Reisebericht von der COSMEDICA 2015

Ein Anatom reist um die halbe Welt

Der Anatom Priv-Doz. Dr. med. Sebastian Cotofana war einer der Referenten auf der diesjährigen COSMEDICA in Bochum. Hier schildert er in einem Reisebericht seine Erlebnisse unter Dermatologen.

Montag in der Früh, 28. September 2015: Eine kleine Insel in der Karibik namens Dominica wird wach und geschäftig. Mein Taxi wartete auf der Straße bereits auf mich, um mich von Portsmouth nach Roseau zu bringen. Portsmouth ist die Stadt, die ich versuche seit dem 1. September „meine neue Heimat“ zu nennen und hier befindet sich auch mein neuer Arbeitgeber, die Ross University School of Medicine.
Die Fahrt mit dem Auto nach Roseau und damit zum Fährhafen, meinem eigentlich Ziel, dauerte circa ca. 90 Minuten. Früher war diese Strecke in 50 Minuten fahrbar, jedoch hat Hurricane „Erika“, der am 27. und 28. August die Insel heimsuchte, wüste Spuren hinterlassen. Nicht nur, dass die Hauptverkehrsader von Portsmouth nach Roseau an vier Stellen stark beschädigt wurde, sondern auch der größere der beiden Flughäfen ist durch die vielen Wassermassen außer Betrieb gesetzt worden. Von den über 30 Toten und den unzähligen menschlichen Tragödien soll hier jedoch nicht weiter berichtet werden. Mit der Fähre ging es für mich ohne zeitliche Aufschübe auf die Nachbarinsel Guadeloupe, um nach einem kurzen Aufenthalt dort in das Flugzeug in Richtung Europa einzusteigen. Guadeloupe gehört ja bekanntlich zu Frankreich und daher benötigte ich für diesen Teil meiner Reise nur noch meinen Personalausweis. Nach etlichen gewechselten Unterkünften und zahlreichen Transfers erreichte ich drei Tage später Bochum. Aus dem Zug ausgestiegen, strahlte mir der goldene Herbst entgegen und mir wurde erneut bewusst, was die Europäer am Herbst so lieben.
Am Freitag, den 2. Oktober kam ich am frühen Morgen am Austragungsort der diesjährigen COSMEDICA an. Jeder der Mitarbeiter aus dem Hoffmann’schen Team hatte ein freundliches Wort für mich übrig und ein Lächeln auf den Lippen. Ich meldete mich an und nahm im Hörsaal platz, um mir die ersten Vorträge anzuhören. Gleich der erste Vortrag zeigte mir, dass das Spektrum dieser Veranstaltung ein Breites werden würde und zahlreiche weitere und erstklassige Vorträge sollten mir dies bis zum Samstagnachmittag bestätigen.
In den Pausen herrschte ein interessiertes, jedoch moderates Treiben in der Industrieausstellung, was ich persönlich als sehr angenehm empfand. So konnte ich mich an jedem Stand in Ruhe informieren und mir die angepriesenen Produkte ansehen, ohne gleich von den Besuchermassen weiter zum nächsten Stand gedrückt zu werden. Der geneigte Leser wird sich nun sicher fragen: Was will denn ein Anatom an den Industrieständen? Nun, jeder Stand hat Infomaterial mit anatomischen Inhalten. Diese erwecken mein Interesse, denn darauf kann ich aktuelle Trends und Richtungen versuchen zu erkennen und zu verstehen. So kommt es nicht selten vor, dass ich einen Gedanken aufschnappe, den ich dann in meinen Vorträgen oder gar in meinen Vorlesungen für Studierende einbringe. Am späten Vormittag war dann mein Vortrag über die Phylogense und die Embryogenese der Strukturen im menschlichen Gesicht (s. S. II) und ich war erstaunt, wie viel anatomisches Wissen im Auditorium zu finden war. Ich stelle gerne Fragen an das Auditorium, damit dieses mir nicht einschläft während der doch trockenen Thematik und, in der