Fettreduktion

Ist die Eiszeit vorbei!?

Welche Änderungen es im Bereich der Fettgewebs­behandlung gibt und wie auch die Therapie mit Wärme ihren Stellenwert hat, schildert Dr. med. Klaus Hoffmann, Bochum, für DERMAforum.

In Bochum hat Dr. med. Klaus Hoffmann ein Forschungszentrum für den nichtinvasiven Fettabbaubereich eingerichtet. (Foto: Hoffmann)
In Bochum hat Dr. med. Klaus Hoffmann ein Forschungszentrum für den nichtinvasiven Fettabbaubereich eingerichtet. (Foto: Hoffmann)

Amerikanische Firmen haben uns in den vergangenen zwei Jahrzehnten mit nahezu beispiellosen Marketingkampagnen neue Gerätschaften beschert.
Dies war bei den fraktionierten Lasern so und dann später auch beim „Einfrieren“ von Fett zum Beseitigen kleiner Fettpolster. Es hieß dann, dass es umfangreiche Patente geben würde und „so etwas“ kein anderer nachbauen dürfe. Damit wurden sehr hohe Preise gerechtfertigt. Irgendwie hat es dann aber mit den Patenten doch nicht so geklappt, auf nationalen und internationalen Kongressen gibt es z. B. für die „Einfriertechnologien“ reichlich Nachahmer. In Bochum werden zwei Originalgeräte betrieben, da es für die Sicherheitstechnologien als auch was die Literaturlage betrifft doch klare Argumente für das Original gibt. Man muss aber über die Alternativen zur Kältetherapie des Fetts nachdenken.
Fettgewebe ist im Grunde über viele physikalische Schäden anzugreifen. Sicher jedoch mit Hitze/Wärme als auch Kälte. Im DERMAforum wurde mehrfach über Kälte berichtet, daher ist dies heute ein „kleiner Ausflug“ in Richtung Wärme.


