesentliche Vorteile bieten die neuen Hautersatzmaterialien – im Vergleich zu Präparaten, die aus Leichen entnommen werden – weil sie in benötigter Menge und jeder Zeit verfügbar sind. Aufgrund der standardisierten Herstellung sind die Materialeigenschaften vorhersehbar, was das Risiko von Komplikationen minimiert.

Aufgrund der immer älter werdenden Bevölkerung und der damit verbundenen ansteigenden Zahl chronischer Wunden wird der Bedarf an Hautersatzmaterialen in Zukunft überproportional zunehmen. Der Entwicklung und Optimierung dieser Produkte ist deshalb eine große medizinische und wirtschaftliche Bedeutung beizumessen.

Nach schichtübergreifender Resektion von Hauttumoren am Kopf in Kombination mit Anfräsung des Schädelknochens entstehen ausgedehnte Defekte, die eine Herausforderung für den Dermatochirurgen darstellen. Das übliche chirurgische Vorgehen zur Deckung dieser Defekte ist die Nah- oder Fernlappenplastik. Ist dies nicht möglich, kann die Deckung mittels Spalthauttransplantaten erfolgen oder alternativ die Sekundärheilung abgewartet werden. Ein wesentlicher Nachteil dieser Methoden ist, dass bei dem meist multimorbiden Patientengut Komplikationen wie Sekundärinfektionen im Wundbereich bzw. insuffiziente Ergebnisse durch Nekrosen des Transplantates entstehen.

Eine Alternative zu diesen Strategien zeigt die Deckung mit dem artifiziellen Hautersatz Integra® Dermal Regeneration Template (IDRT) in Kombination mit einem Spalthauttransplantat.

In der vorgelegten Studie untersuchten wir 58 Patienten (Durchschnittsalter 79,5 Jahre, ± 8,4) mit tiefen Defekten am behaarten Capillitium, die mit dem zweilagigen Hautersatz vorsorgt wurden. In dieser retrospektiven Studie wurden die kosmetisch-ästhetischen Ergebnisse, die Zufriedenheit der Patienten sowie das Auftreten von Komplikationen analysiert. Die mittlere Defektgröße betrug 63,12 cm² (± 54,37).

Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl Chirurg als auch Patient mit den kosmetischen Ergebnissen als auch mit dem organisatorischen Gesamtablauf zufrieden waren. Im gesamten Nachbeobachtungszeitraum traten keine Rezidive auf. Bei im Zeitraum von 2003 bis 2012 insgesamt 68 durchgeführten Eingriffen an 58 Studienteilnehmern kam es zu folgenden Komplikationen: Ulzeration (2,9%), Integra®-Verlust (4,4%), Verlust des Spalthauttransplantates (1,5%), Infektion (4,4%). Somit verliefen 86,8% der Eingriffe komplikationslos. Des Weiteren beobachteten wir in 7,3% der Fälle eine Hyperpigmentierung des Spalthauttransplantates. Im durchschnittlichen Nachuntersuchungszeitraum von 23,6 Monaten (± 19,3) beobachteten wir eine durchschnittliche Schrumpfung der Defektgrößen von 18,08% ± 0,13%.

Zusammengefasst konnten wir zeigen, dass ausgedehnte Defekte am Capillitium nach Tumorresektion mit Anfräsung der Schädelkalotte zuverlässig mit dem zweischichtigen artifiziellen Hautersatz in Kombination mit einem Spalthauttransplantat gedeckt werden können. Insbesondere bei älteren, multimorbiden Patienten stellt dies eine schnelle und sichere Methode dar, die Komplikationen wie Wundinfektionen oder Knochennekrosen minimiert und kosmetisch gute Ergebnisse zeigt.

Trotz des höheren Materialpreises des Produktes spricht eine positive Kosten-Nutzenrelation für seine Anwendung. Zum einen liegt bei unserem beschriebenen Verfahren die Zahl der Rezidive und Komplikationen deutlich niedriger, was in der Folge kürzere Liegezeiten zur Folge hat. Zum anderen ist die Anwendung aufgrund der permanenten Verfügbarkeit und bei standardisierten chirurgischen Prozedere und niedrigen Komplikationsraten sicher und einfach. Unsere beschriebene Operationsmethode mit Anfräsung der Schädelkalotte in Kombination mit dem artifiziellen Hautersatz und einer Spalthauttransplantation stellt daher wie erörtert in Zukunft eine ausgezeichnete Alternative zur gängigen Rekonstruktionsleiter dar.

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