Tat, es wirkt Wunder. Großes Kompliment an dieser Stelle nochmals an die Zuhörerschaft für das Engagement. Der weitere Nachmittag war erst recht spannend für mich, weil ich viel Neues und Spannendes zum Thema Fettgewebe, Laseranwendungen und zur Nagelchirurgie hörte. Vielleicht wird es ja in Zukunft Möglichkeiten geben, dass der Laser im Präpariersaal Einzug finden wird, wer weiß. Als Anatom hat man ja häufig fachbezogene Vorstellungen; wobei, wenn ich an die aktuelle finanzielle Lage der Lehrbudgets von anatomischen Instituten denke, wird sich das in diesem Jahrtausend sicherlich nicht mehr ereignen. Am Abend habe ich dann einen weiteren und interessanten Aspekt dieser Veranstaltungen vor Augen geführt bekommen. Ein hochkompetenter DJ, ein unermüdlich nachschenkendes Personal an der Bar und ein erstklassiges Catering erschufen eine legere Atmosphäre für einen regen und mitunter auch fachlichen Austausch. Es ist ja nicht umsonst bekannt, dass die besten Ideen eben nicht einsam und traurig an einem unbehaglichen Ort entstehen. Aber ohne die tatkräftige Unterstützung des Hoffmann’schen Teams, bin ich mir sicher, wäre es nicht ein so gelungener Abend geworden, wie er den Teilnehmern in Erinnerung bleiben wird.
Am Samstag, den 3. Oktober war der Vortragssaal sehr gut besucht und ich habe nichts von dem üblichen morgendlichen Schwund nach abendlichen Kongressveranstaltungen bemerkt. Mein Vortrag am Vormittag über den aktuellen Stand der Gesichtsanatomie in Bezug auf Filler und Neuromodulatoren hatte mir im Vorfeld diskret Sorgen bereitet ob der Dauer und des Themas.
Jedoch bin ich erneut eines Positiven und Besseren belehrt worden, wie des Öfteren an diesem Wochenende. Auch habe ich wieder gemerkt, wie viele Gemeinsamkeiten es interdisziplinär gibt, die verbinden. Ein Beispiel sei hier angeführt, an welchem plastische Chirurgen und Anatomen gemeinsam leiden.
Das superfizielle musculo-aponeurotische System (SMAS) wird von manchen Klinikern angezweifelt, ebenso wie sich die anatomische Welt noch nicht entschlossen, hat diesen Begriff in die allgemeingültige Nomenklatur der anatomischen Begriffe „Terminologia Anatomica“ aufzunehmen. Jedoch wer den allgemeingültigen anatomischen Spruch berücksichtigt; „Das Präparat hat immer Recht!“, wird wissen, was rechtens ist. Ich für meinen Teil, bin sehr froh, dass ich an dieser Veranstaltung teilnehmen durfte, auch wenn die Hin- und Rückreise alleine sechs Tage in Anspruch genommen haben. Es war eine tolle Zeit und ich habe (wie immer) viel Neues gelernt.
Der Flughafen in Dominica übrigens wurde bereits wieder in Betrieb genommen, sodass die Reise von und nach Dominica in Zukunft sehr kurzweilig sein wird und ohne großes Umsteigen oder Übernachten vonstattengehen wird.
Dies hat jene besondere Bedeutung, dass ab dem Jahr 2016 hier am Department of Anatomy der Ross University School of Medicine anatomische Kurse angeboten und durch mich organisiert werden. Zahlreiche Studien belegen eindeutig, dass es sich nachhaltiger und besser in einer schönen und entspannten Umgebung lernt und fortbildet.
Und was würde sich dafür besser eignen als die Karibik selbst.

In einer schönen und entspannten Umgebung lernt und fortbildet es sich  nachhaltiger und besser.   (Foto: Cotofana)
In einer schönen und entspannten Umgebung lernt und fortbildet es sich nachhaltiger und besser. (Foto: Cotofana)

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