Wärme zur Behandlung des Fettgewebes


Wärme wird zur Behandlung des Fettgewebes im Wesentlichen durch Laser und/oder aber durch Radiofrequenz erzeugt. Über Ultraschall wird so sehr kontrovers diskutiert, dass er gesondert gesehen und besprochen werden muss. Bei der Radiofrequenz wird mittels einem schnellen Wechsel der Polarität zwischen Plus und Minus, eben in einer Geschwindigkeit, die man Radiofrequenz nennt, ähnlich wie in einer Mikrowelle, eine Temperaturerhöhung erzeugt. Es handelt sich also nicht um eine „Strahlung“, sondern eher um ein „Feld“ oder in einigen Fällen um einen echten Stromfluss. Es gibt reichlich gute Literatur, die die Wärme- und Hitzewirkung im Gewebe, die dann in einem Verlust von Fettzellen oder auch Neubildung von Collagen resultiert, belegt. Die Frage ist, in welchem Umfang dies passiert, hier werden die Geräte sich in der Wirkung möglicherweise unterscheiden. Wie weit, das wird die Zukunft erst zeigen müssen.
Die Bochumer Klinik hat im Wesentlichen Erfahrung mit zwei Coolsculpting-Geräten, die mit hoher Patientenzufriedenheit eingesetzt werden, genauso aber auch mit sehr gutem Erfolg ein Radiofrequenzgerät der Firma BTL mit Namen Vanquish und seit einigen Monaten das Gerät SculpSure der Firma Cynosure. Der Vanquish zeichnet sich dadurch aus, dass er völlig berührungsfrei große Flächen behandeln kann, das heißt, auch größere Volumina von Fett erhitzen kann. Dabei kommt es zu einem sehr guten Fettabbau, auch in aller Regel schneller als bei anderen Wärmetechniken. Dafür muss man aber ca. 45 Minuten bei der Einzelsitzung bestrahlen und die Patienten müssen unter Aufsicht bleiben. Das heißt, der Patient kann nicht während der ganzen Prozedur, zumindest in aller Regel nicht, allein liegen bleiben. Der Patientenkomfort ist durch die Wärmewirkung, die zum Ende der Therapie im ganzen Körper eintritt, etwas vermindert. Trotzdem gibt es bezüglich des Umfangs der Größenordnung der zu behandelnden Fläche derzeit auch nicht annähernd Vergleichbares. Erst recht nicht, seitdem ebenfalls eine Zulassung der amerikanischen Behörden (FDA) für die „Reiterhose“ vorliegt.
Die Herstellerfirma ist in Deutschland weitgehend unbekannt, obwohl sie international eine der stärksten im ästhetischen Bereich überhaupt ist. Im Laufe dieses Jahres sind Marketingkampagnen geplant, um dieentsprechenden Gerätschaften – es werden sowohl lokale als auch der genannte flächige Strahler angeboten – der Ärzteschaft näherzubringen.
Das derzeit am höchsten gehandelte Gerät, was die Medienaufmerksamkeit betrifft, ist ein Diodenlaser der Firma Cynosure mit Namen SculpSure. Es handelt sich hierbei um einen 1060-nm-Diodenlaser, der 25 Minuten lang in die Haut eingestrahlt wird. Er zeichnet sich dadurch aus, dass die Auflagedioden relativ einfach an verschiedenen Stellen des Körpers mittels eines Gurtsystems platziert werden können. Die Wirkweise ist ähnlich der aller hitzewirkenden Geräte so, dass das Fettgewebe über mindestens 20 Minuten zwischen 42 Grad und 47 Grad gehalten wird. Im Unterschied zur reinen Radiofrequenz lösen die Photonen des hypertermen 1060-nm-Diodenlaser mit hoher Wahrscheinlichkeit auch noch „Low-Level-Laser-Effekte“ aus, d. h. direkte biologische Wirkung innerhalb der Zelle. So erklärt sich möglicherweise die starke Wirkung, die mit Abbau von 25 % der bestrahlten Fettareale pro Sitzung beschrieben und beworben wird. Alle diese Geräte setzen auf Membrandefekte an der Fettzellmembran als auch auf die Apoptose, die mit am einfachsten durch Hitze ausgelöst werden kann. Verstärken die Wirkung aller genannten Gerätschaften inklusive der Kälte durch eine radiale Stoßwelle der Firma Zimmer.
Hierzu gibt es mittlerweile auch eine gute Literaturbasis. Es ist einfach zu verstehen, dass man eine vorgeschädigte Zellmembran durch den massiven Druck einer radialen Stoßwelle noch weiter schädigen kann und damit die Wirkung der entsprechenden Therapie verstärkt. Derzeit ist der SculpSure das Gerät, das den größten Claim in der Verbindung Geschwindigkeit/Fettreduktion hat – aber auch einen entsprechend hohen Preis.


Forschungszentrum für nichtinvasiven Fettabbau eingerichtet


In Bochum ist nach der Anschaffung sämtlicher der hier genannten Gerätschaften und dem Vorhandensein von anderen Optionen wie invasiven Lipolasern oder Ultraschall ein Forschungszentrum für diesen nichtinvasiven Fettabbaubereich eingerichtet worden, der zum 1. Februar seine Arbeit aufnehmen soll. Aufgrund der Ausstattung mit sämtlichem greifbarem Gerät aus den jeweiligen Anwendungsklassen hoffen wir in Zukunft Antworten zu der Wirksamkeit der entsprechenden Techniken geben zu können. Man kann aber sicher sagen, dass die Geräte von den Patienten angenommen werden. Mit dem Vorzug quasi für jede Indikation von Fettfalte über größere Fläche als auch sehr spezifische punktuelle Anwendung alle Wünsche erfüllen zu können, sind die Geräte wirtschaftlich überaus erfolgreich. Man darf aber auch nicht übersehen, dass durch den Wunsch zu einer Beratung für eine nichtinvasive Fettentfernung möglicherweise auch andere Themen ansprechbar sind. Viele Patienten wechseln von einer nichtinvasiven Fettentfernung hinein in invasive Techniken und umgekehrt. Wichtig bei all dem ist, dass man nicht den 200-kg-Adipositaspatienten behandeln kann, sondern kleine Fettmengen, und dass man eine sehr gute Aufklärung betreibt.


Bereicherung für die Praxis


Gerade dann sind derartige Technologien eine Bereicherung für die tägliche Praxis. Sämtliche in Bochum stehenden Gerätschaften wurden ordnungsgemäß erworben und bezahlt und nicht durch Studien oder ähnliches querfinanziert. Hintergrund ist, dass das Forschungszentrum mit objektiven Antworten aufwarten soll.

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